Interview
12/19/2019

Langthaler: "Alles, was CO2 ausstößt, massiv verteuern"

Die Ex-Grün-Politikerin und jetzige Unternehmerin Monika Langthaler sagt, dass Umweltschutz nur über die Geldbörse klappt.

von Wolfgang Unterhuber

KURIER: Sind Sie mit dem Auto hier?

Monika Langthaler: Natürlich nicht. Als Jahreskartenbesitzerin fahre ich in Wien, wann immer es geht, mit den Öffis. 

Werden Sie Ministerin?

Nein, das kann ich ausschließen. Als Direktorin des Austrian World Summit arbeite ich das ganze Jahr auf internationaler Ebene mit Arnold Schwarzenegger an enorm spannenden Umweltprojekten. Das werde ich sicher nicht aufgeben.

Von Ihnen stammt folgender Satz: „Jeder, der unsere Umwelt verschmutzt, soll zahlen müssen und jeder, der es nicht tut, soll entsprechend belohnt werden.“ Wer soll also zahlen?

Wie gesagt: jene, die die Umwelt verschmutzen. Und da ist insbesondere die Industrie gefordert.

Aber die Umweltverschmutzung passiert ja im Auftrag der Konsumenten?

Deshalb sind wir auch alle in der Verantwortung. Als Konsument hat man die Möglichkeit, ökologisch und regional einzukaufen. Und als Unternehmer trägt man genauso die Verantwortung dafür, möglichst nachhaltig und umweltschonend zu produzieren.

Soll die neue Regierung eine nationale CO2-Steuer einführen?

Um die Klimaziele zu erreichen, muss in jedem Fall CO2 bepreist werden, das kann natürlich eine CO2 Steuer sein. Es gibt aber viele Varianten für eine Ökologisierung des Steuersystems. Es gibt Länder, die die Mehrwertsteuer für CO2- intensive Produkte erhöht haben. Andere wie Schweden haben schon in den 90ern eine CO2-Steuer eingeführt.

Schweden hat aber zugleich einzelne Unternehmenssteuern reduziert.

Was voll in Ordnung geht, es gibt ja keinen Grund, die Abgabenquote insgesamt zu erhöhen. Ich bin eine Anhängerin der Marktwirtschaft und des Unternehmertums. Der ganze Transformationsprozess hin zu einer stark CO2-reduzierten Ökonomie ist ohne ökologische Steuerreform und technologische Innovation allerdings nicht möglich. Regierungen und die Industrie müssen nun endlich die Wissenschaft ernst nehmen, die schon seit Jahren vor den Folgen der globalen Erderwärmung durch Treibhausgase warnt.

Trotzdem fliegen die Menschen so viel wie nie zuvor oder kaufen teure Geländewagen. Ist der Umweltschutz ein Elitenthema?

Ich glaube, dass das Thema in den Köpfen der Menschen angekommen ist. Aber wir Menschen reagieren nicht auf Moral und Appelle sondern auf Preissignale. Deshalb muss man allem, was CO2 ausstößt, einen Preis geben, beziehungsweise massiv verteuern.

Also etwa den Sprit erhöhen….

Ja, man kann etwa die Mineralölsteuer erhöhen, gleichzeitig öffentliche Verkehrsmittel massiv ausbauen und E-Mobilität fördern. Deutschland löst das Problem mit einer Ausweitung eines nationalen Emissionshandelssystems und bezieht jetzt den Verkehr und Gebäude mit ein.

Und die Pendler ohne Bahn vor der Haustür schauen durch die Finger?

Diese Menschen kann man mit einer Reduktion anderer Steuern oder mit einem Ökobonus entlasten.

Klingt nach mehr Bürokratie?

Wenn die Einführung des Familienbonus geklappt hat, wird wohl auch die Einführung eines Ökobonus klappen.

Es gibt erste Stimmen, die auf dem Weg zur CO2-freien Stromerzeugung Atomstrom als Zwischenlösung sehen.

Das ist ein billiger Trick der Atomlobby, um durch die CO2-Hintertür im Geschäft zu bleiben. Ich bin da absolut dagegen. Das ist eine unheimlich teure Energie und obendrein unendlich gefährlich.

Woher soll der Strom für die Energiewende dann kommen?

Ich denke, dass wir international und hierzulande das Potenzial von zum Beispiel Geothermie, Solarenergie oder Windenergie längst nicht erreicht haben. 

Aber bei jedem neuen Windrad gibt es dann einen Bürgeraufstand.

Da muss ich ihnen leider Recht geben. Aber da muss man als Politiker den Menschen die Wahrheit sagen. Wenn wir die Wende schaffen wollen, dann brauchen wir sehr viel mehr neue alternative Anlagen. Wir werden auch neue Wasserkraftwerke bauen bzw. modernisieren müssen.

Weltweit werden derzeit vor allem in Afrika und ganz besonders in Asien rund 1.500 neue Kohlekraftwerke errichtet. Demonstrieren die Umweltschützer nicht auf dem falschen Kontinent.

Wenn man in China demonstrieren dürfte, würde das dort auch geschehen. Wir müssen hier in Europa aber genauso unsere Hausaufgaben erledigen. China ist für etwa 29 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. Nur: das war vor 30 Jahren noch ganz anders. Historisch gesehen haben Europa und die USA mehr Treibhausgase produziert. Und jetzt wollen Entwicklungs- und Schwellenländer eben auch unseren Wohlstand erreichen.

Auf Kosten der Natur.

Deshalb versuchen ja Umwelt-NGOs und auch wir vom Austrian World Summit die Wirtschaft und die Politik in diesen aufstrebenden Märkten davon zu überzeugen, ihren Wohlstand für ihre Bevölkerung mit erneuerbaren Energiesystemen zu erreichen.

Abschließend: Wird es die Menschheit schaffen?

Wer Kinder hat, hat gar keine andere Wahl als dafür zu kämpfen, denke ich. Ich bin aber auch aus einem anderen Grund zuversichtlich. Und zwar wegen vieler positiver Reaktionen des Kapitalmarktes.

Warum das?

Investoren und Aktionäre von börsennotierten Konzernen machen gehörig Druck. Viele wollen raus aus der fossilen Welt. Weil sie in der Green Technology langfristig einfach mehr Gewinn und langfristige Sicherheiten erkennen.

Ökologie und Ökonomie sind also vereinbar?

Absolut.

 

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