Politik | Inland
21.01.2018

Rotes Chef-Sesselrücken in ÖGB und AK

GPA-Chef Katzian beerbt Erich Foglar an ÖGB-Spitze, Renate Anderl folgt in AK auf Rudi Kaske.

Den kommenden Freitag haben nicht wenige rote Spitzengewerkschafter als wichtigen Termin in ihrem Kalender dick und fett angestrichen.

Es geht im Präsidium der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG) um nicht mehr und nicht weniger als die Nachfolger von Erich Foglar und Rudi Kaske. Freilich dürfte in der Sitzung nur noch formal abgesegnet werden, was die Spitzenvertreter der 3,6 Millionen heimischen Arbeitnehmer im Vorfeld längst ausgedealt haben.

Nach KURIER-Recherchen schaut das Sesselrücken in ÖGB und AK konkret folgendermaßen aus:

Wolfgang Katzian (61) beerbt Erich Foglar (62) an der Spitze des Österreichischen Gewerkschaftsbundes. Als Verjüngung geht dieser Wechsel, der anlässlich des ÖGB-Bundeskongresses am 12. bis 14. Juni über die Bühne geht, kaum durch.

Doch Katzian ist mit Abstand die mächtigste Figur hinter Foglar im ÖGB: Er ist als FSG-Vorsitzender (seit 2009) nicht nur Chef der wichtigsten politischen Fraktion im Gewerkschaftsbund. Katzian steht als Chef der Gewerkschaft der Privatangestellten GPA (seit 2005) auch an der Spitze der größten Teil-Gewerkschaft im ÖGB. Von den 1,2 Millionen ÖGB-Mitgliedern stammen 280.000 aus der GPA.

Längere Zeit wollte Foglar wieder einen Metaller-Gewerkschafter als Nachfolger haben, wird erzählt. So soll Markus Wieser (AK-Präsident und ÖGB-Chef in Niederösterreich) gute Karten gehabt haben. Doch Katzian, der für die SPÖ auch im Nationalrat sitzt (seit 2006), setzte sich durch. Er wird in der Erbfolge so legendärer Gewerkschaftsführer wie Franz Olah oder Anton Benya der nunmehr siebente ÖGB-Präsident nach 1945.

In der Arbeiterkammer musste es ein Wiener sein, weil es Usance ist, dass die mit Abstand größte Landeskammer auch den Chef der Bundesarbeiterkammer stellt.

Der Niederösterreicher Wieser kam also für den AK-Chefsessel nicht infrage. Der fachlich hoch versierte Leitende Sekretär im ÖGB, Bernhard Achitz, hatte zunächst sehr gute Karten, setzte sich aber aus einem anderen Grund nicht durch. Einflussreiche AK-Ländervertreter sprachen sich dem Vernehmen nach gegen ihn aus, weil ihnen Achitz als nicht wahlkampftauglich genug gilt.

Renate Anderl(55) wird hingegen durchaus zugetraut, die AK-Wahl im kommenden Jahr wieder für die FSG zu gewinnen. Anderl beerbt am 26./27. AprilRudi Kaske (62) an der Spitze der Arbeiterkammer und hat dann ein Jahr Zeit, die Wahlkampf-Werbetrommel zu rühren.

Es geht für die Gewerkschafterin in erster Linie darum, die Pflichtmitgliedschaft in der AK zu verteidigen und die Angriffe aus der türkis-blauen Bundesregierung gegen die AK-Beiträge abzuwehren.

Auch Anderl hat etliche Funktionen inne, die wie bei Katzian erst nachbesetzt werden müssen. Sie ist u. a. seit Herbst 2014 geschäftsführende Vizepräsidentin und Bundesfrauenvorsitzende im ÖGB, sie sitzt für die SPÖ aber auch im Bundesrat.

Eine Besonderheit ist: Anderl wird nach Lore Hostasch, die später Sozialministerin war, erst die zweite Arbeiterkammer-Präsidentin seit 1945. Im ÖGB gab es noch nie eine Präsidentin.

Hostasch führte die AK von 1994 bis 1997, ihr folgten Herbert Tumpel (bis 2013) und zuletzt Rudi Kaske. Er geht aus privaten Gründen in Pension, seine Frau ist schwer erkrankt. Anderl wird die oberste gesetzliche Vertreterin aller Unselbstständigen in Österreich.