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Politik Inland
06/02/2021

Pragmatisch, bunt und konservativ: So tickt Österreichs Jugend

Österreichs jugendliche Schüler fürchten den Klimawandel, sind gleichzeitig materialistisch und multikulturell veranlagt. In die Zukunft blicken sie positiv – trotz Pandemie.

von Michael Hammerl

Einsamkeit, Ungewissheit, fehlende Perspektive: Dass die Pandemie einen Anstieg von psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen verursacht hat, überrascht kaum. Die Wertehaltung der Jugend ist dennoch stabil, man könnte es auch so formulieren: cool.

Das zeigt die „Lebenswelten 2020“-Studie. 14- bis 16-jährige Schüler blicken positiv in die Zukunft, haben klare Ziele und Werte. Die Pädagogischen Hochschulen Österreichs haben rund 15.000 Jugendliche von sämtlichen Schultypen zwischen 9. März und 10. Juli 2020 befragt.

In diesen Zeitraum fiel der erste Lockdown – samt Schulschließungen. „Ein Vergleich der Daten vor, während und nach dem Lockdown zeigt kaum Veränderungen im Antwortverhalten. Salopp gesagt, den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 haben die Jugendlichen gut weggesteckt“, sagt Gabriele Böheim-Galehr, eine der Studienautorinnen, dem KURIER. Bei der Befragung ging es aber nicht um die Pandemie, sondern um das Wertegerüst der jungen Leute. Und dieses überrascht.

Klima retten, aber dabei gut verdienen

Optimismus: Werte ändern sich nur langsam, über Jahre hinweg. Gute Nachricht: „Die Mehrheit der jungen Menschen sieht ihre Zukunft positiv und ist optimistisch, die eigenen Ziele zu erreichen“, sagt Böheim-Galehr.

Werte: Besonders wichtig sind den Schülern laut Studie intakte soziale Beziehungen und eine gute Ausbildung. „Die guten Dinge des Lebens in vollen Zügen zu genießen“ hat in der Prioritätenliste beider Geschlechter das Nachsehen. Nur 40 Prozent der Schüler halten es für wichtig, sich politisch zu engagieren.

Klima: Dennoch: Die Jugend hat politische Prioritäten. Das zeigt die Auflistung ihrer größten Ängste: Umweltverschmutzung und der Klimawandel stehen bei beiden Geschlechtern ganz oben, männliche Schüler sehen die Klimakatastrophe dabei etwas lockerer. Der Klimawandel sei über die Jahre in den Vordergrund gerückt, analysiert Böheim-Galehr: „Sorgen der Jugendlichen spiegeln immer auch das aktuelle weltpolitische und wirtschaftliche Geschehen.“

Pragmatismus: Was nicht zur „Generation Greta“ passt: Die Mehrheit der männlichen und die Hälfte der weiblichen Schüler bezeichnen sich als materialistisch und erfolgsorientiert. Der „Idealismus“ – er ist bei jungen Frauen deutlich stärker ausgeprägt – muss sich hinten anstellen. Diese Selbstverortung zeige, dass Jugendliche „Erfolg haben wollen, um materiellen Wohlstand zu erwerben“, sagt Bildungsminister Heinz Faßmann: „Es gibt so etwas wie einen starken Pragmatismus bei der politischen Einstellung der Jugendlichen.“

"Ganz viel Traditionelles"

Migration: Die Jugend ist pragmatisch, materialistisch – und bunt. Die aktuelle Umfrage zeigt: 83 Prozent der Jugendlichen sind für eine multikulturelle Gesellschaft, 68 Prozent für die Aufnahme von Flüchtlingen. Die Schüler sind für Migration, fordern aber auch Integration. Den Satz „Menschen, die nach Österreich kommen, sollten sich der österreichischen Kultur anpassen“, befürworten 70 Prozent. Ein Großteil der Jugendlichen spricht sich zudem für ein partnerschaftliches Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Kulturen aus.

Partnerschaft: Warum hat man gerade 14- bis 16-Jährige befragt? Schüler in diesem Alter haben bereits eigene Haltungen und Erfahrungen mit Partnern gemacht. Von einem Partner erwarten sie sich Verlässlichkeit, Spaß – aber auch Treue. Materialisten ist ein gutes Aussehen des Partners deutlich wichtiger als Idealisten.

Konservatismus: Für den künftigen Beruf gilt: Sicherheit und Vereinbarkeit mit der Familie haben Priorität. Das sei in Kombination mit der politischen Einstellung und dem Familienbild der Schüler „so etwas wie eine konservative Einstellung“, sagt Faßmann. Studienautorin Gudrun Quenzel sieht eine „Wertesynthese“ – unabhängig von Herkunft und Einkommen. „Ganz viel Traditionelles“ stecke im Vergleich zu Vorgänger-Generationen in der aktuellen, sagt Quenzel. Von einer Rückkehr zum Biedermeier könne man nicht sprechen. Österreichs Jugend ist nicht engstirnig.

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