Handy und Co.: Soll die Politik Verhaltensregeln für den Alltag vorschreiben?

Social-Media-Verbote für Schulkinder, Strafen für Eltern: Bevormundet der Staat die Bürger oder brauchen wir strengere Regeln?
Handy und Co.: Soll die Politik Verhaltensregeln für den Alltag vorschreiben?

Pro

Fix brauchen wir Regeln – und wenn das nicht hilft auch Sanktionen. Die Digitalisierung bringt – wie die Wissenschaft weiß – nicht nur Demenz mit sich, sondern sicht-, hör-, riech- und fühlbar auch eine Form von Degeneration. Bestes Beispiel: öffentliche Verkehrsmittel.

Wer Öffis nutzt, der weiß, wie es zugeht. Wie kaum ein Mensch mehr ins Narrenkastl schaut, sondern fast alle aufs Handy. Wie Menschen auf engstem Raum dazu neigen, sich beim Telefonieren nicht nur unbedingt sehen zu wollen, sondern auch anschreien zu müssen, weil die Stöpsel im Ohr jedwede Lautstärkenmodulation der Stimme außer Kraft zu setzen scheinen. Privatsphäre – die eigene wie die der anderen?

Darauf wird gepfiffen, scheint’s – wie auch auf die olfaktorischen Gemeinheiten, die geruchsintensives Essen für die Allgemeinheit mit sich bringt, weil es dem kurz vor Unterzuckerung Kollabierenden nicht zumutbar ist, nach dem Aus- oder vor dem Einstieg zu essen? 

Ehe die Maßregelungsrufe für Tech-Giganten und KI immer lauter werden: Wie wäre es, die menschliche Intelligenz zu nutzen, das Handy mal wegzulegen, den Hausverstand einzuschalten? Wenn der verkümmert, was der Fall ist, weil vom Handy eine Sucht ausgeht, die vor keinem Alter Halt macht, dann muss man eingreifen.

Zur Autorin: Johanna Hager leitet die KURIER-Innenpolitik. eMail: johanna.hager@kurier.at

Contra

Natürlich ist unser aller Handy-Konsum eine echte Plage. Und insofern ist der Appell der FPÖ Salzburg, beim Abholen des Kindes doch bitte vorher mal ordentlich Grüß Gott zu sagen, bevor man wieder in seinen Instagram-Feed mit Parenting-Tipps für High Performer verschwindet, kein blöder.

Deplatziert ist er trotzdem. Ich möchte schon selbst entscheiden, wie ich vor dem Kindergarten stehe. Mit Bier in der einen und Smartphone in der anderen Hand kommt’s eh selten vor. 

Dass der neueste Polit-Tipp für ein gelungenes Leben ausgerechnet von den Freiheitlichen kommt, den Liberalen, die schon bei Tempo 130 die Freiheit der Bürger gefährdet sehen: geschenkt. Nein, auch beim kleinen Kindergarten-Handy-Komplex dreht sich’s letztlich um die große Frage vom Verhältnis des Staates zu seinen Bürgern. 

Und deshalb hier grundsätzlich, liebe Politik: Kümmert euch (endlich) darum, Digital-Konzerne in die Schranken zu weisen. Wenn das gelänge, wäre das Handy vielleicht auch keine solche Volksplage mehr. Das – schlaue – Social-Media-Verbot für Kinder ist ja letztlich auch nichts anderes als das Eingeständnis der Politik, dass man das Problem bei der Wurzel, bei Facebook und Co., nicht gelöst bekommt. Prost.

Zum Autor: Karl Peternel-Oberascher leitet den Newsdesk bei kurier.at. eMail: karl.peternel-oberascher@kurier.at

Das Handyexperiment

Wie lange können Teenager ohne Snapchat und Instagram auskommen? Sind es sieben Tage? Sieben Stunden? Oder schaffen sie es gar nicht? 

Bei dem großen "Handy-Experiment" beantworteten 65.000 Schüler diese Frage für sich. Lesen Sie hier unsere gesammelte Berichterstattung dazu:

Wie geht es den Schülern im Liesinger GRG23 zur Halbzeit des Handyverzichts? Der KURIER zieht eine Zwischenbilanz.
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Wie findet man sich in einer Welt ohne Smartphone zurecht? Ohne Instagram, WhatsApp und Snapchat. Lena aus dem GRG23 in Wien-Liesing erzählt uns hier von ihren Erfahrungen.
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Seit Mittwoch verzichten 70.000 Schülerinnen und Schüler auf ihr Smartphone. Im Wiener GRG23 in Liesing macht auch die Klasse 4C mit. Der KURIER begleitet sie dabei.
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