Wie sicher ist Äthiopien?

Das Außenministerium hat eine partielle Reisewarnung für Äthiopien herausgegeben - ein Reise-Experte sieht das nicht so eng.

In Äthiopien wurden vier Österreicher während einer Schlauchboottour in der Nähe von Bahir Dar und den Nil-Wasserfällen überfallen und einer davon getötet. Laut dem österreichischen Außenministerium herrscht erhöhtes Sicherheitsrisiko, es gibt eine partielle Reisewarnung für die Regionen Somali und Afar. Ganz fern bleiben sollte man Äthiopien deswegen aber nicht, meint Peter Weber im Gespräch mit dem KURIER.

Danakil_cc sa nc by CharlesFred.jpg Foto: cc sa nc by CharlesFred Der Reiseleiter war schon mehrmals in Äthiopien, hat Reisen dorthin organisiert und verfolgt seit Jahren die Situation im Land. "Das Land ist groß und es gibt viele lohnende Gegenden ohne Probleme.“ Abraten würde Weber aber von Reisen zur Danakil-Wüste, für die auch das Außenministerium eine Reisewarnung ausspricht. Dort kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Übergriffen gegen Touristen. Die Danakil-Senke liegt an der Küste des Roten Meeres im Afar-Dreieck in Eritrea, Äthiopien und Dschibuti: „Die bietet landschaftlich ohnehin nicht viel“, meint Weber. Auch im Grenzgebiet zu Somalia besteht das Risiko von Entführungen, dorthin zu reisen wird also dringend abgeraten. Für die touristischen Gebiete heißt es laut dem Reiseleiter: „Wenn man Vorsicht walten lässt, gibt es keine Bedenken“. Von Seiten des Außenministeriums heißt es weiter: "Von Übernachtungen im Freien und Campieren abseits von bewachten Anlagen ist dringend abzuraten. Reisen in entlegene Gebiete, vor allem abseits der traditionellen Touristenrouten, sollten wenn überhaupt nur in Begleitung von einheimischen Reiseführern oder äthiopischem Sicherheitspersonal unternommen werden".

Äthiopien als Reiseziel

Warum überhaupt nach Äthiopien reisen? Der Norden Äthiopiens ist kultur- und religionshistorisch interessant. Zu den Hauptsehenswürdigkeiten dort zählt unter anderem Lalibela. „Die monolitischen Kirchen unterm Fels sind einfach einzigartig“, so der Äthiopien-Experte Weber. Dass die äthiopische Hauptstadt Addis Ababa auf der Lonely Planet Trendliste 2013 gelandet ist, kann er aber nicht nachvollziehen: „Die Stadt selbst ist nicht sensationell toll. Sie ist im Hochland, ist modern, hat einen schönen Markt, aber die historisch wirklich wichtigen und schönen Dinge liegen vor allem nördlich.“ Zu den Highlights zählen für ihn auch das nordäthiopische Reich von Axum, das eines der ersten christlichen Königreiche der Welt war,... ... sowie Bahir Dar, die Hauptstadt der äthiopischen Provinz Amhara und ... ...die alte Hauptstadt Gondar mit Schlössern und zahlreiche Kirchen. Der Große Afrikanische Grabenbruch, auch bekannt als Great Rift Valley, befindet sich im Süden des Landes und ist vor allem landschaftlich ein lohnendes Ziel, erklärt Weber. Das Gebiet mit zahlreichen Seen, ist besonders für seine zahlreichen Flamingos weltberühmt. Ebenfalls im Süden präsentieren ursprüngliche Völker – gegen Bezahlung – alte Traditionen für Touristen und kultivieren so ihren Ursprung. „Die südlichen Völkerstämme sollte man aber ausschließlich mit einem Führer besuchen“, rät der Äthiopienexperte. Alle Reisen muss man von der Hauptstadt Addis Ababa starten. Für Ausflüge im Land empfiehlt Weber grundsätzlich Inlandsflüge: „Das Netz ist gut ausgebaut, es gehen alle paar Stunden Flieger, man spart Zeit und es ist sicher, während die Straßen eher schlecht sind“. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Wer viel Zeit hat kann auch mit der Bahn in den Osten fahren: „Man braucht aber wirklich Geduld, denn der Zug fährt nur mit 20 km/h“. Als Ziele nennt er Dire Dawa und Harar, die aufgrund ihrer hohen muslimischen Bevölkerungsanteile einen anderen Charakter haben, als der Rest des sonst eher christlichen Landes.
(Kurier) Erstellt am