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Porträt
05/28/2021

Mireille Ngosso will weg vom "sehr bürgerlichen, weißen Feminismus"

Die 40-jährige Ärztin und Wiener Gemeinderätin geht als Außenseiterin ins Rennen um den Vorsitz der SPÖ-Frauen am 25. Juni.

von Elisabeth Hofer

Mit ihrer Kandidatur für den Vorsitz der SPÖ-Frauen hat Mireille Ngosso ordentlich für Wirbel in der Partei gesorgt. Die 40-jährige Wiener Gemeinderätin entschied sich, ins Rennen einzusteigen, da hatte die scheidende rote Frauenchefin, Gabriele Heinisch-Hosek, bereits ihre Wunschnachfolgerin vorgestellt: die 28-jährige Nationalratsabgeordnete Eva-Maria Holzleitner aus Wels. In der SPÖ war man erst einmal baff.

Bis die Frist für mögliche weitere Kandidaturen mit 20. Mai abgelaufen war kam mit der niederösterreichischen Landtagsabgeordneten Elvira Schmidt (50) schließlich noch eine dritte Kandidatin ins Spiel.

Die SPÖ-Frauen wählen ihre Vorsitzende am 25. Juni, einen Tag vor dem Bundesparteitag. Nicht ganz unwesentlich: Die Frauen-Chefin bekommt – wer immer es wird – einen der sechs Stellvertreterposten von Parteichefin Pamela Rendi-Wagner.

Ihre Kandidatur habe aber andere Hintergründe, erklärt Ngosso. „Es gibt so viele Frauen mit so unterschiedlichen, teils wirklich schlimmen Lebensgeschichten. All diese Perspektiven müssen wir miteinbeziehen. Feminismus ist kein Selbstzweck, sondern der Kampf für ein besseres Leben aller Frauen“, erzählt sie. „Wir müssen wieder eine Bewegung werden, in der sich jede Frau vertreten fühlt, damit wir auch wieder die nötige Schlagkraft haben, um unsere Forderungen umsetzen zu können.“

Das sei schwieriger geworden, seit die SPÖ keine Regierungspartei mehr ist und politisches Engagement generell stärker in zivilgesellschaftlichen Organisationen passiere.

Ngosso selbst ist neben ihrer Tätigkeit als Gemeinderätin und angehende Allgemeinmedizinerin Aktivistin der Black-Lives-Matter-Bewegung. Und da gebe es eine Menge Gemeinsamkeiten mit der Frauenbewegung, sagt sie – etwa den Wunsch nach Intersektionalität, also dem Beachten verschiedener Strukturkategorien wie Geschlecht, Ethnizität, Klasse, Sexualität, etc. „Ich habe immer wieder kritisiert, dass der Feminismus, der sich in unserer Gesellschaft durchsetzt, sehr bürgerlich und weiß ist. Bei den SPÖ-Frauen brauchen wir ein klares Gegenmodell dazu und müssen einen Feminismus leben, der alle Frauen mitnimmt.“

Fokus Gender Medizin

Von der frauenpolitischen Arbeit der Regierung ist sie „entsetzt“. Die hohe Zahl an Frauenmorden zeige, wie viel Handlungsbedarf es gebe. „Doch statt weiterzukommen, sind wir aktuell nur damit beschäftigt, die Errungenschaften der vergangenen Jahre zu verteidigen“, sagt sie. Gerade beim Thema Gewalt gegen Frauen müsse man viel stärker auf Prävention setzen, getreu dem Motto: „Educate your sons“. Sie ist selbst Mutter eines vierjährigen Sohns.

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist das Thema Gender Medizin, also die je nach Geschlecht unterschiedliche Behandlung von Erkrankungen. Ihre Ausbildung als Medizinerin verbindet Ngosso mit Parteichefin Rendi-Wagner, mit der sie stets sehr gut zusammengearbeitet habe.

Und wie steht sie zu Hans-Peter Doskozil? Von seiner Arbeit im Burgenland sei sie beeindruckt, sagt Ngosso, merklich um Diplomatie bemüht. Inhaltlich gebe es aber in verschiedenen Bereichen– etwa bei der Migrationsfrage – Reibungspunkte.

Welche der drei Kandidatinnen am 25. Juni die größten Chancen auf den Frauenvorsitz hat, darüber ist man sich in der SPÖ ein knappes Monat vor dem Parteitag uneinig. Eine Stichwahl sei relativ wahrscheinlich, heißt es. Die Frage ist nur: Zwischen wem? Schmidt werde wohl die Stimmen der älteren Delegierten erhalten, die stimmenstarken Abgesandten Niederösterreichs könnten sich aber zwischen ihr und Heinisch-Hoseks Wunschkandidatin Holzleitner aufsplitten.

Ngosso geht als Außenseiterin ins Rennen, hat aber Chancen, wenn die Wiener SPÖ-Frauen geschlossen hinter ihr stehen, heißt es in der SPÖ.

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