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Politik Ausland
09/02/2020

"Charlie Hebdo": Neue Mohammed-Karikaturen vor historischem Prozess

Bei einem islamistischen Angriff auf das Satire-Magazin starben 2015 insgesamt 17 Menschen. Die Redaktion zeigt sich unbeugsam.

von Walter Friedl

"Wir werden uns niemals beugen" - das ist die Botschaft, die die Macher des französischen Satire-Magazins Charlie  Hebdo allen muslimischen Terroristen auf die ganz ihr eigene Art entgegenstellen: Just am Mittwoch zum Prozessbeginn gegen jene Attentäter, die vor gut fünf Jahren die Redaktion stürmten und insgesamt 17 Menschen erschossen hatten, veröffentlichte das Blatt erneut Karikaturen des Propheten Mohammed.

Auch wenn das abermals Islamisten weltweit auf den Plan rufen wird, verteidigte Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron die Aktion: Es gebe das Recht auf freie Meinungsäußerung und auch auf Blasphemie.

Die Anschläge vom Jänner 2015 erregten enormes Aufsehen. Eine Welle der Solidarität schwappte damals durch ganz Europa und darüber hinaus. „Je suis Charlie“ („Ich bin Charlie“) war der Leitspruch.

Bei dem Anschlag auf die Redaktion waren zwölf Menschen gestorben, unter ihnen bekannte Zeichner wie Stéphane Charbonnier (Charb) oder Jean Cabut (Cabu). Die Täter, die Brüder Chérif und Said Kouachi, wurden nach Tagen auf der Flucht erschossen. Der Islamist Amedy Coulibaly erschoss am Tag nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo eine Polizistin im Süden von Paris und tötete am Tag darauf vier Geiseln in einem koscheren Supermarkt im Osten der Hauptstadt, bevor er selbst bei der Erstürmung des Gebäudes erschossen wurde.

Fahndung nach drei Angeklagten

Angeklagt sind 14 Menschen, vor allem wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Sie halfen bei der Vorbereitung der Angriffe, besorgten beispielsweise Waffen oder stellten eine Unterkunft zur Verfügung, wie der Anti-Terror-Staatsanwalt Jean-François Ricard dem Radionachrichtensender Franceinfo sagte. Nach drei der Angeklagten wird immer noch gefahndet - ob sie noch leben, ist unklar.

Es ist der erste große Prozess um die verheerenden islamistischen Terroranschläge, die Frankreich 2015 und 2016 tief erschütterten. „Das wird schwierig, das wird mühsam“, kündigte Chefermittler Ricard an. Innenminister Gérald Darmanin nannte das Gerichtsverfahren, das bis Mitte November dauern soll, "historisch". Der Prozess soll wegen seiner Bedeutung gefilmt werden. Bei islamistisch motivierten Terrorakten kamen im Land bisher mehr als 250 Menschen ums Leben. Zu den Anschlägen auf die Konzerthalle Bataclan und Restaurants im Pariser Osten vom Herbst 2015 - dabei starben 130 Menschen - wird es einen weiteren Prozess geben.

Verschiebung wegen Corona

Der Prozess um Charlie Hebdo sollte bereits am im Mai beginnen, wurde dann aber aufgrund der Corona-Epidemie verschoben. Im Gerichtsgebäude wurden laut Medien die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Es gibt rund 200 Nebenkläger, über 140 Zeugen sollen aufgerufen werden, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Nach den Attacken gingen Millionen Menschen überall in Frankreich auf die Straßen. In Paris gab es einem Marsch mit Staats- und Regierungschefs, angeführt von damaligen Staatspräsidenten François Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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