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Interview
08/01/2020

Haslauer zu Festspielen trotz Corona: "Ich will nicht, dass wir uns aufgeben"

Der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer über nötigen Optimismus, warum die Corona-Ampel für ihn nur eine Empfehlung ist und warum er 2022 nicht Festspiel-Präsident werden will.

von Raffaela Lindorfer

Die Infektionszahlen steigen wieder, in den Tourismusgebieten poppt ein Cluster nach dem anderen auf. St. Wolfgang, St. Gilgen, Strobl – die Hotspots sind nicht weit von der Stadt Salzburg entfernt.

Dort beginnen am Samstag die Salzburger Festspiele. Sie finden in reduzierter Form, unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen und ohne großen Promi-Aufmarsch statt. Die Entscheidung ließ im Frühjahr lange auf sich warten, in der Kulturszene wird sie aber als positives Signal gewertet: Das Leben geht weiter – trotz Corona-Gefahr, die allgegenwärtig scheint.

Der KURIER hat darüber mit Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) gesprochen.

KURIER: Herr Landeshauptmann, im Lichte der aktuellen Entwicklungen: War es die richtige Entscheidung, die Salzburger Festspiele stattfinden zu lassen?

Wilfried Haslauer: Ja, unbedingt. Es war immer klar, dass es wieder mehr Fälle gibt, wenn die Grenzen geöffnet werden. Aber die Entwicklung ist linear, nicht exponentiell, und die Gesundheitsbehörden haben mittlerweile mehr Routine als zu Beginn der Krise. Die Kernaufgabe ist jetzt, die Infektionsketten zu unterbrechen – und das gelingt gut. In St. Wolfgang war nur ein Gast infiziert. Es ist also gelungen, das Virus nicht von den Mitarbeitern überspringen zu lassen.

Anders gefragt: Wären Sie nicht Landeshauptmann, würden Sie als Privatmann heuer die Festspiele besuchen?

Ja. Ich gehe ja auch jetzt aus persönlicher Neigung, und ich fühle mich dort sicher. Wir haben ein erstaunlich detailliertes und durchdachtes Sicherheitskonzept.

Die Festspielzeit ist aber immer auch die Zeit der Society-Events, der Partys. Haben Sie Sorge, dass sich im Nachtleben ein Cluster bildet?

Das gesellschaftliche Geschehen wird heuer nicht in der Form stattfinden, wie wir es gewohnt sind. Das Gesundheitsamt der Stadt überlegt, die Sperrstunde vorzuverlegen. Die Betriebe in der Altstadt sind freiwillig bereit, ihr Servicepersonal wieder Masken tragen zu lassen. Es gibt ein sehr gutes Zusammenwirken mit allen, die rund um die Festspiele tätig sind.

Sind die Festspiele so gesehen ein Testballon für andere Großveranstaltungen?

Das sehe ich nicht so. Salzburg ist ohne Festspiele nicht vorstellbar, und Salzburg bekennt sich zu den Festspielen – bei aller Vorsicht und mit viel Verantwortungsbewusstsein. Wir haben alle einen Beitrag zu leisten, damit es gelingt. Man weiß nie, wie es ausgeht, aber so ist das im Leben.

Eine gewisse Nervosität schwingt also mit. Unter diesen Bedingungen – freut man sich da überhaupt darauf?

Wir leben jeden Tag „in der Lage“, wie man beim Militär sagt. Man weiß in der Früh nicht, was bis zum Abend passiert. Aber wenn wir nicht bereit sind, Dinge, die unsere Gesellschaft ausmachen – und dazu gehören kulturelle Veranstaltungen – zuzulassen, dann geben wir uns selbst auf. Und ich will nicht, dass wir uns aufgeben. Ich will, dass wir vorwärtsgehen. Dazu gehört Optimismus – kein blinder, sondern gut fundierter.

Wird dieser Optimismus auch von der Bevölkerung mitgetragen?

Als die Entscheidung getroffen wurde, die Festspiele stattfinden zu lassen, gab es ein Aufatmen in der Bevölkerung. Das war ein wichtiges Signal, das weit über die Kulturszene und Salzburg hinausgeht. Es gibt ein großes Bedürfnis zur Rückkehr unserer gewohnten Lebensqualität, die wir in Salzburg in besonderer Weise haben.

Wenn mir ein Stein auf den Kopf fällt, dann vielleicht nicht.

Wilfried Haslauer | betrachtet sein Antreten bei der Wahl 2023 als fix

 

Und wenn es schiefgeht, und ein Festspiel-Cluster entsteht – wer muss dafür die Verantwortung tragen?

Die politische und öffentliche Verantwortung hat immer der Landeshauptmann. Es war unsere Entscheidung, die Festspiele unter den Rahmenbedingungen, die der Bund vorgegeben hat, durchzuführen.

Die Bundesregierung hat einen Testlauf der Corona-Ampel für Mitte August angekündigt. Werden die Festspiele abgedreht, wenn die Ampel in der Stadt Salzburg auf Rot steht?

Die Ampel beeinflusst nicht das Geschehen, sondern das Geschehen die Ampel. Wir müssen bei gewissen Entwicklungen sowieso reagieren. Die Ampel sehe ich als eine Empfehlung. Es ist der Versuch, möglichst gleiche Schritte in Österreich zu setzen. Dieses Instrument kann nützlich sein. Aber die regionale Entscheidung ist immer die schnellste, wir müssen flexibel reagieren. Ich hoffe, dass wir im Testmonat nirgends die rote Ampel testen müssen.

Helga Rabl-Stadler bleibt bis 2021 als Festspiel-Präsidentin. Stimmt es, dass Sie ihr nachfolgen könnten?

Nein, ich habe vor, bei der nächsten Landtagswahl 2023 anzutreten.

Ist das fix?

Wenn mir ein Stein auf den Kopf fällt, dann vielleicht nicht.