Politik | Inland
22.06.2017

AK-Chef Kaske: "Zwölfstundentag kommt für uns nicht in Frage"

Bis Ende Juni sollen sich die Sozialpartner auf umsetzbare Modelle für eine Arbeitszeitflexibilisierung einigen. Die Verhandlungen seien intensiv. Ob es ein Ergebnis geben wird, ist ungewiss.

Es geht um flexiblere Arbeitszeiten - und die Zeit drängt, die Deadline rückt näher. Bis Ende Juni haben die Sozialpartner noch Zeit, sich auf Modelle für eine Arbeitszeitflexibilisierung und einen flächendeckenden Mindestlohn von 1.500 Euro zu einigen. So lautet die Vorgabe der Regierung. Wenn kein Ergebnis erzielt wird, nimmt die rotschwarze Koalition das Heft selbst in die Hand.

Ob es dazu kommen wird, ist noch ungewiss. Rudolf Kaske, Präsident der Arbeiterkammer, sagte im Ö1-"Morgenjournal", dass man "intensiv" verhandeln würde und sich bemühe, ein "Ergebnis zustande zu bringen". Ein Scheitern sei aber wegen unterschiedlicher Sichtweisen möglich. Der Grund dürfte klar sein: Es gibt viele Interessen zu befriedigen: Arbeiterkammer und ÖGB auf Arbeitnehmerseite sowie Wirtschafts- und Landwirtschaftskammer auf Arbeitgeberseite.

"Ich kenne die Wunschträume von Neoliberalen und Rechtspopulisten."

"Die Verhandlungen sind kein Wunschkonzert der Arbeitgeber", erklärte AK-Chef Kaske und bekräftigte: "Ein genereller Zwölfstundentag kommt für uns nicht in Frage." Es gebe genug Arbeitnehmerforderungen, etwa die sechste Urlaubswoche oder Arbeitszeitverkürzung, auf die die Wirtschaftsvertreter nicht reagieren. Außerdem ist es in manchen Branchen bereits möglich, die Arbeitszeit auf zwölf Stunden auszudehnen.

In Sachen Mindestlohn sei man schon um einiges weiter. "Wir sind sehr gut unterwegs", sagte Kaske. Aber einen Abtausch zwischen Arbeitszeitflexibilisierung und kollektivvertraglichen Mindestlohn wird es nicht geben. Der 1.500-Euro-Mindestlohn sei ohnehin im Interesse der Arbeitgeberseite, meinte der AK-Präsident. "Die Wirtschaft wird angekurbelt."

Auf die Frage, was er von der SPÖ-Öffnung Richtung FPÖ halte, antwortete der Kammerboss, dass zuerst gewählt wird, dann kann über mögliche Koalitionen verhandelt werden. Dass der mögliche blaue Regierungspartner die Kammerpflichtmitgliedschaft abschaffen will, stört Kaske nicht. "Ich kenne die Wunschträume von Neoliberalen und Rechtspopulisten."