Politik | Inland
29.05.2018

Gesundheits-Think Tank will es mit Ländern aufnehmen

Der neue Think Tank "Austrian Health Academy" will mit objektiver Forschung gegen den Föderalismus im Spitalsbereich vorgehen

Intensiv wurde in den vergangenen Wochen über die Zusammenlegung der Sozialversicherungen von 21 auf fünf diskutiert. Eine Milliarde Euro will Türkis-Blau bis 2023 einsparen. Dass aber vor allem die Spitäler der größte Brocken im Gesundheitssystem sind, ist dabei kein Geheimnis.

Hohe Ausgaben für Krankenanstalten sind per se nichts schlechtes, dennoch ortet der neue Think Tank „Austrian Health Academy“ hier hohes Reformpotenzial. Am Dienstag präsentierte man sich nun erstmals der Öffentlichkeit.

Als Präsident der Denkfabrik fungiert Nationalbankpräsident Claus Raidl, Obmann ist der Immobilienunternehmer Michael Kraus. „Österreichs System ist nicht krank oder kaputt, aber verbesserungswürdig“, so Kraus. Vor allem Partikularinteressen, etwa der Kammern oder Länder, würden derzeit Reformen behindern. Dem will man nun mit unabhängiger und objektiver Forschung entgegentreten.

Zu wenig Ausgaben für Haus- und Fachärzte

„Es fehlen rationale Lösungen bei denen der Patient im Mittelpunkt steht“, so Raidl, der vor allem den Föderalismus im Spitalsbereich kritisiert. Auch wenn es ein Tabuthema sei, führe an einer bundeseinheitlichen Spitalsplanung kein Weg vorbei. Aktuell würden neun unterschiedliche Stellen im jeweiligen Land am eigenen Optimum arbeiten. „Daraus ergibt sich gesamtstaatlich ein Suboptimum“, so Raidl.

Die Ökonomin Maria Hofmarcher fordert vor allem einen Ausbau der Primärversorgung, zu viele Patienten würden stationär behandelt. Österreich gebe im EU-Vergleich sehr wenig für Haus- und Fachärzte aus. Auch bei der Behandlung chronischer Erkrankungen müsse mehr getan werden als bisher, so Hofmarcher.

Patienteninteressen vertreten

Die Austrian Health Academy wolle in Zukunft vor allem den engen Kontakt zu den Patientinnen und Patienten suchen. „Wenn wir mit unseren Ideen die Wähler ansprechen, dann muss auch die Politik reagieren. Das ist unser Ziel“, so Kraus.

Zur Zusammenlegung der Sozialversicherungen gebe es noch keine einheitliche Position der Denkfabrik. Der ÖVP-nahe Raidl sieht darin aber einen „absolut richtigen Schritt“. Allerdings nur, wenn bei der neuen Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) nicht wieder die Partikularinteressen der Länder eingebaut werden. Hofmarcher vermisst indes in der aktuellen Debatte den Fokus auf die tatsächlichen Versorgungsziele.

Die Finanzierung der Denkfabrik erfolgt privat, nach Vorbild des neoliberalen Think Tanks "Agenda Austria". So wolle man auf ein jährliches Budget von zwei Millionen Euro kommen, sagt Obmann Kraus.