Politik | Inland
10.10.2017

Sudelseiten: "Bisher ein Spezialgebiet der FPÖ"

Die SPÖ flog nun mit Facebook-Sudelseiten auf. Im Umfeld der FPÖ gibt es dubiose Online-Aktivitäten schon seit Jahren.

Eigentlich wäre es vergangene Woche ein aufgelegter Elfmeter für FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gewesen: Zwei Tage nachdem die SPÖ mit ihren Schmutz-Seiten über Sebastian Kurz auf Facebok aufgeflogen war, stand der Chef der Freiheitlichen im Puls4-Duell dem angeschlagenen Kanzler und SPÖ-Chef Christian Kern gegenüber – allein, er attackierte ihn deshalb kaum, die Silberstein-Affäre nahm im vorwöchigen TV-Vorspiel der gestrigen ORF-Debatte nur sehr wenig Raum ein.

Und Strache tut gut daran, die Facebook-Affäre nicht allzu hoch zu hängen. Denn: Eigentlich war es in der Vergangenheit stets die FPÖ, die in Verbindung mit fragwürdigen Kampagnen im Netz gebracht wurde. Ein Beispiel dafür: Der FPÖ-nahe Blog "Unzensuriert.at". Die drei obersten Artikel diesen Montagnachmittag: Einmal wird in den Raum gestellt, ein ÖVP-Abgeordneter würde einen Betrüger decken – direkt daneben wird erklärt, dass die SPÖ in ihrer Kampagne Lehrlinge täuscht. Daneben prangt ein Artikel über die "Islamisierung" Österreichs und ein Strache-Inserat. Vor einem Monat griff die Seite just jenes Thema auf, das in der von der SPÖ betrieben Sudelseite "Die Wahrheit über Sebastian Kurz" für die meiste Aufregung sorgte: die angebliche Verbindung zwischen ÖVP-Chef Kurz und dem Investor George Soros – der in dummdreisten antisemitischen Verschwörungstheorien als Antreiber der Asylkrise in Europa firmiert.

Nähe zur FPÖ

"Aus Webseiten mit inhaltlicher Nähe zur FPÖ ist man dieses Wording gewohnt", erklärt Digital-Expertin Ingrid Brodnig dem KURIER. Das Team rund um SPÖ-Berater Tal Silberstein dürfte nach einer Internet-Recherche gesehen haben, dass das Verschwörungsthema Soros zieht – "denn diese Geschichte war schon zuvor auf anderen rechten Seiten zu lesen ", sagt Brodnig.

Allein, bei "Unzensuriert.at" handelt es sich nicht um eine ganz normale "rechte Seite". Der Blog, der auf Facebook vier Mal so viele Fans hat wie die berüchtigte Kurz-Sudelseite aus der Feder des Söldner-Teams Silbersteins, weist eine auffällige Nähe zur FPÖ auf – "sowohl inhaltlich, als auch personell", sagt Brodnig. Als Chefredakteur der reichweitenstarken Seite soll mehreren Berichten zufolge der freiheitliche Kommunikationsdirektor Alexander Höferl agieren, der Geschäftsführer des Verlags von "Unzensuriert" ist indes Mitglied des blauen Parlamentsklubs. Ganz klar geht dies alles aus dem Impressum der Seite, die 2009 vom einstigen FPÖ-Spitzenpolitiker Martin Graf ins Leben gerufen worden soll, allerdings nicht hervor. "Hier wird nicht mit offenen Karten gespielt, das ist unbehaglich", sagt Brodnig.

Beliebt unter freiheitlichen Politikern ist die Seite allemal: Im Präsidentschaftswahlkampf brachte Norbert Hofer einen ausgedruckten Artikel der Seite in ein TV-Duell mit, Strache teilt die Texte der bereits wegen übler Nachrede verurteilten Seite auf Facebook immer wieder. Bei der Seite, die laut eigenen Angaben "der Wahrheit verpflichtet ist", handelt es sich laut Brodnig insgesamt um "ein rechtspopulistisches Jubelmedium". Nicht weit weg von dieser Charakterisierung zu verorten sind auch die FPÖ-nahen Zeitschriften "Aula" und "Zur Zeit". Überhaupt gelang es den Freiheitlichen in den vergangenen Jahren, vor allem über Soziale Netzwerke ihre eigene Medienwelt aufzubauen – die völlig vorbei an den Inhalten klassischer Medien riesige Reichweiten erzielt.

"Es wäre falsch, nun darauf zu vergessen, dass die FPÖ im Internet schon sehr früh mit dubiosen Mitteln gearbeitet hat", sagt Brodnig. Diese Art der Kampagnenführung sei bisher ein " Spezialgebiet der FPÖ" gewesen, so die Expertin. Eines hat der heurige Wahlkampf nun gezeigt: Dieses Spezialgebiet haben die Freiheitlichen offenbar nicht mehr allein.