Kampfjet-Kauf fix: So viel kosten die M-346, das bringen die Gegengeschäfte

Ein Kampfjet und verschiedene Raketen des Herstellers Leonardo auf einer Luftfahrtausstellung.
Das Verteidigungsministerium kauft zwölf der Unterschalljets aus Italien. Gleichzeitig wurden Gegengeschäfte vereinbart.

Es hatte sich lange abgezeichnet – nun ist es fix: Das Verteidigungsministerium bestätigte dem KURIER die Unterzeichnung eines Government-to-Government-Geschäfts mit Italien – und beschafft zwölf M-346FA vom italienischen Konzern Leonardo.

Die Schul- und Mehrzweckkampfflugzeuge werden ab 2028 geliefert und gelten unter anderem als die Nachfolger der 2020 ausgeschiedenen Saab-105. Lange war darüber spekuliert worden, wie viel die neuen Jettrainer tatsächlich kosten werden – nach KURIER-Informationen liegt der Stückpreis bei rund 80 Millionen Euro, insgesamt also bei rund einer Milliarde. Dazu kommen noch Kosten für Bewaffnung, Munition, Wartung, Ausbildung und den Simulator.

Gesamtvolumen von 1,5 Milliarden Euro

Insgesamt liegt das Volumen des Gesamtpakets bei rund 1,5 Milliarden. Stationiert werden die Jets vorerst im steirischen Zeltweg – ist die notwendige Infrastruktur im oberösterreichischen Hörsching fertiggestellt, werden sie dorthin verlegt.

Was den Jettrainer-Ankauf zusätzlich historisch macht: Erstmals seit Ankauf der Eurofighter werden Gegengeschäfte abgeschlossen. Verteidigungs- und Wirtschaftsministerium unterzeichneten gemeinsam mit Italien ein zusätzliches Abkommen für industrielle Kooperation: Die österreichische Wirtschaft soll hierbei mit 400 Millionen Euro profitieren. „Insbesondere in den Bereichen Luftfahrttechnik, Zulieferindustrie, Digitalisierung und sicherheitsrelevante Forschung“, heißt es.

Dass das Abkommen zwischen beiden Staaten unterzeichnet wurde, soll etwaiger Korruption vorbeugen und ist ein deutlicher Unterschied zu den Eurofighter-Gegengeschäften. „Damit setzen wir einen zentralen Grundsatz dieser Bundesregierung um: Steuergeld soll, wo immer möglich, auch in Form von Wertschöpfung nach Österreich zurückfließen“, sagen Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (beide ÖVP).

Industrie reagiert erfreut

Damit kommt die österreichische Politik den langjährigen Forderungen aus der heimischen Rüstungswirtschaft nach. Die Industriellenvereinigung reagierte erfreut – ihr Präsident Georg Knill bezeichnet den Deal als „wichtiges Signal“. Seit dem Ausscheiden der Saab-105 obliegt die Luftraumüberwachung allein den Eurofightern – der M-346FA ist eine günstigere Ergänzung für derartige Einsätze.

Zudem ergibt es in Zeiten verstärkter Drohnenangriffe Sinn, Unterschalljets anzuschaffen und gegen verhältnismäßig langsame Drohnen einzusetzen und eventuell mit Bordkanonen abzuschießen. Gleichzeitig dient der M-346FA als modernes Trainingsflugzeug, in dem Piloten realistische Einsätze üben können. So verbindet der M-346 Ausbildung und Schutz des eigenen Luftraums.

Seit Jahren absolvieren Piloten des Bundesheeres ihre Ausbildung im Ausland – ein bedeutender Kostenfaktor, der jetzt wegfällt.

Insbesondere deshalb, weil das Bundesheer dringend neue Piloten benötigt: Sowohl für die Leonardo-Jets als auch für die Überschallflieger, die ab 2035 die Eurofighter ersetzen sollen. 36 Stück sind geplant – die Entscheidung sollte bereits im kommenden Jahr fallen.

Kandidat dafür ist theoretisch etwa der US-Kampfjet F-35 – nachdem jedoch bereits die neutrale Schweiz Probleme mit der Lieferung hat, dürfte dies im Verteidigungsministerium noch einmal überdacht werden. Anbieten würde sich etwa der Saab Gripen oder die französische Rafale F5.

Der Beschaffungsprozess grafisch dargestellt.

Der Beschaffungsprozess grafisch dargestellt

Wie die Entscheidung für den M-346FA fiel

Mit dem russischen Einmarsch in die Ukraine gewann dieses Thema neue Bedeutung. Plötzlich war nicht nur von Luftraumüberwachung, sondern auch von Luftraumverteidigung die Rede. Durch das Landesverteidigungsfinanzierungsgesetz bekam das Verteidigungsministerium die Mittel, die es brauchte, um „verteidigungsfähig“ zu werden.

Der Generalstab begann mit der Planung, gab in puncto Saab-105-Ersatz das Ziel aus, nicht nur ein Trainingsflugzeug, sondern einen Unterschall-Jet anzukaufen, der auch für Überwachungs- und Kampfeinsätze eingesetzt werden kann. Geprüft wurde unter anderem der T7-Red Hawk von Boeing/Saab, dessen Auslieferungstermin alles andere als fix gewesen wäre. Die tschechische Aero L-39NG wiederum wäre ein gutes Trainingsflugzeug, könnte jedoch nicht die Anforderungen erfüllen, die sich der Generalstab für die Luftraumverteidigung erwartet hatte.

Seit Dezember vergangenen Jahres war daher klar: Das Verteidigungsministerium will die zwölf M-346FA. Fast ein Jahr später ist dieser Wunsch Wirklichkeit.

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