© Montage: C. Karner Mathias Swoboda,Istockphoto

Politik Inland
05/14/2021

ÖH-Wahl: Wie die Frauen die Uni-Politik in die Hand nehmen

Von 18. bis 20. Mai wählen Österreichs Studierende ihre Vertretung. Bis auf die Freiheitlichen schicken dieses Mal alle Fraktionen Frauen als Spitzenkandidatinnen ins Rennen.

von Elisabeth Hofer

Beim letzten Mal sah es noch ganz anders aus, als die Spitzenkandidaten für die ÖH-Wahl zur Elefantenrunde zusammentraten. Von den acht Fraktionen wurden vier von Männern angeführt, der Ring Freiheitlicher Studierender (RFS) schickte eine männlich-weibliche Doppelspitze ins Rennen, für eine der beiden kommunistischen Fraktionen kandidierte eine nichtbinäre (sich nicht einem der beiden Geschlechter zugehörig fühlende) Kandidatin.

Heuer sind es beinahe nur Frauen, die als Spitzenkandidatinnen in die Wahl (von 18. bis 20. Mai) starten. Von den acht Fraktionen steht nur beim RFS ein Mann auf Listenplatz Eins. Heißt umgekehrt: Es ist praktisch fix, dass der Vorsitz der Hochschülerschaft nach der Wahl wieder weiblich besetzt sein wird.

Dass Österreichs Hochschulpolitik stark in Frauenhand liegt, ist aber keine ganz neue Entwicklung. Im historischen Vergleich haben sich die Geschlechterverhältnisse praktisch umgekehrt: Es ist nicht einmal dreißig Jahre her, da galt Studierendenvertretung noch als Männersache. Ganze 50 Jahre lang (von 1945 bis 1995) führten ausschließlich Männer die ÖH an – niemand fragte warum. 1995 übernahm mit Agnes Berlakovich (VSStÖ) das erste Mal eine Frau das Amt. Von ihren bislang 22 Nachfolgern als ÖH-Vorsitzende waren 14 weiblich.

Warum passiert an den Hochschulen scheinbar ohne Mühe, wofür es andernorts in Politik und Wirtschaft Quoten und Reissverschlusssysteme braucht?

Gänzlich zufällig ist die Aufholjagd der Frauen in den vergangenen Jahren an den Hochschulen nicht. Vielmehr haben sich etwa die Grünen & Alternativen Student_innen (GRAS) bewusst um einen Ausgleich zur männerdominierten Gesellschaft bemüht. In ihren Statuten ist verankert, dass Spitzenkandidaten der Bundespartei ausschließlich FLINT*-Personen sein können. Das steht für Frauen, lesbische Personen, Intersexuelle, nichtbinäre Personen und Transsexuelle. Daraus ergab sich im Umkehrschluss, dass alle sieben Vorsitzenden, die die GRAS in den vergangenen 20 Jahren stellte, Frauen waren.

Der entsprechende Passus in den Satzungen der GRAS sorgt im aktuellen Wahlkampf für heftige Diskussionen. JUNOS-Spitzenkandidatin Sophie Wotschke erklärt: „Wegen des Geschlechts ausgeschlossen zu werden, ist ein 19. Jahrhundert-Szenario. Ich halte das nicht für den Weg, Chancengleichheit zu erreichen.“ Auch die AktionsGemeinschaft (AG) hat kein Verständnis für derlei Regelungen.

„Solange es nötig ist“

GRAS-Spitzenkandidatin Keya Baier entgegnet: „Wir halten diese Mechanismen im Moment noch für notwendig. Sobald wir an dem Punkt sind, an dem wirklich alle Personen gleichgestellt sind, die gleichen Chancen haben und patriarchale Strukturen abgebaut sind, braucht es diese Regelungen auch nicht mehr.“

Der VSStÖ stimmt in diesem Punkt zu, wenngleich in seinen Satzungen ein solcher Mechanismus nicht vorgesehen ist. Es habe bisher keinen Bedarf gegeben, sagt Spitzenkandidatin Sara Velić. Auch so stand jedes Mal, als der VSStÖ in den vergangenen 20 Jahren den ÖH-Vorsitz innehatte, eine Frau an der Spitze.

Die sechs Männer, die in dieser Zeit der Hochschülerschaft vorstanden, kamen entweder von den Unabhängigen Fachschaftslisten (FLÖ) oder der AG. In diesem Jahr schicken aber auch sie Frauen ins Rennen. Sabine Hanger, die Spitzenkandidatin der AG fungiert derzeit als ÖH-Vorsitzende, nachdem die Koalition aus VSStÖ, GRAS und FLÖ im Herbst geplatzt war.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.