Gottfried Waldhäusl

© Kurier / Juerg Christandl

Interview
06/02/2021

Waldhäusl: "Für FPÖ wird es durch Hofer-Rücktritt nicht leichter"

FPÖ-Landesrat Gottfried Waldhäusl zum Rückzug von Hofer und die Anklage gegen ihn.

Gottfried Waldhäusl, FPÖ-Landesrat in Niederösterreich, sitzt gerade im Stadtstudio des KURIER, um noch einmal zu bekräftigen, dass er trotz der Anklage gegen ihn nicht zurücktreten wird. In das Gespräch platzt der Tweet von Norbert Hofer, dass er als Bundesparteiobmann der FPÖ zurücktreten wird. Waldhäusl reagiert irgendwie nicht überrascht aber sehr betroffen. Er kann ihn verstehen, sagt der langjährige Funktionär im Interview mit dem KURIER.

KURIER: Herr Waldhäusl, was sagen Sie zu diesem politischen Paukenschlag? Zuletzt wurde noch über den Konflikt zwischen Bundesparteiobmann Norbert Hofer und Klubobmann Herbert Kickl diskutiert, jetzt hat Hofer die Konsequenzen gezogen und tritt zurück.

Waldhäusl: Grundsätzlich kann ich Obmann Norbert Hofer verstehen. Ich muss immer noch an die Zeit unseres Präsidentschaftswahlkampfes denken. Er wäre für mich immer ein guter, eigentlich der beste und geeignetste Bundespräsident gewesen. Aber ich glaube, dass es irgendwann im Leben einen Augenblick gibt, wo man sich dann für ein Leben ohne großen Druck entscheidet und auf die Gesundheit schaut. Ich kann verstehen, dass er jetzt diesen Schritt so gesetzt hat. Aber es wird für die FPÖ dadurch natürlich nicht leichter.

Was heißt das jetzt im Hinblick auf die Frage, wer der nächste Bundesparteiobmann wird?

Ich habe bis zuletzt auf den Hausverstand vertraut, dass sich Norbert Hofer und Herbert Kickl gemeinsam über die Zukunft der FPÖ Gedanken gemacht hätten. Und sie sich geeinigt hätten. Dann hätten wir die notwendige Zeit gehabt, die es jetzt eben nicht mehr gibt. Durch den Rücktritt ist die Partei nun unter Zugzwang.

Wer soll nun die FPÖ als Obmann führen?

Ich nehme einmal an, dass jetzt Herbert Kickl oder ein anderer Stellvertreter die geschäftsführende Obmannschaft übernehmen wird. Das wird in den nächsten Tagen in den Gremien entschieden. Da muss man sich auch so aufstellen, dass die FPÖ künftig wieder jene Stärke erreichen kann, die wir hatten. Diese personelle Aufstellung wird in den Gremien entschieden und das ist gut so. Aber mir wäre lieber gewesen, wir hätten dafür noch mehr Zeit gehabt.

Gottfried Waldhäusl

Seit der Vorwoche ist es offiziell, dass Sie wegen der mittlerweile geschlossenen Flüchtlingsunterkunft in Drasenhofen von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft angeklagt werden. Wie lebt man mit so einem Vorwurf?

Ich habe zu 100 Prozent damit gerechnet, dass es zur Anklage kommt. Deswegen war das für mich in der Vorwoche keine Überraschung, sondern eher befreiend. Jetzt sind die Ermittlungen, die zwei Jahre gedauert haben vorbei. In dieser Zeit ist man ein Spielball im System. Jetzt kann ich vor dem Schöffensenat und vor der Bevölkerung endlich erklärten, worum es da eigentlich gegangen ist.

Wahrscheinlich war es zu viel, dass die Unterkunft mit einem Stacheldrahtzaun abgegrenzt und mit einem Hund bewacht worden ist?

Es ist nett, jetzt über fünf Laufmeter Stacheldrahtzaun zu diskutieren. Es ist mir darum gegangen, wie kann ich angesichts meiner gesetzlichen Verpflichtung junge, straffällig gewordene Männer, die in zwei Monaten abgeschoben worden wären, versorgen und trotzdem die Sicherheit der eigenen Bevölkerung gewährleisten.

Sie haben für Aufsehen gesorgt, weil Sie erklärt haben, dass Sie trotz Anklage nicht zurücktreten werden. Wäre das nicht angebrachter?

Es könnte letztendlich sein, dass ein Justizminister oder eine Ministerin als letzte Instanz, wenn sie möchten, gleich eine ganze Regierungsmannschaft austauschen, wenn jeder bei einer Anklage sofort zurücktritt. Ich habe im Interesse der Bevölkerung gehandelt und deswegen nicht einen Gedanken an einen möglichen Rücktritt verschwendet.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.