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Chronik Niederösterreich
05/15/2020

FPÖ-Mann Höbart: "Wurde Stück für Stück aufs Abstellgleis gestellt"

Verfehlungen seiner alten Partei hätten den nö. Politiker zum Wechsel ins Team Strache bewogen. Die beiden stehen sich nahe - und haben Pläne.

von Katharina Zach

Die Überaschung war perfekt. Ohne Vorankündigung wurde der ehemalige nö. FPÖ-Nationalratsabgeordnete Christian Höbart bei der Vorstellung von Ex-FPÖ-Chef Heinz Christian Strache als Spitzenkandidat des "Team Strache" in den Wiener Sofiensälen als Mitstreiter der neuen Bewegung präsentiert.

Das sei so gewollt gewesen, erzählt Höbart nun dem KURIER. Die eigene Landespartei war überrumpelt und erklärte sofort, dass der Guntramsdorfer nun kein FPÖ-Mitglied mehr sei.

Nach mehr als 15 Jahren bei der Partei ist das für Höbart nun kein Verlust. Mit der FPÖ hat er in den vergangenen Monaten innerlich zunehmend gebrochen. Und vor zwei Wochen habe er "nach vielen, vielen Nadelstichen" endgültig die Entscheidung zum Wechseln getroffen. "Es war eine gewachsene Enttäuschung", sagt er.

Team Strache will nach NÖ

Als neuer Generalsekretär und Teamverantwortlicher für NÖ soll der Guntramsdorfer nun das "Team Strache" im Wiener Umland etablieren. Die ersten Mitstreiter hat er aus dem Gemeinderat seiner Heimatgemeinde mitgenommen: Die FPÖ-Mandatare Stefan Berndorfer und Nicole Geiger verließen ebenfalls die FPÖ. Schon nächste Woche soll es Gespräche mit weiteren unzufriedenen Blauen geben.

Doch was bewegte den einst überzeugten FPÖ-Politiker zu dem Schritt?

Es seien die Vorgänge und Entwicklungen innerhalb der FPÖ in den vergangenen Jahren gewesen, die ihn enttäuscht haben, erzählt Höbart. Zum einen sei da die Sache mit seinem Parteifreund Strache gewesen. Nach der Causa Ibiza habe der ehemalige Bundesparteiobmann die Konsequenzen gezogen. "Was mir gegen den Strich gegangen ist, ist der Umgang danach mit ihm."

Wir erinnern uns: Strache trat als Vizekanzler und Parteichef zurück, die schwarz-blaue Regierung zerbrach, schließlich wurde er aus der Partei ausgeschlossen.

"Und danach hat sich die FPÖ angebiedert an die ÖVP", meint Höbart.

"Partei hatte kein Interesse"

Doch wenn er ehrlich ist, beginnt die Enttäuschung bei ihm schon viel früher - und ist viel persönlicher. 2018 warf Höbart als geschäftsführender Landesparteiobmann der nö. Freiheitlichen das Handtuch. Er war bei der Wahl des Landesparteichef-Stellvertreters nicht zum Zug gekommen. "Er hatte das Vertrauen der Basis verloren", heißt es dazu aus der NÖ Landespartei. Dass er das persönlich genommen habe, glaubt man auch dort. 2019 verlor er sein Nationalratsmandat, zuletzt saß er für die FPÖ in Guntramsdorf im Gemeinderat.

Nun meint Höbart: "Man hat in der Partei kein Interesse an einer langjährig wahlkämpfenden Persönlichkeit." Stück für Stück habe man ihn aufs Abstellgleis geschoben. Dazu seien Wortbrüche seiner alten Partei gekommen.

"Dabei habe ich heuer noch die Gemeinderatswahl geschlagen, wieder mit einem der besten Ergebnisse in Niederösterreich", erzählt er. Tatsächlich konnte die FPÖ keine starken Zuwächse verzeichnen, aber immerhin ihre fünf Mandate halten. Was auffiel: Schon heuer trat Höbart mit seinen Parteikollegen als Liste "Freiheitliche und Unabhängige" in Guntramsdorf an, er setzte auf einen Persönlichkeitswahlkampf rund um ihn als Spitzenkandidat.

Strache hat sich "gekümmert"

Dass er auch sein Mandat im Nationalrat verloren hat, muss ihn ebenfalls geschmerzt haben. War er 2017 noch auf Platz 3 gereiht ("Mit den meisten Vorzugsstimmen in Niederösterreich"), war es zuletzt der unwählbare Platz 9. "Die Partei ist nicht im Stande, Personalentwicklung zu betreiben", meint er.

Wer immer den Kontakt zu Höbart hielt, war Strache. Auch Höbart lud den da bereits geschassten Ex-Parteichef vor der Gemeinderatswahl mehrfach ein. Die beiden Politiker verbindet eine langjährige Freundschaft. "Er hat sich gekümmert, wie er das immer gemacht hat", sagt der Niederösterreicher nun. Zuletzt habe Strache im frühen Frühjahr bei Höbart "angeklopft", vor zwei Wochen habe seine Entscheidung, die FPÖ zu verlassen, dann festgestanden.

Die beiden passen gut zusammen. Auch Höbert ist als blauer Hardliner umstritten. 2014 bezeichnete er demonstrierende Asylwerber in einem Social-Media-Posting als "Erd- und Höhlenmenschen". Später stufte er die Aussage als möglicherweise überzeichnet ein. Im Augsut 2018 hielt er drei Asylwerber als vermeintliche Ladendiebe in einem Supermarkt fest. Die Polizei konnte keinen Diebstahl feststellen. Dennoch rühmte sich Höbart auf Facebook für seine Zivilcourage.

 

 

 

 

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