Politik Inland
03/20/2019

Initiative gegen Spätabtreibung: Falsche Unterstützer

Thaibox-Weltmeister Fadi Merza scheint als Unterstützer auf der Website von "fairändern" auf - ohne seine Zustimmung.

von Lisa Wölfl

Österreich diskutiert wieder über Abtreibung, genauer: über Schwangerschaftsabbruch nach den ersten drei Monaten bei schweren Fehlbildungen des Fötus. Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Initiative "fairändern", die von bekannten Gesichtern aus Politik, Unterhaltung, Kirche und Sport unterstützt wird. Doch nicht alle Personen, die laut Website hinter der Initiative stehen, tun das wirklich.

Fadi Merza ist mehrfacher Thaibox-Weltmeister. In Wien betreibt er die "Team Merza Academy" für Kampfsporttraining. Auf der Website fairändern.at scheint sein Foto auf. Dabei hat er die Initiative gar nicht unterschrieben, sagt er.

"Komische Initiative"

Merza legt dem KURIER einen Screenshot des Chats vor, der laut ihm aus dem vergangenen September stammt. Dort ist die Rede von einer "mega Bürgerinitiative", die will, "dass Frauen gerade in der Schwangerschaft vollen Support vom Staat erhalten sollen, damit (z.B. auch behinderte) Kinder nicht zur Armutsfalle werden".

In der Nachricht wird die Forderung nach der Abschaffung von Spätabtreibung bei schwerer Behinderung jedenfalls nicht erwähnt. Merza erklärte sich bereit, die Initiative zu unterstützen. Ihm wurde ein ausführliches Briefing versprochen. Das, sagt Merza, habe er aber nie bekommen.

"Das muss eine komische Initiative sein, wenn sie Fotos ohne Erlaubnis einfach auf die Website stellt", sagt Merza zum KURIER.

Sie hätten sein Foto – das laut ihm über zehn Jahre alt ist – ohne Zustimmung verwendet. Zu Spätabtreibung und speziell der embryopatischen Indikation habe er zwar eine Meinung, weil das Thema so komplex ist, trete er allerdings absichtlich nicht öffentlich mit dieser auf.

Generalsekretär Schirmer: "Hat Veröffentlichung seines Fotos zugestimmt"

Bei der Initiative "fairändern" hat man das anders in Erinnerung. "Fadi Merza wurde vor einem halben Jahr von unserer ehemaligen Mitarbeiterin über #fairändern informiert und hat am 6. September der Veröffentlichung seines Fotos auf der Webseite von zugestimmt", schreibt Florian Schirmer, Generalsekretär der Initiative, in seinem Statement. "Da Fadi Merza nun nicht mehr öffentlich mit #fairändern in Verbindung gebracht werden möchte, nehmen wir sein Foto von der Seite."

"Nicht vollständig aufgeklärt"

Auch bei SPÖ-Bürgermeister Kurt Wallner gab es Umstimmigkeiten. Nach dem ersten KURIER-Bericht über die Initiative meldete er sich, um klarzustellen, dass er die Forderung ablehnt, Spätabtreibung bei Behinderung einzuschränken oder gar zu verbieten. "In dieser Situation muss eine medizinische Beurteilung gegeben sein", sagt Wallner. Hinter den anderen Punkten (bessere Beratungs- und Unterstützungsangebote für Schwangere) stehe er weiterhin.

Sarah Köll, die unter dem Namen Sara de Blue auftritt, stellte am Mittwochnachmittag gegenüber dem KURIER klar, dass sie ebenfalls nichts von der besagten Forderung wusste. "Ich wurde nicht vollständig aufgeklärt", schreibt sie in ihrem Statement. Sie unterstütze die Initiative nun nicht mehr offiziell.

Hinweis: Der Artikel wurde um 14:00 mit dem Statement von Sarah Köll aktualisiert.

Der KURIER-Schwerpunkt zum Thema Spätabtreibung: