© Fremd/APA/Hans Klaus Techt

Ein Jahr nach Ibiza
05/16/2020

Haiders Chefstratege Petzner: "FPÖ-Doppelspitze ist ein Fehler"

Populistische Parteien bräuchten "einen Heilsbringer". Der FPÖ-Aufstieg sei auch Führungspersönlichkeiten wie Haider und Strache geschuldet

von Daniela Kittner

Zwölf Prozent in den Umfragen, nach kurzem Regierungsvergnügen wieder in der Opposition, attackiert vom eigenen Ex-Obmann: Ein Jahr nach Ibiza befindet sich die FPÖ in desolatem Zustand. Viele Anhänger wie Gegner der FPÖ glauben zwar, wenn das „Ausländerthema“ wieder hochkomme, werde es die FPÖ automatisch wieder nach oben spülen. Doch Stefan Petzner, der ehemalige Chefstratege von Jörg Haider, hält diese These für zu kurz gegriffen. „Eine populistische Partei wie die FPÖ braucht eine Heilsfigur, eine Sonne, um die alles kreist.“

Der blaue Wählermagnet sei stets die Person an der Spitze gewesen. „Wir hätten bei Landtagswahlen einen Hydranten aufstellen können, der lokale Spitzenkandidat war völlig wurscht. Die Leute haben gesagt: ,Wir wählen den Haider‘“, erzählt Petzner.

Auch fürs Partei-Innenleben ist die Führungsfigur bedeutend. „Die FPÖ ist seit Jahrzehnten gewöhnt und darauf gedrillt, eine starke Führungspersönlichkeit an der Spitze zu haben“, meint Petzner. Daher sei klar: „Die Doppelspitze ist ein Fehler. Je eher man sie abschafft, umso besser für die FPÖ.“

Bei Oppositionsparteien müsse Klubspitze und Parteiführung in einer Hand sein.

„Wenn die FPÖ wieder reüssieren will, muss sie sich auf eine Führungspersönlichkeit einigen“

Stefan Petzner | ehemaliger Haider-Stratege

Tatsächlich gibt es derzeit zwei Machtzentren: Norbert Hofer, den Parteichef, und Herbert Kickl, den Klubchef. Beide können auf finanzielle Ressourcen zugreifen, und auf politische: auf die Akademie der eine, auf den Klub der andere.

Petzner: „Wenn die FPÖ wieder reüssieren will, muss sie sich auf eine Führungspersönlichkeit einigen.“

Phase für Kickl

Wer das sein kann, darüber will Petzner nicht spekulieren. Von anderen Parteiinsidern hört man, dass Kickl in der jetzigen Phase durchaus der richtige Mann sein könnte: „Wenn die FPÖ klein war, war sie immer radikaler, härter. Das ist das richtige Programm, um den Parteikern zu festigen. Wenn man das gut macht, kann man damit 15 bis 17 Prozent erreichen.“

Je größer die FPÖ wurde, desto breiter und weicher habe sie sich aufgestellt, um Wählerschichten über die eigene Kernklientel hinaus anzusprechen.

Dazu würde die FPÖ – vielleicht nach der nächsten Nationalratswahl – wohl einen frischen Anführer brauchen. Als Zukunftshoffnungen der FPÖ gelten der Steirer Mario Kunasek oder der Niederösterreicher Udo Landbauer.

Mit einem frischen Anführer könnte sich wiederholen, was das blaue Urgestein Andreas Mölzer in einem Beitrag für das neue Politische Jahrbuch der ÖVP über die jüngere Geschichte der FPÖ geschrieben hat: „Schritt für Schritt vollzog der junge Parteichef Strache den Aufstieg der Haider-FPÖ aus den 90er-Jahren nach, gewann eine Nationalratswahl nach der anderen, um schließlich bei der Nationalratswahl 2017 mit 26 Prozent nahezu das gleiche Ergebnis zu erzielen wie Haider 1999. Strache – als zu Beginn seiner Karriere weithin unterschätzter Epigone Haiders – schaffte, was dem Bärentaler nicht vergönnt war: als Vizekanzler in eine Bundesregierung einzutreten.“

Dann kam Ibiza – und die FPÖ steht wieder am Anfang.

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