Gerhard Zeiler

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Politik Inland
06/05/2019

Keine "Option Zeiler": SPÖ setzt weiter auf Rendi-Wagner

Rote Personaldebatte: Medienmanager Zeiler steht "nicht zur Verfügung", Tiroler SPÖ-Chef lehnt ihn klar ab.

von Michael Bachner, Daniela Kittner

Aufgrund der labilen Situation in der SPÖ erreicht der Gerüchtepegel einen Höchststand. Man kommt mit dem Recherchieren kaum nach.

Eines der lustigeren Ondits lautet: Die SPÖ-Granden Ludwig, Häupl und Doskozil seien am Dienstagabend in einem Weinkeller gesessen und hätten sich ausgemacht, Parteichefin Pamela Rendi-Wagner durch Medienmanager Gerhard Zeiler zu ersetzen.

Die Recherche im Büro von Wiens Bürgermeister Michael Ludwig erbrachte: Er war tatsächlich in einem Keller, nämlich in einem Kellertheater. Wein gab es dort nicht, und Michael Häupl und Hans Peter Doskozil waren auch nicht zugegen. Um 22 Uhr sei der Bürgermeister nach Hause gegangen. Und nein, von Gerhard Zeiler wisse man nichts. Die SPÖ-Wien unterstütze Rendi-Wagner.

Schwacher Rückhalt

Das sagen – offiziell – alle roten Landesorganisationen – und dennoch: Gerhard Zeiler (63), Präsident von Turner Broadcasting System International, einer Tochter von Time Warner, und früherer ORF-General, wird in der SPÖ seit 15 Jahren immer dann ins Spiel gebracht, wenn es an der Basis wieder einmal heftig rumort. Wenn die Funktionäre ihre Chefitäten an der Parteispitze lieber gestern als heute in die Wüste schicken würden.

Der jüngste Anlass: Das Salär von monatlich 24.000 Euro für den SPÖ-Berater Nedeljko Bilalic, der Seite an Seite mit dem glücklosen Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda für Umfrage-Tiefs und die verlorene EU-Wahl verantwortlich gemacht wird (siehe Geschichte unten).

Doch wer soll es richten? Wer kann den Rückstand gegenüber ÖVP-Chef Sebastian Kurz bis zur Wahl am 29. September aufholen? Wo ist der rote Wunderwuzzi?

Zuerst wurde Doskozil zum Retter in der Not stilisiert, dann auch ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian. Beide lehnen dankend ab. Auch Kärntens Peter Kaiser geisterte schon durch die Gerüchteküche. Jetzt also Gerhard Zeiler, der 2016 das Nachsehen gegen Christian Kern hatte.

„Es hat niemand angerufen, und ich rufe auch niemanden an“, dementiert der Medienmanager – legt aber nach: „Solange die Partei nicht an mich herantritt, denke ich nicht darüber nach und stehe auch nicht zur Verfügung“, lässt Zeiler gegenüber dem KURIER verlauten.

Ob damit das letzte Wort gesprochen ist? Ja, bis zum 29. September, heißt es in der SPÖ. Nach dem Wahltag sei die berufliche Zukunft von Rendi-Wagner jedoch völlig offen. Denn mit einem Wahlerfolg rechnen in der SPÖ nur noch die wenigsten.

„Weiterwurstln bis zur Wahl ist die wahrscheinlichste Variante. Außer Rendi-Wagner schmeißt von selbst hin“, sagt ein SPÖ-Intimkenner über die „Option“ Zeiler. Tirols SPÖ-Chef Georg Dornauer sieht diese Option nicht. Zeilers Kandidatur wäre „eine Antwort aus dem 20. Jahrhundert“.

 

Hintergrund: Kleine SP-Angestellte „stinksauer“

Ein angestellter Regionalgeschäftsführer der SPÖ-Niederösterreich – er ist für zwei Bezirke zuständig – bekommt als Anfangsgehalt 2.539 Euro brutto. Der Landesgeschäftsführer verdient um ca 500 Euro brutto mehr.

Nedeljko Bilalic, der Berater von SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner und ihrem Parteigeschäftsführer Thomas Drozda, erhält monatlich mehr als 20.000 Euro, genau  sollen es sogar 24.000 Euro sein. Drozda rechtfertigt die hohe Gage mit dem Hinweis, dass Bilalic nicht angestellt sei und Umsatzsteuer und Sozialversicherung abliefern müsse.

Seit der KURIER über die fürstliche Gage für den Löwelstraßen-Berater berichtete, gehen in der SPÖ die Wogen hoch. Aus mehreren Bundesländern wird gemeldet, die Funktionäre seien „stinksauer“, weil sie mit einem Zehntel dessen abgespeist würden, was Bilalic verdiene. Und vor allem: für lauter Misserfolg.

Bilalic war Kampagnenleiter in Rudolf Hundstorfers Bundespräsidentenwahlkampf. Das Resultat war ein historischer Tiefstand von elf Prozent.

Das jüngste EU-Wahlergebnis war mit 23,9 Prozent ebenfalls ein Negativrekord: das historisch schlechteste Resultat für die SPÖ bei einer Bundeswahl.
Und wieder hatte Bilalic zumindest teilweise daran mitgewirkt. Als Berater.

Die EU-Wahl wäre für die SPÖ viel besser ausgefallen, wenn die Parteiführung nicht in der Schlussphase eingegriffen hätte. Mit dem Misstrauensantrag funktionierte sie die Wahl zu einer Abstimmung über den Kanzler um, was Kurz-Fans in Scharen zu den Urnen trieb. So war Türkis-Blau zwar krachend in die Brüche gegangen, aber die  Wahl verlor die SPÖ. Diese taktische Meisterleistung sei keine 20.000 Euro  wert, finden grantige SPÖ-Funktionäre.

Bilalic engagierte sich als Jus-Student für die SPÖ-Wien, dort lernte  er Laura Rudas kennen. Als sie zur Bundesgeschäftsführerin aufstieg, machte er mit ihr Karriere, die ihn bis ins Kanzleramt führte. Er war  Sprecher von Werner Faymann und in der Folge der Regierungskoordinatoren Josef Ostermayer und Thomas Drozda.