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Chronik Österreich
12/04/2019

Österreicher fürchten Klimawandel mehr als Migration

Vor zwei Jahren war die Sorge um den Klimawandel noch vergleichsweise klein. 50 Prozent befürchten persönlich die Auswirkungen eines Blackouts.

von Bernhard Gaul, Johannes Arends, Karl Oberascher

Schon im Nationalratswahlkampf war er das bestimmende Thema schlechthin: der Klimawandel. Eine neue Umfrage des Linzer Market Instituts zeigt nun, dass die Österreicher den Auswirkungen der weltweiten Klimakrise zunehmend ängstlich gegenüberstehen. Gefragt nach der für Sie persönlich größten Bedrohung, gaben 56 Prozent der 1.500 Befragten die Folgen des Klimawandels an. 50 Prozent befürchten persönlich die Auswirkungen eines Blackouts. Jenes Thema, das die letzten Jahre hinweg dominierte, folgt dagegen nur auf Platz drei: 47 Prozent gaben an, dass ihnen "Massenmigration" am meisten Sorge bereite.

Der KURIER fragte beim Leiter des market-Instituts, Werner Beutelmeyer, nach, wie er das Umfrageergebnis interpretiert. Denn eine Umfrage zu den Sorgen und Ängsten der Österreicher zwei Jahre zuvor zeigt: Damals war die Klimakrise gar kein Thema.

„Jetzt ist der Klimawandel ein Thema, auch durch den medialen Fokus“, erklärt Beutelmayer. „Und viele beginnen sich erst jetzt damit umfassender auseinanderzusetzen. Es ist aber nicht so, dass die Klimakrise vo zwei Jahren gar kein Thema war, damals ging es mehr um Sorgen vor Unwettern oder der Entwicklung der Umwelt.“

Heute, erklärt der Marketing-Experte, sei das aber sehr wohl die "causa prima": " Einfach weil es eine hohe Sorge gibt, dass die Auswirkungen der Klimakrise jeden Einzelnen in Österreich - und auch mich in meinem Leben betrifft.“

Kein Bobo-Thema (mehr)

Das Thema treffe aus Sicht des Experten Stadtbevölkerung und Landbevölkerung gleich. „Mir scheint, dass die Bevölkerung am Land vielleicht noch ein Stück sensitiver sind, weil dort die Ereignisse starker wahrgenommen werden.“ Also das Absterben der durch Hitze und Borkenkäfer gestressten Bäume, „da muss man nicht studiert haben, um solche elementaren Ereignisse wahrzunehmen.“

Ängste erzeugen in der Bevölkerung eine Unsicherheit, und das sei beim Klimathema nicht anders. „Die Menschen fragen sich ja, wie sie künftig heizen sollen, oder wie die Mobilität aussehen soll.“ Und das würde sich bereits in einem veränderten Konsumverhalten wiederspiegeln.

Das alles habe aber auch Auswirkungen auf die Politik, erklärt Beutelmayer: „Die Politiker müssen jetzt glaubwürdige Lösungen anbieten. Denn dieser Pflock ist eingeschlagen, es geht nicht mehr um irgendein Bedrohungsszenario, sondern um eine echte Betroffenheit. Es war ja kein Wunder, dass die Grünen jetzt wieder zurück sind.“

Heißt das auch Rückenwind für die Koalitionsverhandlungen von Türkis und Grün? Das Klimathema scheint ja derzeit eine der größten Hürden zu sein. „Es gibt der ÖVP zumindest die Möglichkeit, flexibler zu sein“, sagt Beutelmayer. Persönlich sei er aber noch sehr skeptisch, ob dieses Projekt zum Abschluss kommt.

Sechs Monate zu wenig

Die Umfrage wurde vom Verteidigungsministerium in Auftrag gegeben. Der Schwerpunkt der Befragung richtete sich auf den Grundwehrdienst. Hier gab eine Mehrheit von 58 Prozent der Österreicher die Dauer des Grundwehrdienstes als zu kurz an. Drei Viertel der österreichischen Bevölkerung haben eine positive Grundhaltung zum Bundesheer

Die Dauer des Grundwehrdienstes bzw. eine Rückkehr zum alten System ist in den letzten Jahren immer wieder zum Thema geworden. Sowohl der jetzige Minister Thomas Starlinger als auch sein Vorgänger von der FPÖ, Mario Kunasek, sprachen sich für die Rückkehr zum Grundwehrdienst von acht Monaten mit verpflichtenden Milizübungen aus.

Das sieht die Mehrheit der Bevölkerung laut der Umfrage ähnlich. Für mehr als die Hälfte der Österreicher (53 Prozent) ist es notwendig, auch nach dem sechsmonatigen Grundwehrdienst weitere Milizübungen in der Dauer von zwei Monaten abzuleisten. 58 Prozent sehen die Dauer des Grundwehrdienstes als zu kurz an. Im Vergleich zu einer Erhebung im Juli 2019 bedeutet das einen Anstieg, damals waren nur 52 Prozent dieser Meinung.