Politik | Inland
07.05.2018

Matthias Strolz tritt zurück: "Die Zeit dafür ist gekommen"

NEOS-Chef Matthias Strolz wird seine Ämter in den kommenden Monaten niederlegen. Wer ihm nachfolgt, ist noch ungeklärt.

Wie überraschend erst am Montagmorgen angekündigt, trat Matthias  Strolz pünktlich um 12 Uhr vor die eilig versammelte Presse. "Heute ist der Tag an dem ich als Gründungsvorsitzender der Neos die schrittweise Übergabe meiner Verantwortung bekanntgebe", erklärte der Parteichef: "Es ist der Zeitpunkt gekommen, die Führungsverantwortung geordnet und planvoll zu übergeben", sagte Strolz.

Mit Ende Juni werde er den Parteivorsitz abgeben, wohl im Herbst auch die Position des Klubobmanns räumen und aus dem Nationalrat ausscheiden: "Ich werde mich bis zum letzten Tag mit voller Leidenschaft einbringen". Er trete nicht ab, weil er nicht anders könne, sondern freiwillig. "Ich bin der Pilot meines Lebens", sagte Strolz allein zwischen einer Österreich- und EU-Fahne und vor einem gläsernen Stehtisch stehend.

Wie es nach dem Rücktritt für ihn persönlich weitergeht, stehe noch nicht fest.

Nachfolge wird erst geklärt

Ebenso wenig ist klar, wer ihm nachfolgen soll. Das sollen die Parteigremien erst in den nächsten Tagen und Wochen entscheiden. Strolz gibt der Partei mit seinem Zeitplan dafür auch genug Zeit.

Eine Entscheidung ist also offenbar noch nicht gefallen. Diverse Medien lassen unterdessen trotzdem bereits munter die Namen der Wiener Parteichefin Beate Meinl-Reisinger, des geschäftsführenden Parlament-Klubchefs Nikolaus Scherak oder des Partei-Mitgründers Veit Dengler fallen.

Aufbauphase der Neos sei vorbei

Strolz zog Resüme über die vergangenen sieben Jahre. Von einer Buchtour 2011, die den Auftakt seines Engagements bedeutete, bis zum angekündigten Rücktritt. Er sei immer von Politik fasziniert gewesen, sagte er immer wieder den Tränen nahe. Es sei wichtig gewesen, in Österreich eine neue politische Kraft der Mitte zu etablieren, die auch Vorbildwirkung in Europa entwickelt habe.

"Ich habe immer wieder den Ruf meines Herzens gehört", sagte Strolz, als er die Zeit der Parteigründung Revue passieren ließ: "Wir hatten Entschlossenheit, Kompetenz, Herzblut und gute Laune." Die Aufbauphase sei nun aber vorbei. Mit den Verhandlungen über eine Regierungsbeteiligung in Salzburg trete man in eine neue Zeit. "Alles was wir ab jetzt machen, machen wir nicht zum ersten Mal", sagte er.

Er wiederholte damit eine Botschaft, die er bereits vor wenigen Tagen getwittert hatte. Für die neue Ära sollen nun aber andere, frische Kräfte die Führung übernehmen. "Wir haben das Potential zu einer 20-Prozent-Kraft", gab er seinen Nachfolgern noch einen ambitionierten Auftrag mit.

"Wir sind gekommen, um für das gute Leben in Österreich zu kämpfen", fasste er das Parteicredo zusammen. Strolz legte noch einmal ein Bekenntnis zu einem liberalen Freiheitsbegriff ab und betonte die Bedeutung der Bildung dafür und für den Wohlstand der Gesellschaft. Er zeigte sich optimistisch, was Reformen im Pensions- und Bildungssystem in seinem Sinne anbelangt: "Das wird kommen, wenn auch nicht nächstes Jahr. Aber wir bleiben dran."

Strolz mahnte, die liberale Demokratie sei derzeit in Gefahr. Auch das hatte er bereits in der jüngeren Vergangenheit immer wieder gesagt - etwa in einem Kurier-Gespräch am Anfang des Jahres:

Strolz polarisierte mit seinem Auftreten und ist das Energiebündel der österreichischen Innenpolitik. Mit seiner Explosivität gelang es, vor fünf Jahren aus dem Stand eine liberale Truppe in den Nationalrat zu bringen. Der 44-jährige Vorarlberger hat die Partei 2012 als maßgeblicher Akteur gegründet und war seither der Vorsitzende. Bei der Nationalratswahl 2013 erreichte er mit der pinken Bewegung knapp 5 Prozent und zog ins Parlament ein. 2017 konnte die Partei dieses Ergebnis mit einem kleinen Plus bestätigen. 

Heuer hat die Partei drei von vier Landtagswahlen erfolgreich geschlagen. Nur in Kärnten wurde der Einzug in den Landtag verpasst, in Niederösterreich, Tirol und Salzburg gelang der Einzug. In Salzburg wird mit der ÖVP und den Grünen über eine Koalition verhandelt. Strolz ist das nach außen bekannte Gesicht der NEOS. Ob die Partei auch ohne ihren Leitwolf reüssieren kann, wir sich weisen.

Strolz bedankte sich zum Abschluss beim "konstruktiven Mitbewerb", seiner Familie und den Wählern: "Ich möchte abschließend sagen, dass ich dankbar bin, dass das Leben mir diese Aufgabe mit auf den Weg gegeben hat und für die vielen Begegnungen, die mich tief berührt und mein Leben auch reich gemacht haben. Ich werde noch ausführlich Gelegenheit haben, mich zu bedanken. Ich bin zuversichtlich, dass Neos ein großes und gutes Stück Zukunft dieses Landes sein wird."

Ein Blick auf Matthais Strolz

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Die NEOS haben bei ihrem ersten Antritt den Einzug ins Parlament geschafft. Dass das möglich war, ist Matthias Strolz zu verdanken. Der Vorarlberger gründete 2012 die irgendwo zwischen ÖVP und Grünen angesiedelte liberale Partei.

Matthias Strolz wurde mit seinem motivierten und engagierten Auftreten zum Polit-Shootingstar der Nationalratswahl 2013.

Die Partei wurde aber nicht zuletzt auch wegen der großzügigen finanziellen Zuwendungen des Unternehmers Hans-Peter Haselsteiner zur Überraschung des Wahlsonntags.

Aber die Pinken musste sich erst einmal bekannt machen. Strolz kam ihm seine Erfahrung als Unternehmensberater und PR-Profi entgegen.

Grundsätzlich macht dem gebürtigen Bludenzer nichts aus, an der Spitze zu stehen. Als Teenager war er Vorarlberger Landesschulsprecher, als Twen Vorsitzender des Österreichischen Hochschülerschaft an der Uni Innsbruck.

Ex-Präsidentschaftskandidatin Irmgard Griss kandidierte zuletzt auf NEOS-Listenplatz zwei - hinter Strolz - für den Einzug ins Parlament.

Der NEOS-Chef verheiratet und Vater von drei Töchtern. Er betreibt Bikram-Yoga und zeigt sein Geschick dabei schon auch einmal in einem Fernsehstudio, und er spielt Saxophon und Klarinette in der Harmoniemusik, wenn er mal daheim ist in Wald am Arlberg, wo Strolz aufgewachsen ist.