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Politik Inland
05/25/2019

Österreichs Berufsdetektive zum Ibiza-Video: "Das waren keine Profis"

In Österreich müssen sie Prüfung ablegen und Gewerbeschein lösen. Eine Video-Falle wie in Ibiza ist ein No-Go.

von Kid Möchel

„Zwei Personen in eine Video-Falle zu locken, das macht ein ordentlicher Detektiv nicht, denn dabei geht es nur darum, Personen zu ruinieren“, sagt Robert Goliasch, Obmann der Wiener Berufsdetektive und Sicherheitstechniker zum KURIER. „Es gibt für diese Aufnahmen keine rechtliche Grundlage. So etwas würden wir nie machen.“ Denn: Grundlage der Detektivarbeit in Österreich ist das „berechtigte Interesse“. Und ohne dieses kommt jeder Detektiv rechtlich in Teufels Küche. Ein solches Interesse müssen ihre Kunden haben, damit sie Aufträge annehmen. So zum Beispiel ein Firmenchef, der einen Mitarbeiter des Diebstahls oder der Unterschlagung verdächtigt; ein Unternehmen, dem Daten und Datenträger abhandenkommen; oder ein Ehepaar, das um die Obsorge der Kinder streitet.

Die Videofalle, in die Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus getappt sind, hat angeblich der Detektiv Julian H. aufgebaut. H. hat keine Zulassung in Österreich, sondern operierte von München aus. In Deutschland kann sich jeder Detektiv nennen, da es sich dort um ein freies Gewerbe handelt. Unter Berufsdetektiven gilt H. als „schwarzes Schaf“.

Viel Rechtskunde

In Österreich gibt es etwa 250 Berufsdetektive, davon 100 in Wien. Seriöse Detekteien bilden ihre Mitarbeiter umfassend aus. Diese müssen am Ende eine Befähigungsprüfung ablegen, um einen Gewerbeschein zu erlangen.

Geprüft werden unter anderem Rechtskunde und Kriminologie. Mit Detektiven aus den diversen TV-Serien und Filmen hat die Realität hierzulande wenig zu tun.

„Es ist auch für jeden seriösen Detektiv eine Gratwanderung, weil sich die Fälle um Informationen drehen, die man nicht so leicht bekommt, wie es sich die Leute vorstellen“, sagt Goliasch. „Es tun sich viele Kollegen schwer, dem Kunden zu sagen, bis dahin können wir gehen und nicht weiter. Aber dieses Nein ist ganz wichtig.“ Heute arbeiten private Schnüffler in Österreich vorwiegend als Kaufhausdetektive, Personenschützer, Sicherheitsberater und als Betrugsermittler für Versicherungen. Sie werden von Unternehmen auch in Sachen Diebstahl durch Mitarbeiter und bei der Bekämpfung von Betriebsspionage eingesetzt.

Hans Schaffer, ein Ex-Chefinspektor des Sicherheitsbüros, ist in Österreich die erste Adresse, wenn es um die Bekämpfung des illegalen Glücksspiels geht. Seine Truppe führt oft wochenlang Observationen durch.

Wanzen aufspüren

IT-Gurus wie der Wiener Detektiv Markus Schwaiger, ein studierter Elektrotechniker und Informatiker, durchforsten als digitale Ermittler für Kunden Computernetzwerke auf der Suche nach Straftaten und IT-Tätern. Basis muss auch hier ein konkreter Verdacht sein. Schwaiger ist aber auch ein Top-Spezialist in Sachen Abhörsicherheit. Er ist Experte für das Aufspüren versteckter Wanzen.

Indes sind die Zeiten, in denen vor allem Scheidungsfälle Detektiven lukrative Einnahmen bescherten, längst vorbei. „Seitdem der Ehebruch nicht mehr strafbar ist, sind diese Aufträge drastisch zurückgegangen“, sagt Goliasch. Schwaiger sagt zum KURIER: „Heute werden wir nur noch in Obsorgefällen und bei Unterhaltsstreitfällen engagiert.“ Gängig ist auch, dass sich Detektive als Paketzusteller, Handwerker, Mitarbeiter eines Umfrageinstituts oder Tierschützer ausgeben, um an Informationen über ihre Zielpersonen zu gelangen. Dafür ist Schauspieltalent und eine Garderobe nötig. In der Fachsprache nennt man diese Verkleidung „Legende“.

Schauspiel und Legende

„Eine Legende zu verwenden, das ist nicht verboten. Man darf sich aber nicht als eine tatsächlich existierende Person ausgeben, ohne deren Einverständnis“, sagt Goliasch. Verboten ist auch eine Amtsanmaßung. Das heißt, der Privatermittler darf sich nicht als Polizist oder Finanzbeamter ausgeben.

Wenn es zum Beispiel um eine Unterschlagung in einem Betrieb geht, dann schleusen Detektive oft einen Kollegen ein, um Beweismaterial zu sichern. „Wir müssen aber zuerst überprüfen, ob der Firmenchef, der uns beauftragt, auch ein reelles und berechtigtes Interesse hat“, sagt Goliasch. „Wenn ich merke, der will den Mitarbeiter nur loswerden, weil er zu alt und zu teuer ist, wird der Auftrag nicht angenommen.“

Zum Ibiza-Video sagt Markus Schwaiger: „Das waren keine Profis, es wurden billigste Kameras eingesetzt. Diese kosten weniger als 100 Euro.“ (siehe auch S. 6-7)