Politik | Inland
26.01.2018

Strache will keine Antisemiten am Akademikerball

Am wegen rechtsextremer Gäste kritisierten Ball will der Vizekanzler sich zu den jüngsten Vorfällen äußern. Wer sich nicht zur Verantwortung und Gedenken an Holocaust-Opfer bekenne, "soll aufstehen und gehen".

Die FPÖ will ausgerechnet den Akademikerball, der als Treffpunkt Rechtsextremer seit Jahren heftig umstritten ist, zur einem Statement gegen Antisemitismus nutzen. Für Antisemiten gebe es weder in der FPÖ noch am Akademikerball einen Platz, sagte Parteichef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache in einer Aussendung am Tag des Balls.

Diese Ankündigung folgt auf Tage heftiger Kritik an der FPÖ. Zuerst war der FPÖ-Spitzenkandidat bei der niederösterreichischen Landtagswahl für die Nazi-Lieder seiner Burschenschaft bislang ohne Konsequenzen für seine Person unter Druck geraten. Dann wurde bekannt, dass Strache selbst offenbar erst jüngst Kontakte zu dieser Burschenschaft hatte. Die FPÖ attackierte als Gegenstrategie die Medien nach diesen Aufdeckungen über rechtsextreme Kontakte.

Versuchte Distanzierung

"Die Verantwortung und das Gedenken an die Opfer des Holocaust sind uns Verpflichtung und Verantwortung in der Gegenwart und für kommende Generationen. Wer das anders sieht, soll aufstehen und gehen. Er ist bei uns nicht erwünscht", so Strache nun am Freitag. Der Vizekanzler werde "dies im Rahmen seiner heutigen Eröffnungsrede am Akademikerball thematisieren und gerade im Vorfeld des morgigen Holocaust-Gedenktags klare und deutliche Worte finden", kündigte die FPÖ im Vorfeld an.

Strache regte auch an, dass sich die Korporationen und das Dritte Lager einer Aufarbeitung der Vergangenheit widmen. Dies könne durch eine Historikerkommission erfolgen, die sich mit den Fehlern der eigenen Vergangenheit auseinandersetzen solle.

Der Akademikerball war als Burschenschafter-Veranstaltung früher unter dem Namen "WKR-Ball" bekannt. 2012 kam Strache dafür in die Kritk, auf diesen Ball gegenüber anderen Gästen gesagt zu haben, dort seien "die neuen Juden". Anwesende Journalisten des Standard hatten das gehört und berichtet. Protestaktionen gegen Burschenschaften -Buden hätten ihn an die Reichskristallnacht erinnert.

Rechtsextremer Dugin: "Nicht viele Kontakte zur FPÖ"

2009 hatte dem Ball etwa auch der unter europäischen Rechtsextremen pouläre Ideologe Aleksander Dugin aus Russland beigewohnt, den Strache 2014 selbst getroffen hat. Der unter anderem als antiliberal bekannte Dugin ist derzeit im Vorfeld des Balles wieder in Wien, will ihn diesmal aber laut einem Interview in der Presse mangels Einladung nicht besuchen, um einen Vortrag zu halten.

Dugin sagte, er habe "nicht sehr viele Kontakte zur FPÖ". Strache sei ihm zu liberal, die FPÖ und auch Sebastian Kurz hätten aber "viele Positionen", die "richtig" seien. Etwa die "kritische Haltung zur EU".

In Wien ist er auf Einladung des pro-russischen Suworow-Institutes und einer rechten Webseite, deren Chefredakteur ebenso wie der nunmehrige Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) am weit rechten "Kongress der Verteidiger Europas" in Linz gesprochen hat.