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Politik Inland
12/23/2021

Mückstein: "Verstehe die Frustration"

Der Gesundheitsminister verteidigt die gestern wieder verschärften Maßnahmen. Denn: Die Omikron-Variante wird kommen.

von Josef Siffert

Vorigen Freitag wurden Lockerungen für Weihnachten und Silvester angekündigt, gestern wurden die Regeln wieder verschärft. "Seitdem haben wir einiges gelernt", so Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein im Ö1-Morgenjournal. "Sie können mir glauben, dass ich einen Tag vor Weihnachten lieber bessere Mitteilungen mitbringen würde."

In den letzten Tagen habe man gelernt, "dass Omikron deutlich ansteckender ist, als die Delta-Variante." Dass man Zeit gewinnen müsse - Zeit, um mehr Leute impfen zu können und Zeit, dass sich die Lage auf den Intensivstationen noch weiter entschärft. 

Eine gute Nachricht: Rund 72 Prozent der Ü-65-Jährigen sind bereits geboostert - jeden Tag würde aktuell ein weiteres Prozent dazukommen. "Das zeigt, dass dieser Zeitgewinn ganz wichtig ist."

"Ich verstehe die Frustration" 

Vier Länder - Niederlande, Großbritannien, Dänemark und Norwegen - wurden auf Empfehlung die GECKO neu auf die Risikoliste gesetzt. Mückstein verteidigt diese Entscheidung, wenngleich er die Frustration (bei Gastro-Betrieben, im Tourismus, Anm.) versteht. In den Niederlanden gilt aktuell ein Lockdown. "Wir können nicht sehenden Auges in die Omikron-Welle hineingehen und keine Maßnahmen setzen." Deshalb habe man ja auch den neuen Krisenstab GECKO einberufen.

"Skifahren ist möglich, Eislaufen ist möglich, Tourismus grundsätzlich ist möglich, aber unter strengen Sicherheitsmaßnahmen. Ich glaube das ist ganz wichtig."

Wenn Menschen aus Ländern mit einer hohen Inzidenz nach Österreich kommen, hätte man das Problem, dass Omikron nach Österreich eingeschleppt würde, so Mückstein. Auf Flughäfen soll deshalb lückenlos kontrolliert werden: "Da haben wir die Zusage." An der Landesgrenze könne man nicht jeden einzelnen aufhalten. Hier werde "stichprobenartig" kontrolliert

"Wir können Omikron jetzt nicht mehr aufhalten in Österreich, wir können die Ausbreitung aber verlangsamen." Gleichzeitig wisse man, dass Familienfeiern stattfinden werden und "auch sollen. Das ist ganz wichtig."

Durch den Lockdown hätte man sich einen gewissen Polster erarbeitet und dieser sollte genutzt werden, "um in der Familie feiern zu können - unter den gegebenen Sicherheitsmaßnahmen." Heißt: nur in kleinem Rahmen und davor testen. "Diese kurze Verschnaufpause haben wir uns auch alle verdient."

Es braucht die Maßnahmen

Was Delta betrifft, habe man in der Bevölkerung eine Gesamtimmunität von 91 Prozent. "Hätten wir nur noch Delta, würde es ganz gut ausschauen." Jetzt aber komme eine neue, deutlich ansteckendere Variante - "wir sehen in anderen Ländern, dass die Zahlen sehr, sehr rasch nach oben gehen."

In Österreich sind derzeit 5,5 Prozent der Proben, die in Österreich gemacht werden, bereits Omikron zuzuweisen. Das werde in den nächsten Wochen stark ansteigen, "deshalb braucht es die Maßnahmen."

Peter Klimek sprach am Dienstag in Zusammenhang mit Omikron nicht von einer Welle, sondern einer Wand, die auf Österreich zukomme. "Je höher die Welle ist, je schärfer die Welle nach oben steigt, desto kürzer dauert sie normalerweise, auch," so der Komplexitätsforscher. So könne man laut Klimek auch einen Strategiewechsel andenken und könnte es unter Umständen vernünftiger sein, schnell durchzutauchen, als durch ein Abflachen der Kurve die Infrastruktur zu gefährden. 

Für Mückstein liegt in diesem Zusammenhang die Benchmark bei der Auslastung der Intensivstationen. "Wenn sich zu schnell zu viele Menschen anstecken, dann bekommen wir wieder ein Problem in den Krankenhäusern, auf den Intensivstationen." "Das will keiner."

Medikament bringt logistische Herausforderungen

Dieser Tage werden Covid-Medikamente (künstliche Antikörper) nach Österreich geliefert, die vorerst eine Behandlung von fast 15.000 Menschen ermöglichen. Größere Mengen folgen: "Wir haben 470.000 Therapiezyklen insgesamt bestellt."

Damit verbunden, würden logistische Herausforderungen warten. "Wie schaffen wir es, dass bei einem positiven PCR-Test, innerhalb von drei bis fünf Tagen diese Medikamente verabreicht werden?"  

Hier sei auch GECKO gefragt und darum gebe es auch einen Logistik-Experten. Konkretes Konzept scheint noch keines vorzuliegen.

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