Vorwürfe gegen Ex-ORF-Chefin und Neo-Abgeordnete ohne Fraktion: Monika Lindner

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Aufträge
10/31/2013

Lindner bringt ORF-General in Erklärungsnot

Die Vergabepraxis der Ex-ORF-Chefin wird mit Hochdruck geprüft. Was wusste Wrabetz?

von Michael Bachner

Jetzt geht es auf einmal schnell: Am Mittwoch verkündete ORF-Chef Alexander Wrabetz eine interne Prüfung aller Auftragsvergaben seiner Vorgängerin Monika Lindner für die Jahre 1998 bis 2006. Es geht um Aufträge im Wert von kolportierten zwei Millionen Euro, die ihr Lebensgefährte, der Werber Günter Lebisch, bzw. ihm zuzurechnende Firmen bekommen haben. Am Donnerstag hieß es, schon in der Sitzung des ORF-Stiftungsrates am 14. November, also in zwei Wochen, sollen „erste Ergebnisse“ vorliegen.

Druck dürfte unter anderem der Umstand erzeugen, dass Wrabetz unter Lindner kaufmännischer Direktor war. Und jetzt – Jahre später – die interne Revision einschalten muss. So überlegt die FPÖ zur gesamten Praxis der Auftragsvergaben und Konsulentenverträge im ORF eine Anzeige und fordert eine externe Prüfung.

Wrabetz erklärte, dass er nicht gewusst habe, dass Lebisch zur Zeit der Auftragsvergaben schon Lindners Lebensgefährte gewesen sei. Im ORF war das Verhältnis aber ein offenes Geheimnis. Jetzt verspricht Wrabetz die „lückenlose Aufklärung“.

Monika Lindner war von 1998 bis 2001 ORF-Landesdirektorin in Niederösterreich und von 2002 bis 2006 Generaldirektorin des öffentlich-rechtlichen Senders.

Auslöser der Causa war, dass Lindner als langjähriges Vorstandsmitglied der St. Anna Kinderkrebsforschung ihren Lebensgefährten Lebisch bzw. Leute aus dessen Agenturnetzwerk ComCom mit PR-Jobs versorgt und überteuerte Druckaufträge genehmigt haben soll. Lindner weist alle Vorwürfe zurück. Die Aufregung ist groß, schließlich geht es um Spendengelder.

Multi-Funktionärin

Monika Lindner sitzt nicht nur als „wilde“ Abgeordnete im Parlament. Sie war Kurzzeitkandidatin im Team von Frank Stronach. Sie hat auch viele Neben-Ämter inne: Vom Vize-Vorstand beim Roten Kreuz (das Mandat läuft 2014 aus) bis zum Sitz im Verwaltungsrat des Rudolfinerhaus-Trägervereins, dem das gleichnamige Privatspital gehört. Auch dort habe Lindner, zuständig für Marketing und Presse, versucht, ein neues „Corporate Design“ für mehr als 100.000 Euro durch die Gremien zu bringen – erzählt ein Insider. Auftragnehmer wären wieder Personen aus dem ComCom-Netzwerk von Lebisch gewesen. Das habe man noch rechtzeitig verhindert. Nachsatz: „Aber sie hat es versucht.“

Lindner im Porträt:

Dem Aufstieg folgt die Abrechnung

Monika Lindner holt ihre ORF-Vergangenheit ein. Sie selbst spricht auch über diese Zeit, Karriere im Dunstkreis der Politik. Niederösterreichs ÖVP-Landeschef Erwin Pröll habe sie als Landesdirektorin abgelehnt, als sie ORF-General Gerhard Zeiler dafür ins Spiel gebracht habe. „Viele haben gegen mich intrigiert, das war nicht unflott“, lässt Lindner in einem Buch, das demnächst erscheint, wissen.

Ein Essen mit Pröll habe die Wende gebracht: „Pröll erzählt heute noch gern, dass er danach seinen engsten Mitarbeiter angerufen und ihm gesagt hat, er sei der schlimmsten Intrige aufgesessen: ,Rufen’s den Zeiler an und sagen Sie ihm, ich will jetzt die Lindner.‘“ 1998 wurde sie niederösterreichische ORF-Direktorin. Bald danach gab es Zoff mit Pröll – wegen eines Interviews mit SP-Minister Schlögl; laut Lindner Intimfeind Prölls. „Wir haben einen Rüffel bekommen, was uns einfällt, den Schlögl zu interviewen und in Niederösterreich eine Geschichte über ihn zu machen.“ Eine Aussprache habe die Eiszeit beendet. 2001, unter Schwarz-Blau, wurde Lindner ORF-Chefin. Dass die Wiederwahl 2006 scheiterte und der SP-nahe Alexander Wrabetz reüssierte, schreibt sie Wolfgang Schüssel und Willi Molterer zu. Sie hätten es „verbockt“. Tatsächlich waren ORF-Leute schockiert, weil sie nicht sagte, was sie besser machen würde. Die Ansage war: Sie wolle bleiben, um zum zweiten Mal zu amtieren – wie einst Gerd Bacher. FP-Mann Westenthaler sagte sie, er dürfe sich das Team aussuchen, wenn sie nur erneut gewählt werde.

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