Die Affäre um das Ibiza-Video zieht immer weitere Kreise

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Politik Inland
11/19/2019

Knalleffekt: Sechs Hintermänner des Ibiza-Videos ausgeforscht

Der KURIER lüftet die ersten Details der Großaktion. Verdächtige wollten 400.000 Euro von Strache.

von Michaela Reibenwein, Dominik Schreiber, Kid Möchel

Am Dienstag in der Früh rückten zahlreiche Fahnder der SOKO Ibiza im Bundeskriminalamt aus. In zwei Bundesländern (Wien und Salzburg) wurden Hausdurchsuchungen durchgeführt. Außerdem kam es zu mehreren Festnahmen, ein Teil der Betroffenen wurde danach von der SOKO ausführlich verhört.

Das sind vorerst die wenigen Fakten, die auch von der Staatsanwaltschaft Wien bestätigt wurden. Alles darüber Hinausgehende wird mit dem Hinweis auf den (streng geheimen) Verschlussakt derzeit nicht kommentiert.

Doch der KURIER kennt die ersten Details: Offenbar wurden nun die Hintermänner des Videos hochgenommen. Sechs Personen stehen im Verdacht, in die Produktion involviert gewesen zu sein. Pikante Details inklusive.

 

Laut KURIER-Informationen werden von der Staatsanwaltschaft Wien sechs Personen beschuldigt in den Missbrauch von Abhörgeräten, in Urkundenfälschungen und in Betrügereien involviert zu sein. Das sind die drei Hauptvorwürfe in der Causa Ibiza.

Unter den Festgenommen ist der 38-jähriger Bosnier S., der Mitarbeiter jenes Detektivs ist, der die Causa aufgedeckt haben soll. Aber es sind auch neue Namen darunter, die bisher unbekannt waren. Bekanntester Beschuldigter ist jener Anwalt M., der seit längerem als Drahtzieher des Videos gilt. Er soll für den bekannten Lockvogel, dessen Identität weiter unklar ist, eine falsche lettische Reisepasskopie besorgt haben. Mit diesem wurde FPÖ-Mann Johann Gudenus demnach getäuscht.

Bosnier soll Ibiza-Villa organisiert haben

Der Detektiv H. und drei weitere Verdächtige (darunter der 38-jährige S.) sollen den Lockvogel schließlich rekrutiert und für das berühmte Video eingeschult haben, lautet der Vorwurf. Der Bosnier S. soll die Villa auf Ibiza angemietet haben. Er gilt als einer weiteren Hauptorganisatoren.

Ein weiterer Bosnier – der 52-jährige K., der auch wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung derzeit zur Fahndung ausgeschrieben ist – soll deutlich nach der Veröffentlichung des Videos versucht haben, Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache unter Druck zu setzen. Der Bosnier soll ihm angedroht haben weitere Ausschnitte aus dem Video zu veröffentlichen. Um das nicht zu tun, soll er vom ehemaligen FPÖ-Spitzenmann Geld gefordert haben, tatsächlich wollte er so 400.000 Euro lukrieren. In diesem Fall geht es um eine mögliche Nötigung.

Die beiden Bosnier sollen außerdem von einem Medienmann 60.000 Euro für weitere Informationen lukriert haben. Dabei schwärzte das Duo offenbar auch ihre mutmaßlichen Komplizen an. Der "Journalist" veröffentlicht jedenfalls Stück für Stück diese Geschichten in einem Blog, vermuten die Ermittler.

Darunter war auch der Bericht über eine falsche Cannabisplantage, die aus dem Onlineartikel einer deutschen Zeitung stammt und die fälschlicherweise dem Detektiv H. zugerechnet wurde. Außerdem wurde dem Medienmann die Namen von 351 Frauen zugespielt, die angeblich als Schauspielerinnen für solche Videos tätig sein sollen. Der "Journalist" trat mit diesen Enthüllungen dann bei Fernsehsendern auf.

Wer von dem Sextett bereits festgenommen wurde, war vorerst noch unklar. Die Justiz bestätigte bisher nur "mehrere Festnahmen". Die Details dazu will man am Mittwoch Nachmittag bekanntgeben.