American Football-Präsident Michael Eschlböck

© KURIER/Gilbert Novy

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10/19/2016

Eschlböck: "Könnten vielleicht eine Art Sportnation werden"

Österreich steht ohne Präsidenten da? Mitnichten! Michael Eschlböck ist Präsident des American Football Bund Österreich. Mit Video-Ansprache.

von Michael Andrusio

„Präsident mog I net mochen“, antwortete er, als der Vorstand des American Football Bundes erstmals schüchtern bei Michael Eschlböck anfragte, ob er für das Amt zur Verfügung stehen würde. Später wurde daraus ein „für ein, zwei Jahre – bis halt jemand anderer gefunden ist“. Das war 2003.

Der Jemand fand sich dann doch nicht „und so moch ich‘s heut‘ noch“ erzählt der 55-jährige Eschlböck, um aber gleich klarzustellen, dass ihm der Job großen Spaß macht, weil er so seine bzw. die Visionen und Vorstellungen des Vorstandes leichter in die Tat umsetzen kann.

Mit schwarzer Lederjacke sitzt der großgewachsene Ex-Football-Spieler Eschlböck im KURIER-Besprechungszimmer. Seine Stimme klingt so sonor, wie man sie von den Fernsehübertragungen von Puls4 kennt. Die Übertragungen der NFL (National Football League) haben ihn und Walter Reiterer so populär gemacht, dass sie vergangenes Jahr sogar mit einer KURIER-Romy ausgezeichnet wurden. Fachkundig und unterhaltsam versuchen die beiden den Sport auch in Österreich einer breiteren Öffentlichkeit näher zu bringen. Was ihnen auch gelingt.

Nicht nur dank der Übertragungen populärer

„Natürlich haben die Übertragungen der NFL viel dazu beigetragen, dass der Sport in Österreich populärer wird“, erklärt Michael Eschlböck. Aber es ist nicht nur das. „Sehr wichtig waren für uns auch die Austragung der Weltmeisterschaft 2011 und der Europameisterschaft 2014 - da hatten wir 27.000 Leute im Happel-Stadion.“ Und wenn eine Sandra Bullock für ihre Rolle in einem Footballfilm („The blind side“) einen Oskar gewinnt, steigert das die Bekanntheit des Sports bei uns ebenso wie US-Serien, Internet und Social Media.

Und auch der Bekanntheitsgrad von Eschlböck wurde immer größer. „Es ist manchmal schon erschreckend, wenn man im Supermarkt oder in der U-Bahn angesprochen wird, durchaus freundlich und wohlwollend , aber es führt einem zu Bewusstsein, dass man nicht mehr in der anonymen Masse versinken und gedankenverloren in der Nase bohren kann“, sagt Eschlböck und zwinkert mit den Augen.

Die Leidenschaft für den American Football entdeckte Michael Eschlböck 1985, als er über einen Artikel über American Football gestoßen ist. In Klosterneuburg, wo er herkommt, war mit den Klosterneuburg Mercenaries (Söldner) ein Verein in Gründung und so kam er zum Football. „Es hat mir vom Fleck weg Spaß gemacht. Die Strategie, die dahinter steht, der Kampf Mann gegen Mann - ohne dass man Angst um seine Zähne haben muss - und vor allem, dass es ein Ultrateamsport ist, mit verschiedenen Persönlichkeiten, die man zu einem Team formt. Und wenn der Teamgedanke eine Mannschaft durchdringt, ist das wirklich was Leiwandes.“

Beruflich kommt Eschlböck aus der Werbebranche. Jahrzehntelang hat er für nationale und internationale Werbeagenturen gearbeitet. Und sich dabei ein Wissen angeeignet, das er heute an Studenten weitergibt – als Vortragender am Institut für Publizistik an der Universität Wien, wo er „Arbeitstechniken Werbung und Übungen“ unterrichtet.

„Hearst, du mochst des gar net so schlecht“

Das Talent zum Erklären hat er schon kurz nach seiner aktiven Football-Zeit entwickelt. „Ich habe offensichtlich eine Begabung zu erzählen, warum es hier geht“. So war er Platzsprecher bei verschiedenen Football-Vereinen und wurde vom legendären Toni Fritsch, dem einzigen Österreicher der je den Super Bowl mit den Dallas Cowboys im Jahr 1971 gewann, quasi mit den Worten geadelt „Hearst, du mochst des gar net so schlecht“. Fritsch wollte ihn zum Bezahlsender Premiere (heute Sky) lotsen, daraus wurde nix, dafür kam der ORF und später Puls4.

"Und dann könnte man vielleicht irgendwann einmal zu einer Art Sportnation werden"

„Es wird nicht fad“, sagt Eschlböck, der auch noch Vizepräsident der Bundessportorganisation ist. Und sich Gedanken über ein ganzheitliches Sportkonzept macht, das Kinder möglichst früh an den Sport heranführt. „Da bedarf es eines Gesamtkonzepts, das die Kinder vom Kindergarten über die Volksschule im Idealfall begleitet und das mit einem System.“ Essentiell ist für ihn, dass die beteiligten Ressorts zusammenarbeiten und es müssen alle Komponenten ineinandergreifen. So könnte man Kinder in Richtung Spitzensport lenken. „Und dann könnte man vielleicht irgendwann einmal zu einer Art Sportnation werden“, sagt Eschlböck.

Und das Schöne am American Football ist für Eschlböck ja, dass er jeder Körperlichkeit eine Möglichkeit bietet. „Die Liner sind ja festere Herren, die außer vielleicht im Kugelstoßen in anderen Sportarten kaum Möglichkeiten hätten“. Eschlböck selber spielte die längste Zeit in der Offensiveline, später Defenseline und kurz auch als Fullback.

Vom Football fürs Leben lernen

Kann man aus dem Football was fürs Leben lernen? „Ich denke, dass man viel vom Football lernen kann, eben weil es ein Teamsport ist“, sagt Eschlböck. „Es geht um die individuelle Leistung, aber die kann nur durch das Team hervortreten. Da sind auch viele soziale Komponenten dabei, die gerade auch für junge Leute wichtig sind. Freundschaften, die durch American Football geschlossen werden, halten oft ein Leben lang – egal ob man Seite an Seite gestanden ist oder Gegner war. Gerade weil man bei Football auf Fairness und Respekt Wert legt. Ich glaub da kann man fürs Leben schon viel mitnehmen“.

Seine Vision und die seiner Mitstreiter ist klar: „Ein Football in jedem Haushalt. Jede Österreicherin, jeder Österreicher soll irgendwie einmal mit Football in Berührung kommen. Daran arbeiten wir“.

Video: Rede an die Nation

Internet: football.at

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