Theresianum), Kindergarten

© Kurier / Juerg Christandl

Politik Inland
01/12/2022

Gelder für Kindergärten werden "im Blindflug" neu verhandelt

Bund und Länder müssen die Zuschüsse für Lehrinhalte für die Jüngsten neu verhandeln – ohne genau zu wissen, ob in den Vorjahren die Ziele erreicht wurden. Einheitliche Qualitätskriterien sind bereits angedacht.

von Elisabeth Hofer, Bernhard Gaul

Heuer müssen Bund und Länder sich wieder auf die Verteilung von Geldern für die Lehrpläne der Jüngsten in den kommenden Jahren einigen. Allerdings: Wie viel die Länder vom Bundeszuschuss seit dem Kindergartenjahr 2018/19 verbraucht haben, und wofür genau, wird erst Ende 2022 evaluiert, teilt das Bildungsministerium in einer aktuellen Anfragebeantwortung mit. Dann sollte die neue Vereinbarung zwischen Bund und Ländern aber schon stehen. Einen „Nebelritt“ nennen das die Neos. Weder für den Blick zurück noch für den Blick nach vorn herrsche klare Sicht. 

Auch Natascha Taslimi vom „Netzwerk elementare Bildung Österreich“ hält fest: „Bei der Auszahlung der Mittel ist man derzeit offenbar im Blindflug unterwegs.“

Im Bildungsministerium sieht man das anders. Obwohl die Endabrechnung noch aussteht, habe man einen „angemessenen Einblick“ in die Verwendung der Zuschüsse. „Durch die Einsichtnahme in die Abrechnungen und die unangekündigten Hospitationen kann der Einsatz der budgetären Mittel finanztechnisch und qualitativ nachvollzogen werden“. Zu detaillierteren Fragen wird in der Anfragebeantwortung aber festgehalten, es lägen noch keine entsprechenden Daten vor.

Nicht bekannt ist etwa, warum Tirol im Jahr 2018/19 nur rund die Hälfte des Bundeszuschusses konsumiert hat. Dieser kann zwar ins nächste Jahr mitgenommen werden, dennoch findet Taslimi das bezeichnend: „Ich habe den Eindruck, man weiß oft gar nicht, was man mit dem Geld tun soll, weil es zu wenig Verständnis dafür gibt, was Elementarpädagogik alles tun kann“, sagt sie.

Überall verschieden

Vieles offen sei darüber hinaus bei der Verwendung von Geldern für die Sprachförderung. Bei den Sprachstandsfeststellungen (BESK kompakt und BESK DAZ kompakt) sollte es in ganz Österreich ausreichend Fortbildungsmöglichkeiten geben und Elementarpädagoginnen genug Zeit zur Verfügung stehen, diese zu besuchen und sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen, sagt sie. Derzeit sind die Schulungsinhalte und die dafür zugeschossenen Gelder aber von Land zu Land unterschiedlich. Und: „Aus der Praxis wissen wir, dassdie Sprachstandsfeststellung gemacht wird, weil sie gemacht werden muss, aber viele Elementarpädagoginnen fühlen sich überfordert, weil die Gruppen einfach zu groß sind.“

Darum tritt die Expertin dafür ein, dass Bund und Länder im Rahmen der neuen Vereinbarung Mindestqualitätsstandards festlegen. „Wenn pro Gruppe weniger Kinder betreut werden müssten, bräuchte man nicht neun unterschiedliche Konzepte für die Sprachförderung. Die Pädagoginnen haben das ja gelernt, sie können es nur nicht anwenden, weil sie sich um zu viele Kinder kümmern müssen“, sagt Taslimi.

Die Einführung von einheitlichen Qualitätsmindeststandards sei angedacht, heißt es aus dem Bildungsministerium. Auch eine Zusammenführung der Sprachförderkonzepte der neun Bundesländer sowie mehr Plätze für unter Dreijährige stünden auf der Agenda.

Bildungsforscherin Barbara Herzog-Punzenberger von der Uni Innsbruck fasst das Problem so zusammen: Zu oft kämen Frauen in prekäre Situationen, weil sie keinen Kindergartenplatz für ihr Kind bekommen. Fehlende Kinderbetreuung sei einer der Hauptgründe für Abwanderung vom Land in die Städte. Viele Schließtage in Schulferien seien ein weiteres großes Problem, ebenso die fehlende Kompetenz der Pädagoginnen, mit der Mehrsprachigkeit der Kinder und deren Familien umzugehen.

Und es gehe darum, zu verhindern, dass – wie es der nationale Bildungsbericht beschreibt – bei der Schuleinschreibung die Kinder einen Leistungsunterschied von dreieinhalb Jahren haben. „All das könnte durch einen hochqualitativen Kindergarten verhindert werden.“

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