Sitz der SPÖ Wien in der Löwelstraße

© APA/HELMUT FOHRINGER

Politik | Inland
06/05/2019

SPÖ-Sprecher forderte Rückzug eines KURIER-Berichts

Wie Raphael Sternfeld, der Sprecher der Wiener SPÖ versuchte, einen Bericht aus dem KURIER zu entfernen und mit Konsequenzen drohte.

Druck auf Redaktionen, Einschränkung der Pressefreiheit, politisch gesteuerte Inseratenvergabe – Themen, die in der politischen Debatte zunehmend geführt werden, neuerlich angeheizt durch Fantasien Heinz-Christian Straches über den Kauf der Krone und gute und böse Journalisten.

Und es ist gerade die SPÖ, die sich die Unabhängigkeit der Medien immer auf ihre Fahnen heftet.

Dienstagabend versuchte sie uns aber unter Druck zu setzen: KURIER-Innenpolitikchefin Daniela Kittner schrieb eine gut recherchierte Hintergrundstory über einen Kurswechsel der SPÖ Richtung links. Die Informationen kamen direkt aus der SPÖ, selbstverständlich mit Informantenschutz.

Am Abend erreichte uns ein Wut-Mail des Wiener SPÖ-Sprechers Raphael Sternfeld. In dem eMail bezeichnet Sternfeld den Bericht als eine von mehreren „Raubersgeschichten über die SPÖ Wien“. Wörtlich schreibt er „erstunken und erlogen“ – und fordert, dass die Geschichte aus dem Blatt genommen wird.

Weiters drohte Sternfeld, deswegen nicht mehr mit dem KURIER kooperieren zu können und blieb auch nach einem Gesprächsangebot dabei: „Diese Geschichte muss gänzlich zurückgezogen werden! Alles andere ist für uns nicht akzeptabel!“

Natürlich haben wir den Artikel nicht zurückgezogen. Auf kurier.at ist er am Mittwoch mit mehr als 80.000 Zugriffen die meistgelesene Story. Wir lassen uns von niemandem einschüchtern und werden derartige Interventionen öffentlich machen – egal von welcher Partei oder Gruppierung sie kommen.

Erst im Vorjahr hatte FPÖ-Innenminister Herbert Kickl kritischen Medien – darunter dem KURIER – gedroht, keine Exklusiv-Geschichten mehr zu bekommen. Ähnlich argumentiert nun Sternfeld. Nach einem durchaus emotionalen Gespräch erklärte Sternfeld die Differenzen mit dem KURIER wieder für beigelegt. Wir schließen uns dem an.

Die Redaktion