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Politik Inland
10/18/2020

Welle der Solidarität nach der Enthauptung eines Pädagogen

Frankreich: Zehntausende Menschen demonstrierten gegen islamistischen Terror. Tenor: Wir haben keine Angst.

von Walter Friedl

„Je suis Prof“, „Je suis enseignant“, „Je suis Samuel“ (Ich bin Lehrer, ich bin Samuel) – viele Franzosen zeigten am Sonntag bei landesweiten Solidaritätskundgebungen ihre tiefe Betroffenheit nach der bestialischen Ermordung des 47-jährigen Pädagogen Samuel P. durch einen islamistischen Terroristen, die das ganze Land in Schock, Trauer, bisweilen auch Wut versetzte. Grundtenor bei allen: Ihr macht uns keine Angst.

Die größte Kundgebung fand in Paris auf dem symbolträchtigen Place de la Republique statt. Tausende waren dem Aufruf der Organisation SOS Racisme und der Lehrergewerkschaft gefolgt. Auch der französische Premier Jean Castex und Bildungsminister Jean-Michel Blanquer waren erschienen. Und dies, obwohl aufgrund der Corona-bedingten Restriktionen Versammlungen mit mehr als 1.000 Personen eigentlich verboten sind. Doch die Abscheulichkeit der Bluttat wog offenbar schwerer.

"Höllenhund hingerichtet"

Was war passiert? Ein erst 18-jähriger Russe mit tschetschenischen Wurzeln, der als Flüchtling nach Frankreich gekommen war und eine Aufenthaltsgenehmigung hatte, hatte in der Nacht zum Samstag den Lehrer auf offener Straße attackiert und enthauptet. Unmittelbar nach der Tat filmte er sein Opfer und stellte die Aufnahmen ins Internet mit dem Beitext: „Ich habe einen ihrer Höllenhunde hingerichtet, der es wagte, (den Propheten) Mohammed herabzusetzen.“ Wenig später nach dem Mord wurde der junge Mann von der Polizei gestellt und erschossen.

Kesseltreiben

Samuel P. hatte in seiner Schule in einem Pariser Vorort während einer Unterrichtsstunde zum Thema Meinungsfreiheit die umstrittenen Mohammed-Karikaturen des französischen Satire-Magazins Charlie Hebdo gezeigt. Eine Schülerin filmte dies, deren Vater stellte das Video auf YouTube und startete ein Kesseltreiben gegen den Professor, forderte unter anderem – im Beisein eines bekannten Islamisten – die Entlassung des Pädagogen. Der Vater wurde später von der Polizei ebenso in Gewahrsam genommen wie vier enge Verwandte des 18-Jährigen sowie fünf weitere Verdächtige.

Unter dem Vorsitz von Staatspräsident Emmanuel Macron war für den Sonntagnachmittag eine Zusammenkunft des Verteidigungsrates angesetzt. Dabei sollte über weitere Maßnahmen im Kampf gegen die islamistische Radikalisierung diskutiert werden.

Besserer Schutz für Lehrer

Zuvor hatte Premier Castex gegenüber der Zeitung Journal du Dimanche verlautet, dass die Regierung an einer Strategie zu einem besseren Schutz der Unterrichtenden arbeite: „Ich will, dass die Lehrer wissen, dass nach dieser gemeinen Tat das Land hinter ihnen steht.“ Mit dieser Attacke sei das ganze Land angegriffen worden. Und Finanzminister Bruno Le Maire kündigte eine schärfere Kontrolle der Geldflüsse islamistischer Vereine an: „Es gibt ein Problem bei der Finanzierung von islamistischen Vereinen.“ Als Beispiel nannte er die zunehmende Praxis solcher Gruppen, auf Kryptowährungen auszuweichen.

Nach den Solidaritätskundgebungen vom Sonntag will Frankreich am Mittwoch mit einer nationalen Gedenkfeier an den enthaupteten Lehrer erinnern.

 

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