Iran: Die Welt hinter dem Schleier

Iran, Persepolis, Shiraz, Isfahan…
Foto: /Sandra Baierl Zu Besuch in einer beeindruckenden Moschee am Imamplatz in Isfahan

Über die Menschen und das Leben im Iran – und wie man es als Pauschaltouristin erlebt.

Die Iraner wollen gemocht werden. Sie lächeln, sprechen Touristen an, zeigen sich interessiert daran, woher man kommt. Und graben den einen oder anderen deutschen Satz aus, um Touristen zu beeindrucken. Sie fragen auch immer wieder nach dem Bild, das Europäer von ihrem Land haben – und hoffen, dass es ein gutes ist. Sie glauben aber, dass sie als böses, rückständiges und gefährliches Land gesehen werden. Dieses Bild wollen sie ins Positive drehen.

Parallelgesellschaft

Iran, Persepolis, Shiraz, Isfahan… Foto: /Sandra Baierl In einer Moschee in Schiras, der Stadt der Liebe, wo Hafiz dichtete Die Iraner blicken gerne in die Vergangenheit. Sogar in ihrer Sprache wird statt der Gegenwart die Mitvergangenheit verwendet, sie kennen keine Möglichkeitsform. Sie reden gern über das große Perserreich und den Glanz der sehr, sehr alten Zeit. In Erzählungen blenden sie aber das vergangene Jahrhundert aus. Der Lauf der jüngeren Geschichte änderte sich 1979 schlagartig, als mit der Revolution der Iran und die politische Weltkarte umgezeichnet wurden. Der westlich orientierte Schah flüchtete, Chomeini verwandelt das Land in eine Islamische Republik.

Iran, Persepolis, Shiraz, Isfahan… Foto: /Sandra Baierl Versteckter Kaffee im Ramadan, weil tagsüber verboten "Seit 40 Jahren regieren die Mullahs", erzählt ein iranischer Professor, "da ist eine Hinrichtung pro Jahr auf der Straße von Teheran doch gar nicht schlimm. Schauen Sie nach Saudi-Arabien, da passiert das jede Woche." Alles ist relativ. Um mit dem Regime zu leben, machen sich die Iraner ihre eigene Welt. "Hinter verschlossenen Türen tun wir, was wir wollen", erzählt ein Händler, "aber in der Öffentlichkeit setzen wir eine Maske auf – das ist unsere Überlebensstrategie." Im Geheimen ist im Iran also viel möglich: über VPN-Gateways verschaffen sie sich Zugang zum freien Internet, Satellitenschüsseln für ausländische TV-Sender hängen im Hinterhof, sie feiern Feste, beschaffen sich den verbotenen Alkohol. Und selbst im Ramadan rauchen, essen und trinken sie tagsüber.

Iran, Persepolis, Shiraz, Isfahan… Foto: /Sandra Baierl Am Basar: Wunderbare Gewürze, Mischungen und getrocknete Blüten Die Sittenwächter auf den Straßen gibt es zum Glück nicht mehr (es wird gescherzt, sie seien zu "Internetpolizisten" umgeschult worden). Die Iraner wissen selbst, was zu tun und was verboten ist. Man achtet darauf, worüber man auf der Straße spricht. Kopftuch ist für alle Frauen Pflicht, auch für Touristinnen; die Iranerinnen kleiden sich in gedeckten Farben, niemals körperbetont.

Rundreise durchs Land

Unsere Reise führt uns nach Isfahan, Varzaneh, Schiras, Naqsch-e Rostam und Persepolis . Die große Hauptstadt Teheran steht nicht auf dem Reiseplan, dafür die kleineren Millionenstädte im Süden des Landes.

Iran, Persepolis, Shiraz, Isfahan… Foto: /Sandra Baierl Die 33-Bogen-Brücke in Isfahan Isfahan, "das ist die halbe Welt" sagen die Einwohner stolz über ihre Stadt mit den türkisfarbenen Kuppeln, der 33-Bogen-Brücke, den Gärten und Palästen. Der Imamplatz beeindruckt mit seiner Größe, hier wurde früher Polo gespielt – heute ist es menschenleer. In Schiras, der Stadt der Liebe, Rosen und Nachtigallen, lebte der Dichter Hafiz. Schiras muss man an einem Freitag erleben, dem "Sonntag der Muslime", wenn das Leben leicht ist und die Iraner nur noch Picknick im Kopf haben. Dann gehen sie abends raus und sitzen fröhlich in Parks und auf den Promenaden.

Iran, Persepolis, Shiraz, Isfahan… Foto: /Sandra Baierl Mit einer Kamelstärke wird die Getreidemühle betrieben

Info

Grafik… Foto: /Grafik Anreise Mit dem Flugzeug von Wien nach Isfahan bzw. Schiras, Flugdauer: ca. sechs Stunden mit Zwischenstopp. Austrian fliegt aktuell vier Mal pro Woche mit einem Zwischenstopp in Isfahan nach Schiras. Nach Teheran fliegt Austrian sogar 14-mal pro Woche – Kosten ab rund 660 Euro.

Visum und Besonderheiten Wer in den Iran einreisen will, muss ein gültiges Visum vorlegen können. Für eine Reise im Land sind laut WHO aktuell keine Impfungen zwingend vorgeschrieben. Frauen müssen die islamischen Kleidervorschriften einhalten (Kopftuch, lange Bluse oder Mantel). Männer sollten keine kurzen Hosen tragen. Der Iran gilt als sicheres Reiseland, wenn man sich an die Vorschriften hält.

Beste Reisezeit In den Monaten Juni, Juli, August ist es im Iran extrem heiß: 40 Grad und mehr. Beste Reisezeit ist also April, Mai und September bis November. Auch den Ramadan (2018: 16. Mai bis 14. Juni) sollte man als Tourist meiden – dann sind die Vorschriften besonders streng (tagsüber kein Essen und Trinken), das gesellschaftliche Leben auch am Abend ruhiger.

Pauschale GEO Reisen und Raiffeisen Reisen bieten acht- bis zwölftägige Gruppentouren an: Schiras (3 Tage) – Persepolis – Naqsh-e Rostam – Isfahan – Varzaneh – Isfahan (4 Tage), inkl. Non-Stop-Flügen, ÜN/HP in guten Mittelklassehotels ab 1299 €/P im DZ. Nächster Termin: 3. bis 9. Dez. , weitere Rundreisen im Frühjahr ’18.– Buchung: GEO Reisen ☎ 0662/ 890 111, www.georeisen.com/iran oder Raiffeisen Reisen ☎ 01/31 375-0, www.raiffeisen-reisen.at

(kurier) Erstellt am
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