Autoren des Berichts: Andreas Mölzer, Christian Hafenecker, Wilhelm Brauneder, MIchael Wladika

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Politik Inland
08/06/2019

FPÖ-Bericht: "Seriöse Historiker müssten sich davon distanzieren"

Plagiatsforscher Stefan Weber und Autor Kurt Scholz kritisieren FPÖ-Historikerbericht.

von Johanna Hager

Die Kritik am FPÖ-Historikerbericht reißt nicht ab. Wurde vor der Veröffentlichung insbesondere die Nicht-Einbindung von wissenschaftlichen Instituten bemängelt, so werden jetzt die wissenschaftliche Güte und inhaltliche Qualität bezweifelt.

Was der Leiter der Kommission, der Dritte Nationalratspräsident Wilhelm Brauneder, für die Beurteilung der FPÖ heute als „historisch interessant, doch irrelevant“ hält (ob Anton Reinthaller, einer „der Parteigründer einen Ehrenrang“ bei den Nationalsozialisten hatte) das ist für Oliver Rathkolb „wissenschaftlich bedenklich“. Es sei widerlegt, dass Reinthaller bloß einen Ehrenrang hatte, so der Zeitgeschichteprofessor. Reinthaller sei „massiv in den Zwangsarbeitereinsatz involviert gewesen“.

„Reinwaschungsversuch“

Kurt Scholz, Wiens ehemaliger SPÖ-Stadtschulrat und späterer Sonderbeauftragter für Restitutions- und Zwangsarbeiterfragen schrieb „Eine Einführung. Vom VdU zu Erich Fried“ für die FPÖ-Historikerkommission. Weil er Brauneder als „Rechtshistoriker sehr schätzt“, wie er im KURIER-Interview sagt. Und, weil er die „historische Aufklärung für immanent wichtig hält“. Dass Reinthallers Rang „irrelevant“ sei, das kommt für Scholz einem „rückblickenden Reinwaschungsversuch gleich“, „sei komplett ineffizient und unangebracht“. Für Scholz, der für seine 16-seitige Einführung kein Honorar entgegennahm, weil er „auch seine Arbeit als Präsident des internationalen Forums Mauthausen ehrenamtlich“ mache, hätten alle Beiträge, alle „1100 Seiten von Beginn an online gestellt werden müssen“. Damit die internationale Wissenschaft sich mit diesen befassen kann.

Doch die FPÖ bedingt sich aus, dass israelische Wissenschafter Beiträge vor der Gesamtveröffentlichung überprüfen müssen. Dass das noch vor der Nationalratswahl geschehen wird, gilt als unwahrscheinlich.

Für Stefan Weber ist die 32-seitige „Zusammenfassung des Rohberichts“ der FPÖ-Historikerkommission eine „Textsorte, die nicht in die Kategorie Wissenschaft fällt, sondern in die Kategorie ,subjektive’ und ,ideologische’ Geschichtsschreibung“. Der Sachverständige für Plagiats- und allgemeine Qualitätsprüfung von wissenschaftlichen Texten attestiert auf KURIER-Nachfrage, dass der Bericht eine „Ansammlung von Meinungen“ ist. Dass die 16 angegebenen „Beiträger allesamt männlich“ sind, „15 davon gebürtige Österreicher oder in Österreich tätig“ und zudem ein Naheverhältnis zur FPÖ haben, respektive Parteimitglieder sind, ist laut Weber „in der Wissenschaft völlig unüblich.

Ein übliches Prozedere wäre, an die führenden internationalen, europäischen Fachgesellschaften für Geschichte heranzutreten“ und diese um die Nominierung von Experten zu bitten.

Unübliches Selbstlob

Weiter gehe aus dem Rohbericht nicht hervor, „was der Erkenntnisgewinn ist. Vielmehr wird der Eindruck erweckt, dass das Ergebnis schon im Vorhinein feststand“. Ähnliches befindet Politologe Thomas Hofer. Für ihn ähnelt der Bericht eher einer vom „Marketinggedanken getriebenen Pflichtübung“, die teilweise einen „parteipolitischen Spin“ aufweise. Gutachter Weber ortet in einem Teilbericht, in dem von einer „überzeugend“ und „wohlfundierten Studie“ die Rede ist, gar „Selbstlob: Ein in der Wissenschaft nicht übliches Stilmittel.“ Weber: „Jeder seriöse Historiker müsste sich davon distanzieren, dass das in den Rang der Wissenschaft gehoben wird.“

Mitarbeit: Diana Dauer