© APA/ROLAND SCHLAGER

Politik Inland
05/04/2020

Strache bedauert Rücktritt als FP-Chef

Ein Jahr nach Ibiza. Der Ex-FPÖ-Chef will Wiener Bürgermeister werden. Gegenüber dem KURIER resümiert er das letzte Jahr.

von Birgit Seiser, Raffaela Lindorfer

Er ist zurück auf dem Politparkett: Heinz-Christian Strache, Ex-Vizekanzler und -FPÖ-Chef, Verursacher von einem der größten politischen Skandale in der Zweiten Republik. Am Donnerstag verkündete er, dass er bei der Wien-Wahl im Herbst als Bürgermeisterkandidat antritt. Vehikel ist die dafür extra gegründete Partei DAÖ (Die Allianz für Österreich).

Just an dem Tag veröffentlichte der Standard einen Fund der Ermittler. Strache hat Dossiers, gespickt mit Theorien und Gerüchten rund um das Ibiza-Video. Auf einer Grafik sind vermeintliche Drahtzieher abgebildet: die VP-Niederösterreich, die Israelitische Kultusgemeinde und die Freimaurer. Sein Anwalt sagt, er habe sie zugespielt bekommen und die Unterlagen nicht bewertet. Bekannt ist aber, dass der Ex-FPÖ-Chef auf eigene Faust versucht hat, den Hintermännern des Videos auf die Spur zu kommen.

Das ist für ihn in der Causa der entscheidende Punkt: Er sieht sich als Opfer einer "illegalen Falle und Bespitzelung", Opfer einer Polit-Intrige, seiner ehemaligen Parteifreunde, der Medien.

"PR-Super-GAU"

Das Ibiza-Video ist vor fast einem Jahr veröffentlicht worden. Dem KURIER erzählt er, wie sein Jahr war, blickt zurück und nach vorne.

"Von der Optik her war das Video natürlich ein PR-Super-GAU. Würde ich das Gesagte teilweise zurücknehmen? Natürlich. Aber stellen Sie sich einmal vor, man würde Sie bei jedem privaten Zusammensein im Urlaub über sieben Stunden aufnehmen. Würden Sie da alles auf Punkt und Beistrich so stehen lassen? Sicher nicht", sagt Strache.

Als das Video am Freitagabend, 17. Mai 2019 veröffentlicht wurde, sei das ein Schock gewesen. Nicht nur wegen seiner Karriere. Auch die Sorge, dass auch seine Familie „bespitzelt“ worden sein könnte, habe ihm Angst gemacht.

Strache trat am Tag danach als Vizekanzler zurück. Das würde er heute wieder tun. Aber: "Der Rücktritt als Parteichef war ein Fehler", sagt er. "Ich habe einerseits unterschätzt, wie sehr ehemalige Mitstreiter diese Situation aus Selbstherrlichkeit und Eigeninteressen ausnutzen wollten, und andererseits den machiavellistischen Wunsch nach der Macht von Sebastian Kurz und seiner ÖVP."

Auf die Türkisen ist der Wiener Bürgermeisterkandidat prinzipiell nicht gut zu sprechen. "Eine funktionierende und gut arbeitende Regierung musste dem Wunsch nach einer türkisen Alleinregierung Platz machen. Und mit den Grünen ist das ja jetzt gelungen und gelingt offensichtlich weiter", sagt er – der Unterton ist zynisch.

"Wie Phönix …"

Das Ibiza-Video war aber nur der Anfang vom Ende: Er verzichtete auf ein EU-Mandat in dem Glauben, in Österreich wieder an die Spitze "seiner FPÖ" zurückkehren zu können. Ein Irrtum.

Es folgten Vorwürfe, unrechtmäßig Spesen verrechnet zu haben. Später gab es Berichte über Geldkoffer, die er als Bestechung von russischen Oligarchen erhalten haben soll. Und auch seine Frau Philippa rückte in den Fokus. Die FPÖ wollte ihren Einzug ins Parlament verhindern, mittlerweile sitzt sie als "wilde Abgeordnete" im Hohen Haus.

Und jetzt? Lebt es sich mit ruiniertem Ruf tatsächlich gänzlich ungeniert? Woher kommt die Motivation, sich die Politik noch einmal anzutun? "Viele Bürger haben mir die letzten Monate Mut zugesprochen und mich ersucht, mich gegen solche hinterhältigen Aktionen zu wehren, ein politisches Comeback in Angriff zu nehmen und wie Phönix aus der Asche zu steigen." In Wien strebt er mit einer "modernen, rot-weiß-roten Bürgerbewegung" ein zweistelliges Ergebnis an.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.