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Faktencheck
12/10/2019

Klimaticket, Gebäudesanierung: Koglers Ideen auf dem Prüfstand

Werner Kogler hat eine Reihe von Klima-Forderungen an die ÖVP – mitunter sind sie kontrovers.

von Elisabeth Hofer

Es sei noch zu wenig, und es gehe zu langsam voran – so beschreibt Grünen-Chef Werner Kogler im KURIER-Interview am Sonntag den Stand der Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP zum Thema Klimaschutz. Klar sei beiden Seiten, dass es darum gehe, die Klimaziele zu erreichen. Aber wie? Dazu scheinen die Verhandler unterschiedliche Zugänge zu haben. Kogler legte seine Vorschläge im KURIER bereits auf den Tisch. Wie realistisch eine Umsetzung ist, zeigt ein Faktencheck.

Photovoltaik auf einer Million Dächern

Mit einer Photovoltaik-Anlage  kann jedes (Privat-)Haus zu einem kleinen Kraftwerk werden, also selbst Solarstrom produzieren. Die Frage ist, wie viele Häuser so ausgestattet sein müssten, um Österreich näher an das Erreichen der Klimaziele zu bringen. Noch im Sommer hatte die ÖVP von 100.000 Häusern gesprochen. Kogler fordert hingegen das „Eine-Million-Dächer-Programm“.

„Diese Zahl trifft es eher“, sagt Herbert Paierl,  Chef des Verbands Photovoltaik Austria und Ex-ÖVP-Politiker. Genügend verfügbare Dächer gebe es allemal,  nur wenige seien wegen einer zu starken „Verschattung“ nicht geeignet. Auch die Preise für die Anlagen seien in den vergangenen Jahren gesunken und liegen nun bei etwa 10.000 Euro. „Das rechnet sich“, sagt Paierl.  Durch eine Neuregelung der Ökostrom-Förderung sollen die privaten Solaranlagen in Zukunft zusätzlich attraktiv werden

Verdoppelung der Sanierungsrate

Komplizierter als eine ökologischere Stromversorgung von Privathäusern ist Koglers Forderung nach einer verdoppelten thermischen Sanierungsrate – nicht zuletzt wegen Barrieren im Wohnrecht, und weil schlicht nicht alle Häuser sanierbar sind. Derzeit liegt die Rate bei weniger als einem Prozent.

Fakt ist: Ein Großteil der Energie geht über Wärmeverlust verloren. Laut der Umweltschutz-Organisation Global 2000 weisen besonders Gebäude, die zwischen 1945 und 1980 gebaut wurden, eine miserable Energiebilanz auf. Auch bei Neubauten sieht es nicht immer besser aus. Während die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) eine Verdoppelung der Sanierungsquote begrüßt und (wie Kogler) auf die dadurch entstehenden Arbeitsplätze verweist, geht man bei Global 2000 noch weiter. „Es braucht mindestens drei Prozent Sanierungsquote pro Jahr, damit ein Ausstieg aus der fossilen Energie überhaupt möglich wird“, sagt Klimasprecher Johannes Wahlmüller.

Einen anderen Zugang vertritt die Arbeiterkammer (AK). Sie nennt die Sanierungsquote "eine wenig zielführende Maßzahl zur Bewertung der thermischen Gebäudesanierung". Wo die Randbedingungen es zulassen, könne  ein Ersatzneubau eine bessere Option als die thermische Sanierung des Altbestands sein, heißt es. Außerdem warnt die AK davor, im Zusammenhang mit Sanierungsmaßnahmen ins Mietrechtsgesetz einzugreifen, wenn damit die Mieter schlechter gestellt werden, als zuvor.

Installateure als Energiemanager

Auch eine Ausbildungsoffensive für Installateure soll laut Kogler dazu beitragen, Österreich energieeffizienter zu machen.  Die Idee ist nicht neu. „Alle Installateure werden im Rahmen ihrer Ausbildung bereits Energieberater“, heißt es von der WKÖ. Auch das Arbeitsmarktservice  bietet eine Weiterbildung zum Energiemanager an, allerdings nicht explizit für Installateure. Immerhin gebe es am Arbeitsmarkt genug Nachfrage für Installateure im herkömmlichen Sinne, heißt es.

Klimaticket durch ganz Österreich

Schon vor einiger Zeit sprangen die Grünen auf die SPÖ-Forderung nach einem Klimaticket auf, mit dem man zusätzlich zur Jahreskarte um drei Euro pro Tag öffentlich durch ganz Österreich fahren kann. Wer das Angebot nutzen möchte, zahlt etwas mehr als 1000  Euro.  Eine gute Alternative zum Auto? „Pendler lieben ja nicht ihr Auto“, sagt Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich.  Studien würden durchaus eine Bereitschaft zum Umsteigen zeigen. Ausschlaggebend seien aber weniger Ticketpreise, als eine bessere öffentliche Anbindung. „Das beste Ticket hilft nichts, wenn der Zug nur alle paar Stunden kommt“, sagt Gratzer.