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09.10.2017

Kanzler-Gattin im Visier eines Internet-Scharfschützen

ÖVP-Mann Alexander Surowiec observiert als Blogger auf "Fass ohne Boden" die Privatgeschäfte von Eveline Steinberger-Kern. Seine PR-Agentur bietet "Opposition Research", also Gegnerbeobachtung für Kampagnen, an.

"Das mindeste ist, dass sie den aus Ihrer Partei rauswerfen", sagte SPÖ-Chef Christian Kern am Sonntag in seinem TV-Duell mit ÖVP-Chef Sebastian Kurz auf Puls 4. Gemeint war der Wirtschaftsbundfunktionär Alexander Surowiec, Betreiber der Plattform "Fass ohne Boden". Das Portal geriet zuletzt wegen ausufernder Negativberichte über Eveline Steinberger-Kern ins Gerede. Die Kanzlergattin beklagte sich via Facebookvideo über "eine unfassbare Verleumdungskampagne".

Auf "Fass ohne Boden" werden in der Rubrik "Top-Enthüllungen" Informationen über das Engagement von Steinberger-Kern für die Start-up-Initiative-Initiative "weXelerate" gesammelt. Neben Details ihrer Firmenbeteiligungen wurde auch ein Vertrag für einen Wohnungskauf veröffentlicht. Steinberger-Kern fragte Sebastian Kurz in ihrem Video, warum er dies zulasse.

Kurz antwortete am Montag auf Puls4: Surowiec sei ein freier Journalist und Blogger, "ich kann ihn nicht steuern, sonst würde er das nicht schreiben." Würde Kern Surowiec klagen und dabei Recht bekommen, würde dieser auch ausgeschlossen.

Kontroverse

Surowiec betätigt sich nach langjährigem Engagement bei Wiener JVP und Jungem Wirtschaftsbund als PR-Spezialist und seit 2016 als investigativer Blogger. Auf "Fass ohne Boden" hat sich das Cartellverband-Mitglied vor allem Enthüllungen gegen SPÖ-nahe Personen und Institutionen verschrieben. Dazu bewegt habe ihn der Tod des Aufdeckungsjournalisten Kurt Kuch, "aber auch die Erlebnisse durch einen falsch diagnostizierten Gehirntumor", sagt Surowiec gegenüber dem KURIER.

Bei den Wiener Gemeinderatswahlen 2015 führte der Funktionär aus Wien-Liesing mit polnischen Wurzeln noch einen Vorzugsstimmenwahlkampf. 2016 sorgte Surowiec neben seinen Artikeln auch für Kontroversen, als er "aus Neugierde" einer Einladung zum umstrittenen, weit rechten Kongress der "Verteidiger Europas" folgte.

Scharfschütze

Auf seiner privaten Seite präsentiert er sich im Tarngewand. Er sei als Berufssoldat 2003 zum Scharfschützen ausgebildet worden, erklärt Surowiec. Analog dazu nennt er sich auf seinen Social-Media-Profilen "Political Hitman", auf Deutsch: Politischer Auftragskiller.

Ähnlich liest sich Teil 1 seines "Operation Rising Star" genannten Dossiers über Steinberger-Kern. Ausführlich wird geschildert, wie die Erkenntnisse über "weXelerate" zustande kamen: "Mehrwöchige Observationen, früh, mittags und abends, mit Ex-Militär-Angehörigen wie militärische Aufklärer und Ex-Jagdkommando-Soldaten, einer Einschleusung in 'Team Wallraff'-Manier."

"Keine Observation" der Kanzler-Gattin

Finanziert werde das über eigenes Geld und Kleinspenden, die Surowiec auf seiner Webseite ohne Namensnennung auflistet. Die Spender seien "Vertreter sämtlicher Couleurs, alleinerziehende Mütter, Unternehmerinnen und Unternehmer, aber auch Beamte im Ruhestand". Auf der Ausgabenseite weist Surowiec fast ausschließlich juristische Kosten aus. Auf KURIER-Nachfrage, ob auch das Ausspähen von "weXelerate" etwas gekostet habe, sagt Surowiec nur: "Observationen von Frau Dr. Steinberger-Kern haben nicht stattgefunden." Auf Twitter fügte er hinzu: "Eine Person aus ihrem Umfeld" sei observiert worden.

Kampagnen mit Gegnerbeobachtung

Sieht man sich das Portfolio von Surowiec’ PR-Agentur "Digital Strike" (auf Deutsch: digitaler Angriff) genauer an, enthält auch dieses spionageähnlich anmutende Leistungen: Darunter "Counter Campaigning" und "Oppo Research", was gemeinhin für Sammeln von negativen Informationen über politische Gegner steht.

Surowiec: "Die genannten Dienstleistungen wurden bis dato von keinem Kunden erworben. In Workshops zeige ich auf, welche Informationen öffentlich zugänglich sind und wie man Dateneinträge löscht."