Politik | Inland
09.04.2017

Sebastian Kurz: Das Netz des schwarzen Kronprinzen

Auf allen Polit-Ebenen sind bereits Verbündete des potenziellen ÖVP-Spitzenkandidaten zu finden.

Ob Ende 2017 oder erst Anfang 2018 ein neuer Nationalrat gewählt wird, bleibt offen. Ein Mann hat aber in jedem Fall beachtliche Chancen als Erster durchs Ziel zu gehen: Sebastian Kurz. Auch wenn offiziell nicht entschieden ist, wer für die ÖVP antritt – am Außenminister führt de facto kein Weg vorbei. Seine Beliebtheitswerte sind herausragend. In Umfragen liegt er durchwegs vor seinen potenziellen Kontrahenten Christian Kern (SPÖ) und Heinz-Christian Strache (FPÖ).

Sollte Kurz tatsächlich der Einzug ins Kanzleramt gelingen, kann er auf ein großes Netzwerk zurückgreifen, das er (mit)geknüpft hat. In vielen politischen Gremien und Büros sitzen bereits Vertraute des Ministers – manche davon auch im Ausland.

Aktuell steht die Besetzung der Botschaft in Brüssel an. Diesen bedeutsamen Posten soll mit Nikolaus Marschik der Ex-Büroleiter von Sebastian Kurz bekommen.

Zahlreiche Verbündete, die wichtige Jobs besetzen, kommen aus der Jungen ÖVP (JVP), deren Obmann Kurz seit 2009 ist.

JVP hat jetzt Gewicht

Vor wenigen Jahren noch hatten in der Volkspartei Wirtschaftsbund, Bauernbund und ÖAAB das Sagen, die Jugend-Organisation hatte (wie die ÖVP-Frauen) wenig Einfluss. Das bestätigt JVP-Generalsekretär Stefan Schnöll, der seit zehn Jahren dabei ist: "Früher wurden wir nicht so richtig ernst genommen. Aber durch Sebastian Kurz haben wir enormen Zulauf bekommen und definitiv an Gewicht gewonnen."

100.000 Mitglieder zählt der Bund der Jung-Schwarzen bereits. Wenn Kurz als Spitzenkandidat der Volkspartei bei der Wahl antritt, werden also viele junge Leute zwischen Boden- und Neusiedler See für ihn laufen. "Es gibt kaum eine Gemeinde, wo es keine JVP-Gruppe gibt", schildert Schnöll. 35 Bürgermeister sind JVPler. In nahezu jedem Landtag sitzen Mitglieder. In Oberösterreich stellen sie mit Helena Kirchmayr sogar die ÖVP-Klubobfrau. Als enger Verbündeter von Kurz gilt der Nationalratsabgeordnete Asdin El Habbassi, stellvertretender Chef der JVP. Mit der Weinviertler Jung-Unternehmerin Eva-Maria Himmelbauer hat die Junge ÖVP eine weitere Vertreterin im Parlament. Auch in vielen schwarzen Ministerbüros gibt es JVP-Mitglieder oder solche, die es waren (bis 35 Jahre kann man dabei sein).

Damit sich Kurz und seine Ex-JVPler nicht aus den Augen verlieren, hat der Frontmann den "Club35" gegründet, der von Bettina Rausch geleitet wird. Die einstige JVP-Chefin aus Niederösterreich ist auch Vize-Vorsitzende der Partei-Akademie der ÖVP. EU-Mandatarin Elisabeth Köstlinger ist ebenfalls Vize in der Partei-Akademie. Deren Vorsitzender ist – Sebastian Kurz.

Zu seinen Freunden gehören überdies ÖVP-Wien-Chef Gernot Blümel und Axel Melchior. Der Ex-JVP-Generalsekretär ist stellvertretender Büroleiter des Ministers.

Informationsfluss

Die enge Vernetzung der Kurz-Leute von der Gemeinden bis hinauf in den Bund macht sich bezahlt. "Früher waren wir oft nicht Teil des Informationsflusses in der Partei. Dadurch konnten wir nicht mitreden. Wir wollen uns aber auf allen Ebenen einmischen. Deshalb machen wir das ganz bewusst, dass wir uns auf allen Ebenen vernetzen", erklärt Schnöll.

Dass viele Kurz-Leute maßgebliche Jobs bekommen, wird hinter den Kulissen verteidigt, Postenschacherei in Abrede gestellt. "Die Leute sind natürlich Kurz-loyal, sie müssen aber gut sein, um einen Posten zu bekommen – und sich dort beweisen, sonst können sie bald wieder weg sein. Sebastian ist doch nicht dumm. Er will ja nicht, dass es heißt, er drückt da irgendwelche Leute durch", schildert ein JVP-Insider.

Profis sind Kurz und seine Leute nicht nur im Netzwerken. Die Youngsters sind Social-Media-affin und -firm. "Das ist ein großer Vorteil für uns", befindet Schnöll. Den Umgang mit den neuen Medien haben allerdings auch Politiker jenseits der 35 schon gelernt. Strache hat mehr als 570.000 Facebook-Fans – und liegt damit vor Kurz (486.000). Im Rennen um Twitter-Follower führt hingegen der ÖVP-Mann überlegen (200.000 vs. 17.000). Christian Kern kann da (noch nicht?) mithalten. Er galt – zumindest in seiner Manager-Zeit – aber jedenfalls auch als guter Netzwerker.