Politik Inland
11/24/2020

Covid-19: Mehr als die Hälfte der Österreicher soll im Sommer 2021 geimpft sein

Österreich investiert 200 Mio. Euro für Beschaffung, 16,5 Millionen Dosen sollen zur Verfügung stehen. Impfplan kommt morgen in den Ministerrat.

von Raffaela Lindorfer

Die erste Impfkampagne startet bereits im Jänner 2021. Österreich soll rund 16,5 Millionen Dosen geliefert bekommen und investiert dafür 200 Millionen Euro. 

Darüber informierten Gesundheitsminister Rudolf Anschober und sein Sonderbeauftragter Clemens Martin Auer bei einer Pressekonferenz am Dienstag. 

Als erstes werden Bewohner und Mitarbeiter von Alten- und Pflegeheimen sowie Hochrisikogruppen geimpft, danach kommt Personal von Gesundheitsberufen und systemrelevanten Branchen wie Polizei, Justiz und Bildung an die Reihe.

Ab dem zweiten Quartal 2021 soll die breite Bevölkerung geimpft werden, Gesundheitsminister Anschober peilt eine Durchimpfungsrate von "deutlich über 50 Prozent" an.

118 neue Todesfälle

4.377 Neuinfektionen wurden in den vergangenen 24 Stunden verzeichnet, berichtete Minister Anschober zu Beginn der Pressekonferenz. 

Die zweite November-Woche war jene mit Top-Werten - bei über 9.500 Neuinfektionsfällen. In der vergangenen Woche lag man darunter, so auch in den ersten beiden Tagen dieser Woche, sagte Anschober - der aber lange noch keine Entwarnung gibt. Gegen Ende der Woche werde man die ersten Wirkungen des Voll-Lockdowns bemerken, derzeit merke man jene des Teil-Lockdowns, der seit Anfang November galt. 

118 Todesfälle gab es in den vergangenen 24 Stunden, insgesamt starben seit Beginn der Pandemie 2.577 Menschen an Covid-19. 

Beim Belag auf den Intensivstationen gebe es deutlich geringere Zuwächse als zuletzt, "aber wir müssen den Zuwachs stoppen, damit wir die Kapazitätsgrenzen nicht überschreiten", betonte Anschober. 

200 Mio. Euro für Beschaffung

Seit März wird weltweit an einem Covid-19-Impfstoff geforscht, seit Juni werden auf EU-Ebene Beschaffung und Verteilung des Impfstoffs verhandelt. Jedes Land sei gleichberechtigt, betont Anschober, jedes Land bekommt den Impfstoff zum gleichen Zeitpunkt zu gleichen Konditionen. "In Europa bleibt bei diesem Thema niemand alleine."

Die EU habe ein sehr hohes Budget eingesetzt: 2,7 Milliarden Euro - eine Investition in die Gesundheit und Sicherheit, so Anschober. In Österreich habe man einen Budgetrahmen von 200 Millionen Euro für die Beschaffung fixiert. 

50 Prozent der Österreicher sollen sich impfen lassen

Wann die Impfungen starten können, das hänge freilich von den Marktzulassungen ab - das dürfte laut Anschober bereits Ende des Jahres beim ersten bzw. zweiten Produkt soweit sein. Im Jänner rechnet er dann mit den ersten Impfungen in Österreich. 

Ziel ist eine Durchimpfungsrate von 50 Prozent und mehr. "Je höher die Durchimpfungsrate ist, desto geringer sollte schrittweise das Risiko werden", sagte Anschober, der auf eine rege Beteiligung hofft. Der Impfplan soll am Mittwoch im Ministerrat vorgelegt werden. Zum Vergleich: Gegen die Grippe sind nur rund 10 Prozent der Österreicher geimpft. 

Für Österreich sollen 16,5 Millionen Impfdosen zur Verfügung stehen, ergänzte Auer, Sonderbeauftragter im Gesundheitsministerium. Im Jänner und Februar könnte es bereits eine Million geben, weitere zwei bis März. Im dritten Quartal soll jeder, der geimpft werden möchte, geimpft sein, sagt Auer, der sich für das "Licht am Ende des Tunnels" zuständig fühlt. 

Reihenfolge des Impf-Plans

Gestartet wird in Alten- und Pflegeheimen bei Bewohnern über 65 Jahre und Mitarbeitern. Höchste Priorität haben auch Hochrisikogruppen mit definierten Vorerkrankungen sowie Pflege- und Gesundheitspersonal in Spitälern, Ordinationen, Rettungsorganisationen und sozialen Diensten. 

In Phase zwei kommen die systemrelevanten Berufe dran: Polizisten, Lehrer, Justizmitarbeiter etc. 

In Phase drei gehe man in die Breite der Bevölkerung. In den Gemeinden sollen Impfzentren errichtet werden. 

In Phase eins und zwei sollte der erste Impfstoff von BioNTech und Pfizer eingesetzt werden - diesen nutze man in Zentren. In Phase drei sollte dann auch der andere Impfstoff von AstraZeneca zur Verfügung stehen, mit dem man in die Breite gehen könne. 

"Streben Freiwilligkeit an"

Eine Impfpflicht hatte Minister Anschober stets abgelehnt. Es stellt sich nun die Frage, ob es eine Impfplicht über Umwege geben wird - also ob gewisse Berufsgruppen ihren Job nur ausüben können, wenn sie geimpft sind. Eine Fluglinie hatte bereits erklärt, sie wolle nur noch Personen befördern, die geimpft sind. 

Anschober ging auf Nachfrage eines Journalisten nicht näher darauf ein. Nur so viel: "Beim Massentest wie beim Impfen streben wir Freiwilligkeit an."

Apropos Massentest: Auf die Frage, ob Mitarbeiter einer systemrelevanten Berufsgruppe, die sich nicht testen lassen wollen, einen Nachteil zu befürchten hätten, meinte der Gesundheitsminister, dass man hier eine Maske mit höherer Sicherheitsstufe vorsehen könnte - um das Umfeld zu schützen. 

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