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Politik Inland
02/18/2019

Grüne Querschüsse gegen die Kandidatur von Sarah Wiener

Politisch engagiert war sie immer, jetzt wagt sie sich an die Front. Alt-Grünen gefällt das nicht: "Mehr Inhalt, weniger Show."

von Raffaela Lindorfer, Paul Maier

„Zuerst kommt das Fressen, und dann alles andere.“

Sarah Wiener sagte diesen bemerkenswerten Satz nicht als Star-Köchin; sie sagte ihn, als sie am Sonntag bekannt gab, dass sie für die Grünen bei der EU-Wahl kandidieren will. „Flüchtlingskrisen und Banken“ sind insofern nachgelagerte Themen, denn: „Ohne Ernährung ist alles nichts.“

Der erste, der diese Ansage – und Wieners Kandidatur für Platz zwei ganz generell – hinterfragt hat, war tags darauf Martin Margulies, grünes Urgestein und dritter Landtagspräsident in Wien. Er plädierte in einem Facebook-Posting für „weniger Show und mehr Inhalt“.

Eine Partei, so Margulies, die bei der EU-Wahl mit fünf oder sechs Mandaten rechnen darf, könne sich so einen Schwerpunkt leisten; für die Grünen aber seien höchstens zwei drin. Drei Mandate – wie nach der Wahl 2014 – wären „ein Wunder“.

"Volle Unterstützung"

In der Partei ist man bemüht, Margulies’ öffentlich kundgetanen Unmut als Einzelmeinung darzustellen. Sarah Wiener habe die Unterstützung des gesamten Bundesvorstandes, sie stehe für die versprochene „Öffnung der Partei“, sagt Parteichef Werner Kogler, der als Spitzenkandidat antritt. Mit den Grünen ist sie in puncto Klimaschutz und Nachhaltigkeit auf einer Wellenlänge.

Sie engagiert sich aber für artgemäße Tierzucht und die Agrarwende. ÖVP-Ministerin Elisabeth Köstinger lud sie schon als Rednerin zu einem informellen Treffen der Agrar-Minister.

Auch Koglers Stellvertreterin Nina Tomaselli streut ihr Rosen: „Sie ist eine unglaublich politische Frau, hat immer wieder bewiesen, dass sie einen kritischen Blick auf die Welt und keine Scheu hat, das auch klar auszusprechen.“

Beim Bundeskongress bewirbt sich Wiener um Platz zwei, den aber auch die amtierende EU-Mandatarin Monika Vana ins Auge gefasst hat. Ob Vana es auf eine Kampfabstimmung gegen die Kogler-Favoritin ankommen lässt, ist fraglich.

Sozialhilfe und keine Ausbildung

Ehrgeiz und Steherqualität der 56-Jährigen sind unbestritten – dafür muss man nur ihre Vita überfliegen: In Wien aufgewachsen, ist sie mit 17 Jahren aus dem Internat ausgebüxt, trampte durch Europa, schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch, lebte kurzfristig von Sozialhilfe, hat weder Schulabschluss noch Berufsausbildung.

Heute lebt sie in Berlin, hat drei Restaurants und ein Catering-Unternehmen, veröffentlichte zig Bücher und setzte sich als Fernsehköchin in einer Männerdomäne durch.

"Wer Fleisch isst, muss Tiere töten"

In den Negativschlagzeilen landete sie, als ihr Mercedes Benz 2014 wegen Verstößen gegen „soziale Grundsätze“ den Vertrag für zwei Lokale kündigte (lesen Sie hier). Der Bruch basierte auf dem Vorwurf, sie hätte ihre Mitarbeiter länger als zehn Stunden pro Tag arbeiten lassen. Wiener weist die Schuld von sich und macht ihren ehemaligen Küchenchef für die Missstände verantwortlich.

Unvergessen ist ihre TV-Sendung "Sarah Wiener und die Küchenkinder", bei der sie Kinder beim Schlachten helfen ließ. „Wer Fleisch isst, muss Tiere töten“, erklärte sie da.

Die Kinder beobachteten, wie die Kaninchen mit Elektroschocks betäubt und anschließend mit einem Kehlenschnitt getötet wurden. Im Anschluss halfen sie beim Häuten und Ausnehmen der Tiere. Wiener verteidigte ihren Auftritt: „Jemand, der Fleisch isst, sollte wissen, dass Fleisch nicht auf dem Baum wächst. Hinter jedem Schnitzel steht ein Tier, das gelebt hat.“

In der ORF-Sendung "Die kulinarische Welt der Sarah Wiener in Österreich" hat sie unter anderem eine Moorhuhn-Jagd begleitet, was sie als "Highlight" der Serie bezeichnete.

Im Vorjahr war Sarah Wiener in der ORF-Sendung „Willkommen Österreich“ zu Gast. Auf die Frage von Moderator Christoph Grissemann, ob Zucker tatsächlich schlimmer als Heroin sei, antwortete sie: „Das kann ich stützen.“ Ob man mit Heroin auch backen könne, hat Wiener allerdings nicht beantwortet.

Zuletzt sorgte Sarah Wiener bei veganen Facebook-Nutzern für Aufsehen, als sie industrielle Mandelmilch kritisierte (lesen Sie hier). Diese enthalte „nur zwei Prozent Mandeln, dafür aber Stabilisatoren und Emulgatoren, damit sich Wasser und Fett nicht trennen“, erklärte sie in einem Facebook-Post. Veganer waren erbost und warfen ihr vor, die negativen Auswirkungen von Kuhmilch herunterzuspielen.

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