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Politik Inland
09/11/2019

ORF-Wahlduell: "Ich will eine ordentliche Mitte-Rechts-Politik"

Kontroversielles Damen-Duell, Vergangenheitsbewältigung der Ex-Regierungspartner und eine Koalitionsempfehlung vom Ex-Kollegen. So liefen die fünf TV-Duelle.

von Ida Metzger, Bernhard Gaul

Gleich fünf Wahlduelle standen am Mittwochabend im ORF an: In der ersten Runde traf ÖVP-Obmann Sebastian Kurz auf Werner Kogler von den Grünen. Danach FPÖ-Chef Norbert Hofer auf Peter Pilz von der Liste JETZT. Im dritten Duell standen sich SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner und Neos-Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger gegenüber. Grünen-Chef Kogler und sein ehemaliger Parteikollege Peter Pilz (Liste JETZT) waren danach dran. In der fünften und letzten Runde duellierten sich die ehemaligen Koalitionspartner Kurz und Hofer. 

Das wohl spannenste Duell am Abend war jenes der beiden ehemaligen Koalitionspartner Sebastian Kurz und Norbert Hofer. Das Duell der Ex-Partner lief wie eine Paartherapie  ab und war  streckenweise von einer Person bestimmt, die gar nicht anwesend war – nämlich Herbert Kickl. An der „Sturheit von Kickl“ sei die Koalition gescheitert, denn Kurz hätte die Koalition auch nach dem Ibiza-Video „weiterführen wollen“, erklärte der Ex-Kanzler. Doch Kickl wollte nicht aus dem Amt weichen.  Hofer verteidigte den Ex-Innenminister: Wer in diesem Ressort erfolgreich sein will, der könne kein „Faserschmeichler sein“.   

Wer  Kurz und Hofer genau zuhörte (sie sprachen sich auffallend oft amikal mit  „Du“ an), für den  war ein Eindruck unübersehbar: Gäbe es den Störfaktor Kickl nicht, dann könnte nach der Wahl am 29. September die ÖVP-FPÖ-Regierung in die zweite Runde gehen (Kurz: „Ich bin stolz auf die Arbeit der Koalition“). Mediencoach Gerald Groß analysiert: „Kurz zwang Hofer beinahe schon in eine tödliche Umarmung und machte es Hofer damit fast unmöglich, Kickl noch zu verteidigen.“

Kurz meinte, dass er sich nach der Wahl genau anschauen werde, „welcher Flügel sich in der FPÖ durchsetzen wird und erst wenn es Klarheit gibt“, werde er entscheiden, ob es ein Dacapo gibt. Als Beweis, wie unterschiedlich die Gesichter der FPÖ sind, plauderte Kurz aus, dass Hofer von ihm und nicht von Strache über das Ibiza-Video informiert wurde. So viel zur Vergangenheitsbewältigung.  Eine weitere Bedingung: Die blaue Serie der Einzelfälle müsse ein Ende haben.  „Ich möchte eine ordentliche Mitte-Rechts-Politik“, so Kurz.

Sebastian Kurz

  • Bester Moment: „Ich möchte nicht die These stehen lassen, Österreich oder die ÖVP sei schuld am Klimawandel weltweit.“
  • Schlechtester Moment: „Es gibt kaum Öffis im Waldviertel“ – obschon die ÖVP hier schon lange regiert.
  • Fazit des Experten: Gerald Groß: „Kurz nützte die Schlussrunde, um doch noch vor Rot-Blau zu warnen, zur Mobilisierung der eigenen Wähler.“  

Norbert Hofer

  • Bester Moment: „Die ÖVP ist eine Partei, die immer  drauf schaut, dass ihr Einfluss bestehen bleibt.“
  • Schlechtester Moment: Anpatzen der SPÖ Langenzersdorf, um von FPÖ-„Einzelfällen“ abzulenken.
  • Fazit des Experten: Bachmayer: „Es war  ein  Spagat für Hofer zwischen  Lob für die alte Regierung und Verteidigung von Kickl.  Die Frage ist – was zieht beim Wähler besser?“

Analysen der vier weiteren Wahlduelle:

Die Wahlduelle im Live-Ticker zum Nachlesen: