┬ę APA/dpa/Sven Hoppe

Politik Inland

Schul-Direktoren bekommen 500 Euro Corona-Bonus

Insgesamt sollen damit rund 5.000 Personen eine "finanzielle Anerkennung" erhalten.

04/06/2022, 12:32 PM

Die Direktorinnen und Direktoren aller Schulformen sollen als "Belohnung" f├╝r ihren Arbeitseinsatz in den zwei Jahren Coronapandemie einen Bonus von 500 Euro bekommen, best├Ątigt das Bildungsministerium der APA einen Bericht der Kleinen Zeitung vom Mittwoch. An AHS und BMHS, die in die Zust├Ąndigkeit von Bildungsminister Martin Polaschek (├ľVP) fallen, wird diese "Belohnung" auch an Administratoren ausbezahlt, schreibt dieser in einem Brief an die Schulleitungen.

Insgesamt sollen damit rund 5.000 Personen eine "finanzielle Anerkennung" f├╝r ihren "au├čergew├Âhnlichen Einsatz in dieser intensiven Zeit" bekommen, wie Polaschek betont. Auch die Standesvertretung habe sich f├╝r den Bonus eingesetzt. Dieser wird neben den Bundesschulen auch an die Leitungen der Pflichtschulen, die eigentlich in L├Ąnderkompetenz fallen, ausbezahlt. "Diese Fairness und Gleichbehandlung ist mir besonders wichtig." F├╝r die Aktion werden rund 3,2 Mio. Euro aus dem laufenden Budget in die Hand genommen. Kritik daran kam von den NEOS. Geldgeschenke k├Ânnten nicht dar├╝ber hinwegt├Ąuschen, "dass sich Polaschek vor der Arbeit und den notwendigen strukturellen Reformen dr├╝ckt", so deren Bildungssprecherin Martina K├╝nsberg Sarre.

Grenzen der Belastbarkeit

Schulleiterinnen und Schulleiter hatten seit Beginn der Pandemie deutlich mehr Aufwand durch die Corona-Sicherheitsma├čnahmen, das an den Schulen etablierte Testsystem und die coronabedingten ├änderungen im Schulbetrieb. Neue Regelungen wurden vielfach erst extrem kurzfristig verk├╝ndet, oft wurden Vorgaben auch innerhalb kurzer Zeit wieder ver├Ąndert. Die Lehrervertretung hat zuletzt wiederholt davor gewarnt, dass die Schulen an die Grenzen der Belastbarkeit sto├čen w├╝rden. Ende vergangener Woche hat das Ministerium deshalb angek├╝ndigt, dass die Schulen durch den Wegfall bzw. die Verschiebung von Evaluationen, Erhebungen und Projekten entlastet werden sollen.

Am Mittwoch hat unterdessen eine Gruppe Bildungswissenschafterinnen, Schulleiter und Personen aus der Bildungsadministration, die bei einer wissenschaftlichen Tagung zum Thema Schulqualit├Ąt zusammengefunden hat, einen Appell an Bildungsminister Polaschek ver├Âffentlicht. Die Schulleitungen seien derzeit derma├čen mit administrativen T├Ątigkeiten wie dem Ausf├╝llen von Listen eingedeckt, dass ihnen f├╝r die Arbeit an der Verbesserung des Lehrens und Lernens an den Schulen "zu wenig und manchmal gar keine Zeit bleibt", wird in dem Schreiben beklagt. Dazu komme der zu kleine Handlungsspielraum der Schulleitungen. Als Folge gebe es zu wenige oder gar keine Bewerbungen auf ausgeschriebene Schulleitungsposten.

Die Bildungswissenschafter und interviewten Praktikerinnen fordern in ihrem Schreiben eine Entlastung der Schulleitungen durch administratives Unterst├╝tzungspersonal, um mehr Zeit f├╝r ihre eigentlichen F├╝hrungsaufgaben zu haben, und die Einf├╝hrung eines mittleren Managements. Au├čerdem m├╝sse der Job attraktiver werden (etwa durch ein eigenes Dienstrecht), damit sich die besten K├Âpfe um die Schulleitung bewerben. Und es brauche mehr reale Autonomie und unb├╝rokratischen Handlungsspielraum im Schulalltag, etwa Ausstiegsszenarien f├╝r Lehrer, die den Anforderungen nicht gerecht werden oder die Freude an ihrem Beruf verloren haben.

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