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Politik Inland
08/11/2021

Neue Schmerzgrenze bei Spitälern: 10.000 Neuinfektionen pro Tag

Die Zahl der Neuinfektionen ist mittlerweile wieder auf mehr als 900 Fälle angestiegen. Noch ist die Auslastung der Spitäler moderat, aber die vierte Welle steht bevor.

von Christian Böhmer, Christian Willim

Wie wird es wohl sein im September? Ist die Pandemie dann endlich erledigt und geschafft?

In wenigen Wochen beginnt in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland die Schule. Und schon jetzt sind die Infektionszahlen im Vergleich zum Vorjahr auffallend hoch, oder präziser: Sie sind fünfmal höher als zum Vergleichszeitpunkt des Vorjahres; am Mittwoch stieg die Zahl der täglichen Neuinfektionen auf 902 – ein Wert, der zuletzt im Mai erreicht worden ist.

Egal, mit welchen Experten man in diesen Tagen spricht, die Botschaften gleichen einander.

Die eine lautet: Die Impfung hilft – und zwar in auffallend hohem Maß. „Wir wissen mittlerweile aus internationalen Daten, dass neun von zehn schweren Verläufen durch die Impfung verhindert werden. Das ist ein Erfolg der Impfung, der sich auch an der vergleichsweise niedrigeren Auslastung der Krankenhäuser zeigt“, sagt Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich (GÖG) im Gespräch mit dem KURIER.

Saisonaler Effekt

Impfung, flächendeckend vorhandene Testmöglichkeiten (Gratis-PCR-Tests, Antigen-Schnelltests, etc.) sowie der saisonale Effekt sorgen momentan dafür, dass die Situation in den Spitälern nicht aus dem Ruder läuft. Denn trotz der vergleichsweise hohen Zahl an aktiven und neuen Fällen ist die Zahl der Patienten in Intensiv- bzw. Spitalsbehandlung noch nicht dramatisch: Am 10. August 2020 waren österreichweit 24 Menschen wegen Covid-19 auf einer Intensivstation, heute, ein Jahr später, sind es 46.

Die Zahl der Infizierten ist also fünf Mal höher als im Vorjahr, die der Intensivpatienten nur knappdoppelt so hoch. Dennoch warnt Ostermann vor zu viel Optimismus: Man dürfe das Virus nicht unterschätzen, die Epidemie sei noch nicht vorbei. Im Gegenteil – es rollt wieder etwas zu auf Österreich.

„Es baut sich gerade eine Welle auf“, sagt Simulationsexperte Peter Klimek vom Complexity Science Hub Vienna. Noch dramatischer formuliert es der Präsident der Intensivmediziner, Walter Hasibeder im KURIER-Gespräch: „Wir rennen in die vierte Welle.“ Zwar werde die Lage aller Voraussicht nach „nicht mehr so tragisch, wie es bei der dritten und bei der ersten Welle war“. Ältere und Vorerkrankte sind zu einem Gutteil geimpft, und dieser Umstand nimmt bei den tödlichen und schweren Verläufen etwas an Dramatik heraus.

Doch ein unkontrolliertes Infektionsgeschehen wäre angesichts der Durchimpfungsrate weiterhin ein riskantes Unterfangen. „Wenn wir die Epidemie unkontrolliert weiterlaufen lassen, kann das durchaus noch einmal in eine Situation führen, wo hoher Druck auf das Gesundheitssystem entsteht“, sagt Simulationsexperte Klimek.

Szenarien

Ab wann es kritisch wird, das haben sich die Experten der GÖG angesehen. Sie haben Szenarien mit der dominanten Delta-Variante durchgerechnet. „Nach derzeitigem Stand verkraftet das Gesundheitssystem bei gegenwärtiger altersspezifischer Hospitalisierungsrate je nach Altersstruktur und Impfstatus der positiv Getesteten zwischen 3.000 und 10.000 Neuinfektionen am Tag, ohne dass es zu einer Überlastung der Intensivstationen kommt“, sagt GÖG-Chef Ostermann.

Maßgeblich sei die Altersverteilung, in der das Virus zirkuliert: Je jünger die infizierte Bevölkerung, desto mehr Infektionen sind zu verkraften. „Aktuell profitieren wir davon, dass hauptsächlich Jüngere erkranken – und auch davon, dass die ältere Bevölkerung besser durch Impfungen geschützt ist.“

Mitunter braucht man auch Fortüne – und die hatten Österreich und der Rest der Welt im Zusammenhang mit Delta.

„Wir können von Glück sagen, dass die Delta-Variante erst seit Kurzem auftritt und dass wir nicht schon vor einem Jahr damit konfrontiert waren“, sagt Ostermann. „Denn ohne die breite Verfügbarkeit von Impfung und Tests hätte diese Mutation möglicherweise zu einer Situation geführt, in der eine Überforderung des Gesundheitssystems selbst bei sehr engagierten Maßnahmen nicht vermieden hätte werden können.“

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