Größter Buhlschaft-Verschleiß: Tobias Moretti (hier mit Nr. 3, Caroline Peters)

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08/01/2020

Buhlschaft - die wichtigste Nebenrolle der Welt

Und dabei hat Jedermanns Geliebte grad’ einmal dreißig Sätze.

Rein rechnerisch ist der heurige „Jedermann“ in Salzburg ein Jahrhundertereignis. Die Premiere des „Spiels vom Sterben des reichen Mannes“ von Hugo von Hofmannsthal (1874–1929) auf dem pittoresken Platz vor dem Dom fand am 22. August 1920 statt.

Was in der Historie ausgeblendet ist, sind die zehn Jahre seit 1938, in denen das Werk des jüdischen Dramatikers unerwünscht war.

Was bleibt, sind die großen Schauspieler in der Titelrolle. Aber auch nicht minder die „Buhlschaften“, also die, mit schlanken dreißig Sätzen ausgestatteten wortkargen Geliebten des Lebemanns, den Tod und Teufel aus Rausch, Ruchlosigkeit, Raserei und Reue holen.

Wer sind die Legenden der Lust und Leidenschaft?

Am längsten brillierte die Berlinerin Dagny Servaes als „Gspusi“ des gedankenlosen großspurigen Galans. Zwölfmal, an der Seite von Giganten wie Moissi, Hartmann & Attila Hörbiger, war sie das „Dekolleté der Dekadenz“ – sie starb 1961.

Die ältesten noch lebenden Buhlschaften sind Anna Smolik (91, 1964 neben Walther Reyer), Nadja Tiller (91, 1967 und 1968 neben Reyer) und Eva Kerbler (87, 1963 neben Reyer).

Ebenfalls drei Buhlschaften verbrauchte Tobias Moretti seit 2017 – Stefanie Reinsperger, Valery Tscheplanowa und nun Caroline Peters.

Zu 99 Prozent trugen die Damen Rot – Sophie von Kessel, 2008/2009 neben Peter Simonischek, setzte erstmals auf Blau.

Den kürzesten Rock zeigte Brigitte Hobmeier, 2013 bis 2015 neben Cornelius Obonya, die erste Hosenträgerin war Valery Tscheplanowa, 2019 neben Tobias Moretti.

Die wohl Unvergesslichste in der wichtigsten Nebenrolle der Welt: Senta Berger (1974–1982 neben Curd Jürgens und Maximilian Schell).