Neos - das neue Österreich_Matthias Strolz & Grace Pardy

© Gilbert Novy

Die Neos
03/30/2013

"Wir sind eine neue Volkspartei"

Die Kleinpartei Neos buhlt um bürgerliche Wähler – und klopft bald an 1500 Haustüren.

von Paul Trummer

Ein wenig fühlt man sich an ein Start-up-Unternehmen erinnert: Bunt zusammengewürfelte Möbel in einem Wiener Loft, überall Menschen mit Laptops, Umzugskartons, in der Mitte ein Tisch-Wuzler. Doch hier soll kein neuer Internet-Hype entstehen, sondern eine neue bürgerliche Partei: „Wir sind eine neue Bürgerbewegung, eine neue Volkspartei“, meint Parteigründer Matthias Strolz. Bildung, Europa, Lohnnebenkosten – das sind seine Lieblingsthemen, die er auch als Teil der nächsten Regierung verändern will.

Bei den Nationalratswahlen wollen die Neos ebenso antreten wie bei der Europa- und der Wien-Wahl. Strolz: „Diese Stadt braucht auch eine starke bürgerliche Kraft.“

Helfen soll Strolz (39) dabei nicht nur die unlängst eingegangene Kooperation mit dem Liberalen Forum (LIF), sondern auch Grace Pardy: Die 49-Jährige war einst Marketing-Managerin bei Coca- Cola, Levi Strauss oder Reebok – und soll nun den Wahlkampf der Neos managen. „Mein Engagement kommt von ganzem Herzen“, sagt Pardy. Man wolle massiv auf soziale Medien setzen, Bürgerabende veranstalten und den direkten Kontakt mit Wählern suchen. Nach Ostern wird ein Pilotprojekt in Wien gestartet: „Im 7. Bezirk klopfen wir an 1500 Türen.“ Bis zur Wahl will man auch in den Bezirken vertreten sein – und 3000 Mitstreiter haben.

Einzug unrealistisch?

Es ist die einzige Chance für die Neos, die mit einer Million Euro Wahlkampfbudget auskommen wollen. Polit-Berater Thomas Hofer ist skeptisch, ob das reicht: „Das ist auf jeden Fall zu wenig, weil die anderen Parteien sich diesmal wohl eine Materialschlacht liefern werden.“ Schuld daran ist Frank Stronach. Für Hofer ist das liberale Lager in Österreich „ein Minderheitenprogramm. Daher glaube ich nicht, dass die Neos den Einzug in den Nationalrat schaffen.“

Neos-Chef Strolz sieht das naturgemäß anders: „Diese Herren haben wenig Fantasie und leiten ihre Prognosen aus der Vergangenheit ab.“ Vor Stronach habe er keine Angst: „Das ist ein Hype ohne Zukunft.“

Er verweist auf Aufwind seit der Kooperation mit dem LIF: Hans-Peter Haselsteiner habe schon 100.000 Euro Parteispende angekündigt. „Und bis zum Juni werden wir ein prominentes Unterstützungs-Komitee zusammenstellen.“ Neben Haselsteiner werde da etwa auch Karl Sevelda von der Raiffeisen Bank International dabei sein. Ein Prominenter hat hingegen schon abgewinkt: Herbert Paierl, der steirische Ex-Landesrat, wollte dem Vernehmen nach nicht Spitzenkandidat sein.

Den könnte nun Strolz machen – sofern er die Unterstützung seiner Anhänger erhält. Das Selbstvertrauen dazu hätte er, sagen Wegbegleiter. „Er hat ein wahnsinnig großes Ego.“ Weiterer Kritikpunkt: Strolz betreibe Kindesweglegung, wenn er jetzt der ÖVP Stimmen abjage – schließlich sei er jahrelang im Wirtschaftsbund tätig gewesen und habe sich mit diesen Kontakten selbstständig gemacht: „Sein ganzes berufliches Netzwerk ist vom Wirtschaftsbund ausgegangen.“

Ob er wieder Unternehmensberater wird, wenn es in der Politik nicht klappt? Strolz will von einem Plan B nichts wissen: „Die Frage beschäftigt mich nicht.“

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