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10/13/2016

Daniel Malik: Der Präsident, der lieber Lehrer blieb

Österreich steht ohne Präsidenten da? Mitnichten! Daniel Malik ist Präsident des heimischen "Dodgeball-Verbandes". Mit Video-Ansprache.

von Yvonne Widler

Mit ein paar Tausend Zusagen hatte Daniel Malik gerechnet. Dass es dann fast 600.000 Menschen waren, die an seiner Plank-Challenge im Februar 2015 teilgenommen haben, lässt ihn bis heute noch staunen. Die Veranstaltung erreichte auf Facebook fast zwölf Millionen Menschen. „Ich habe damals wohl zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Worte gefunden“, sagt der Sportwissenschaftler und Pädagoge heute über seine Initiative.

Dabei klingt es recht einfach. Malik hat einen 30-Tage-Fitnessplan erstellt, eine Facebook-Veranstaltung angelegt und motivierende Worte gefunden. Ab da war es ein Selbstläufer. „Das hätte man natürlich kommerzialisieren können, aber ich hätte als Lehrer aufhören müssen, das ging mir zu schnell, ich war selbst überrascht von dem plötzlichen Erfolg der Plank-Challenge.“ (Anm.: Ein Plank ist eine Unterarmstütze)

In einigen Marketing-Magazinen wird Maliks Geschichte deshalb als die „nicht genützte Marketing-Chance des Jahrhunderts“ angeführt. Ärgert er sich im Nachhinein darüber? „Nein, ich hätte damals auch gar nicht die Möglichkeiten gehabt, es mussten sehr schnell sehr weitreichende Entscheidungen getroffen werden und darauf war ich nicht vorbereitet.“ Und auch wenn eine erfolgreiche Fitness-App auf Maliks Idee gründet und er davon nicht profitiert, so hat er dennoch genügend Grund, stolz zu sein. Denn was Malik offenbar gut kann, ist Menschen zu erreichen, zu motivieren und für eine Sache begeistern. Darum ist er auch Präsident. Präsident des österreichischen Dodgeball-Verbandes.

„Wir dachten, die schießen alle raus“

Dodgeball ist die amerikanische Form des Völkerballs. Weniger Spieler, dafür mehr Bälle. Dadurch wird das Spiel schneller. Spätestens seit dem Film „Voll auf die Nüsse“ mit Ben Stiller weiß ohnehin fast jeder um die „wilde“ Völkerball-Variante.

Im Jahr 2012 haben Malik und sein Team das erste Dodgeball-Event Österreichs organisiert. „Ich wollte eine Sportveranstaltung etablieren, wo jeder mitmachen kann und wo vor allem der Spaß im Vordergrund steht.“ Zu Beginn, erzählt Malik, sei man sich selbst noch nicht bewusst gewesen, ob Dodgeball ein richtiger Sport ist. Man handhabte es als ein Get-Together mit schrägen Outfits. Bis Malik kurze Zeit später vom europäischen Dodgeball-Verband die Einladung zur Europameisterschaft erhielt. „Wir konnten damals die Regeln noch gar nicht, aber wir hatten einige gute Handball-Spieler, die wir hinschickten. Wir dachten, die schießen alle raus.“
Dass beim Dodgball nicht nur das Werfen zählt, merkte Malik schnell. „Catchen, Taktik, schnell ausweichen, ein gezielter und synchroner Wurf – man braucht das alles“. Und wir scheinen es auch zu haben. Denn heuer wurden Österreichs Dodgeball-Damen Vizeweltmeister hinter Australien - als bestes europäisches Team.

Lehrer vor Herausforderungen

Auch im Sportunterricht versucht Malik den Kindern ein breites Angebot zu liefern. „Freeletics, Crossfit, Zirkeltraining – wie auch immer man den Hype nennen mag. Ich mache sehr viel mit den Schülern. Ständig tauchen neue Sportarten auf, ich probiere alle im Unterricht aus.“ Da die Jugendlichen heutzutage viel mehr Freizeit-Alternativen hätten als früher, stehe der Nachmittags-Turnunterricht vor großen Herausforderungen und brauche Abwechslung. Malik ist Sportlehrer an der Kunst- und Musikschule in der Wiener Hegelgasse. Dass unter seinen Schülern Instagramer mit 70.000 Followern sind, daran hat Malik sich gewöhnt.

Was ihn aber immer wieder beschäftigt, ist die Förderungsproblematik im heimischen Sport. „Wenn es sich nicht um Fußball oder Skifahren handelt, gibt es kaum Sponsoren und kaum Geld. Unsere Spieler beispielsweise zahlen sich die Europameisterschaft selbst, vom Flug bis zur Unterkunft.“ Aber Malik zeigt sich positiv. „Das ändert sich bestimmt irgendwann.“

Aktuell steckt Malik in den Vorbereitungen für die nächste Dodgeball-Mania, die am 30. Oktober auf dem Sportuni-Gelände auf der Schmelz in Wien stattfindet. „Das wird wieder ein Riesenspaß.“

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