Knapp 17.000 PCR-Tests kamen innerhalb eines Tages hinzu

© APA - Austria Presse Agentur

Leitartikel
08/11/2021

Das Virus bestimmt das Tempo

Der fruchtbarste Nährboden für das Coronavirus ist das Zögern und Zaudern der Politik, wie die steigenden Infektionszahlen beweisen.

von Martin Gebhart

902 Neuinfektionen, Ausreisetests in zwei Osttiroler Gemeinden, fast täglich die Warnung vor einer vierten Welle: Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen, das Virus dominiert mit seiner Delta-Variante noch immer unser Leben. Auch mit den Impfungen haben wir uns nicht aus dieser Umklammerung befreien können, weil sich insgesamt noch immer zu wenige Menschen die notwendigen Stiche geben haben lassen.

Jetzt schlagen die Bundesländer und Gemeinden mittlerweile Purzelbäume, um möglichst viele – vor allem jüngere – Mitbürger zum Impfen zu bewegen. In Wien wird ab heute sogar im Stephansdom dazu eine eigene Station betrieben. Man will sich gar nicht vorstellen, was da noch alles kommen kann. Dennoch deutet momentan alles darauf hin, dass wir den Wettlauf gegen das Virus verlieren. Es wurden zwar bereits über 10 Millionen Dosen verimpft, damit sind aber nicht einmal 60 Prozent der Österreicher vollimmunisiert. Über 80 Prozent wären aber notwendig, um behaupten zu können, dass wir das Virus im Griff haben. Manche Wissenschafter nennen sogar die Zahl 90.

Lockangebote und bloße Anreize werden nicht reichen, um die Impfquote rasch und deutlich zu heben. Es braucht auch Konsequenzen, die ein wenig schmerzen, wenn man die schützenden Stiche verweigert. Zum Beispiel das Ende der Gratistestungen, wenn diese für Eintritte in Gasthäuser oder zu Kulturveranstaltungen ausreichen. Gleichgültig, ob es sich um Antigen- oder um PCR-Tests handelt.

Deutschland hat bereits die Entscheidung getroffen, dass in zwei Monaten die Gratistests Geschichte sind. In Österreich hingegen ist man noch immer in lähmenden Diskussionen verstrickt. Während einige Bundesländer auch in diese Richtung tendieren, hält man in der Bundeshauptstadt Wien gar nichts davon. Und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein will sich noch nicht wirklich festlegen.

Arbeitsrecht

Man wird sich auch beim Arbeitsrecht etwas überlegen müssen. Dass zum Beispiel im Gesundheitsbereich nur für jene eine Impfpflicht besteht, die neu angestellt werden, und bei allen anderen nicht einmal der Impfstatus erfragt werden darf, ist nicht erklärbar. Vor allem nicht in einem Beruf, wo Mitarbeiter für das Wohlbefinden von anderen Menschen verantwortlich sind. Der Intensivmediziner Walter Hasibeder formuliert es noch drastischer: "Jemand, der im Gesundheitssystem arbeitet und sich nicht impfen lässt, der ist fahrlässig unterwegs." Das gilt allerdings auch für andere Berufe, bei denen man viel mit Menschen zu tun hat.

Aber vielleicht haben die 902 Neuinfektionen die Entscheidungsträger endlich wachgerüttelt und zur Erkenntnis gebracht, dass der Impfwettlauf gegen das Virus mit bloßen Streicheleinheiten nicht gewonnen werden kann.

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