Politik | Inland
06.02.2018

Wachablöse an der Spitze von ÖGB und AK

vlnr.: Rudolf Kaske, Renate Anderl, Wolfgang Katzian, Erich Foglar. © Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Sowohl die Spitze von ÖGB als auch jene von Arbeiterkammer und Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter wird neu besetzt.

Die neuen Vorsitzenden von ÖGB und Arbeiterkammer stehen so gut wie fest. Der Chef der Privatangestelltengewerkschaft Wolfgang Katzian übernimmt von Erich Foglar das Präsidentenamt im Gewerkschaftsbund und ÖGB-Frauenchefin Renate Anderl folgt Rudolf Kaske an der Spitze der Arbeiterkammer. Der KURIER berichtete vom "Roten Sesselrücken" bereits Mitte Jänner.

Die entsprechenden Weichenstellungen hat die Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter am Dienstag in einer Pressekonferenz kundgetan.

Renate Anderl © Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Vom Sekretariat ins Präsidentenamt: Anderl im Porträt

Formsache

Zwar müssen Katzian und Anderl in den jeweiligen Gremien noch gewählt werden, jedoch ist angesichts der Mehrheitsverhältnisse die Kür sowohl im ÖGB als auch in der AK nur noch Formsache.

Wimmer übernimmt von Katzian

Mit seinem Wechsel an die ÖGB-Spitze gibt Katzian (Kurz-Porträt siehe unten) auch den Vorsitz an der Spitze der sozialdemokratischen Gewerkschafter ab. Diese wichtige Machtposition in Gewerkschaft und SPÖ geht an den Chef der Produktionsgewerkschaft "pro-ge" Rainer Wimmer. Neue ÖGB-Vizepräsidentin wird Korinna Schumann.

Notwendig geworden waren die Rochaden, da sich sowohl Foglar als auch Kaske wie erwartet in den Ruhestand zurückziehen.

In einer ersten Stellungnahme stellte Katzian bei der Pressekonferenz am Dienstagvormittag klar, dass er im Umgang mit der Regierung zunächst einmal auf Dialog setzen will: "Ich bin ein Mensch, der den Dialog bevorzugt. Ich gehe nicht zuerst auf die Barrikaden sondern zum Heurigen."

Gesprächsbereit, aber "nicht um jeden Preis"

Allerdings machte Katzian auch klar, dass es die Gesprächsbereitschaft der Gewerkschaft nicht um jeden Preis geben wird: "Wenn es jemanden gibt, der uns diese Bereitschaft zum Dialog als Schwäche auslegt, werden wir - wenn notwendig - auch in den Widerstand treten."

Inwieweit unter ihm eine Reform der Gewerkschaft zu erwarten ist, ließ Katzian offen. Man werde sich die Strukturen anschauen und dann entscheiden, ob diese passen. Tabus gebe es keine. Sein Mandat im Nationalrat wird Katzian - Stand jetzt - im Fall seiner Wahl ebenso zurücklegen wie Anderl das ihre im Bundesrat. Präsident des Fußball-Klubs Austria Wien wird er jedoch bleiben. Man möge ihm auch in seiner neuen Funktion ein Hobby zugestehen, ersuchte der künftige ÖGB-Chef.

Grafik © Bild: Grafik
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An Katzian führte kein Weg vorbei

Trotz anderer Kandidaten führte an Katzian kein Weg vorbei. Er ist seit 2005 Chef der GPA, der größten Teilgewerkschaft im ÖGB. Und er ist seit 2009 auch FSG-Chef und sitzt als solcher im Nationalrat. Bei der Wahl kandidierte er auf Platz drei der SPÖ-Bundesliste. Im Juni auf dem ÖGB-Bundeskongress wird der Wechsel vollzogen. Kenner sprechen von einem "Linksruck". Katzian sei definitiv ein "Signal gegen Rot-Blau".

ABD0006_20170209 - WIEN - ÖSTERREICH: GPA-djp-Vorsitzender Wolfgang Katzian am Donnerstag, 9. Februar 2017, im Rahmen der PK "En… © Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

Foglar, der sich für eine Öffnung gegenüber den Freiheitlichen ausgesprochen hat, zieht sich in das Privatleben zurück. Katzian, nebenbei Präsident der Austria Wien, ist ein bekennender Gegner der Blauen. Eine denkbare rot-blaue Koalition im Bund hat er schon 2015 als "schweren Fehler" bezeichnet. Katzian damals zum profil: "Alles, wofür die FPÖ steht, ist mit unseren Grundwerten unvereinbar." An dieser Haltung hat sich nichts geändert.

Michael Bachner