© Michaela Reibenwein

Politik Inland
05/22/2019

Strache-Video: Der Schnüffler, der auf Ibiza Regie führte

Das Skandal-Video über die zwei FPÖ-Granden soll bereits im Jänner 2019 mehreren Medien zum Kauf angeboten worden sein. Und andere neue Details.

von Kid Möchel, Birgit Seiser, Michaela Reibenwein, Jürgen Zahrl

Der Wiener Rechtsanwalt M. ist offenbar auf Tauchstation gegangen. Er hat nicht nur seinen Twitter-Account gelöscht, sondern soll laut seiner Sekretärin auch am Mittwoch seiner Kanzlei in der Wiener Singerstraße fern geblieben sein. Dabei soll M. laut Gudenus eine zentrale Rolle bei der Anbahnung der „Ibiza-Causa“ gespielt haben.

Johann Gudenus zog einen Schlussstrich

Ein Waldverkauf?

Denn der Anwalt mit iranischen Wurzeln soll, wie der KURIER berichtete, den lettisch-russischen Lockvogel, den Detektiv Julian Thaler und den FPÖ-Funktionär Johann Gudenus an einen Tisch gebracht haben; unter dem Vorwand, die angebliche Oligarchen-Nichte aus Lettland wolle von der Familie Gudenus ein Waldstück bzw. eine Jagd im Waldviertel kaufen.

Das wird zwar von Einheimischen und Nachbarn von Gudenus in Zweifel gezogen. Etwaige potenzielle Käufer wären aufgefallen – seien es aber nicht, heißt es dort.

"Das ist Blödsinn"

„Das ist ein Blödsinn, die Lettin war nicht im Haus, sondern am Grundstück“, sagt Gudenus zum KURIER. „Wie wollen die denn beurteilen, wen ich auf das Grundstück führe?“ Mehr will er nicht dazu sagen, es handle sich um eine Privatsache. Gudenus selbst ist mittlerweile gar nicht mehr redselig.

Dubiose Figuren

Zurück zum Anwalt: Auf Ibiza war der Advokat laut Gudenus nicht dabei, aber offenbar der Mittelsmann der Pseudo-Oligarchin, sprich der Detektiv Julian Thaler. Er kommt auch am Rande in dem brisanten Video vor.

Dazu muss man wissen, dass das Ibiza-Video bereits im Jänner 2019 verschiedenen Medien in Deutschland angeboten wurde, doch damals sollen die „Verkäufer“ noch ordentlich Geld dafür verlangt haben.

Dicke Spur zu Anwalt in München

Wer ist nun dieser ominöse Detektiv Julian Thaler? Er heißt eigentlich Julian H. Laut Bundesamt für Verfassungschutz (BVT) trug Julian H. bei der Geburt aber einen anderen Namen. Laut BVT spricht er drei Sprachen Deutsch, Französisch und Englisch. Es gibt bei ihm auch eine Spur nach Luxemburg, wo seine Mutter wohnen soll. Das BVT vermutet, dass er im Jahr 2016 in Luxemburg wohnhaft war.

Laut Firmenbuch unterhält Julian H. in München eine Sicherheitsberatungsfirma Konsic GmbH, die er im März 2015 gegründet hat. Die Homepage ist offline, der Telefonanschluss führt mittlerweile zu einer Münchner Anwaltskanzlei.

Als der KURIER nach der Firma Konsic nachfragt, sagt Anwalt G: "Das ist ein netter Versuch, hier Informationen von mir heraußzufinden zu wollen. Schönen Gruß nach Wien. Die Telefonnummer ist auf mich umgeleitet. Ich kann ihnen leider nicht weiterhelfen, das tut mir leid." Anwalt G. will man die Detektei Konsic GmbH nichts zu tun haben, die er laut dem Mitinhaber Sascha Wandl sogar mitbegründet haben soll, nicht kennen.

Detektiv wohnt in Wien

Die Schnüffelgeschäfte in München dürften nicht  rosig gelaufen sein. Im Geschäftsjahr 2017 betrug der „nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag“ laut Creditreform 97.494 Euro, die Schulden  163.864 Euro.

Julian H. wohnt offiziell in Wien-Neubau, einen österreichischen Gewerbeschein für eine Detektei hat er laut Wirtschaftskammer aber nicht. Laut dem EU-Infothek-Betreiber Gert Schmidt, der als erster über den fragwürdigen Detektiv  berichtet hat, soll der Name von  Julian H. auch in einem mutmaßlichen  Industrie-Spionagefall  auftauchen.

Alte Rechnungen offen

So wie auch der Name seines mutmaßlichen ehemaligen Kompagnons, einem Detektiv aus Niederösterreich. Sascha Wandl erklärt, er sei es gewesen, der Julian H. in Sachen Betriebsspionage ausgebildet hat. 2016 sollen sich die Wege allerdings getrennt haben. Nicht im Guten – deshalb dürfte Wandl ihn jetzt auch auf den Markt werfen. Julian H. war laut Aktenblage bei der Firma "Die Gruppe Sicherheit GmbH" (2013/14) angestellt.

Beide Sicherheitsfirmen von Wandl, "Die Gruppe Sicherheit GmbH" und die "Gruppe für mehr Sicherheit Gesellschaft m.b.H." wurden 2012 bzw 2016 aber wegen Vermögenslosigkeit gelöscht, gegen Wandl selbst wurden 2016 zwei Mal Privatkonkurse beantragt, aber mangels Vermögens konnte damals kein Verfahren eröffnet werden.

Zurück zum Video

Zu einem möglichen Motiv sagt Wandl: Es gehe um Geld und Politik. Und er bringt auch einen aktiven Wiener FPÖ-Politiker ins Spiel, der mit dem Anwalt und dem Detektiv Julian H. befreundet sein soll.  Es soll sich um einen ehemaligen Strache-Weggefährten handeln, der heute allerdings nicht mehr gut auf ihn zu sprechen ist.

Wandl und Detektiv Julian H. werden sich übrigens Ende Juni wieder treffen – im Landesgericht Krems. Dort wird Wandl rund um einen österreichischen Betriebs-Spionagefall der Prozess gemacht. Julian H. ist in dem Verfahren als Zeuge geladen.