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Politik Inland
08/06/2019

Historikerbericht-Autor Scholz: "Reinwaschung ist unangebracht"

Der Ex-SPÖ-Stadtschulrat Kurt Scholz schrieb die Einführung für die FPÖ-Historikerkommission – und übt nun Kritik.

KURIER: Sie haben „Eine Einführung“ (Vom VdU zu Erich Fried) für die FPÖ-Historikerkommission verfasst. Wie kam es dazu?

Kurt Scholz: Prof. Brauneder ist vor 1,5 Jahren an mich herangetreten. Ich kenne ihn schon lange und schätze ihn als Rechtshistoriker. Ich habe den Beitrag vor 1,5 Jahren – spätestens im Mai –  abgegeben. Brauneder ist vom Verdacht des Antisemitismus turmhoch erhaben –  das ist ein Ehrenmann.

Was hat Sie zur Zusage bewogen?

Nochmals: Ich schätze Wilhelm Brauneder sehr und halte die historische Aufklärung für immanent wichtig. Mich persönlich hat interessiert, dass Strache im Mai vor dem Hrdlicka-Denkmal ein Erich Fried Gedicht zitiert hat. Das Gedicht eines linken Dichters.  Ich habe mir die Frage gestellt: Ist das Gesinnungswandel oder Charaktermaske? Meint es das ehrlich? Das würde mich interessieren.

 

Wurden Sie für Ihren Beitrag bezahlt?

Herr Professor Brauneder hat mich gefragt, ob ich ein Honorar in üblicher Höhe, Historiker-Honorare belaufen sich auf 200-400 Euro, haben möchte. Aber ich habe das angebotene Honorar selbstverständlich abgelehnt. Ich habe das ehrenamtlich gemacht. Wie ich auch meine Arbeit als Präsident des Internationalen Forums Mauthausen ehrenamtlich mache.

Was sagen Sie zum gestern vorgestellten Rohbericht?

So geht das nicht. Der Bericht gehört in vollständiger Form online gestellt! Die Vorgangsweise müsste sein: Alle 1100 Seiten von Beginn an online zustellen.  Man hätte alle Institute der Zeitgeschichte und die Forschungseinrichtungen in Österreich und auch international, in Israel und das Holocaust Museum in Washington einladen müssen, ihnen die Ergebnisse zugänglich machen und dann eine kritische Stellungsnahmen erbitten müssen.  Im Rahmen eines internationalen Kongresses hätten die Historiker dann ihre Ergebnisse präsentieren können. Diese hätten dann in einem weiteren Prozess bearbeitet werden müssen und nochmals zwei bis drei Jahre gedauert.

Haben Sie den fertigen Bericht gesehen?

Ich habe das Ergebnis nie gesehen und bin nie bei einer Sitzung der Kommission anwesend gewesen. Ich habe damals meinen, durchaus kritischen, Beitrag abgegeben und fertig. Auch Dr. Stefan Karner hat einen Beitrag abgeliefert. Ich kenne seinen Beitrag aber nicht. Dr. Michael Wladika, ein junger Historiker, der sehr exakt über Restitutionsfragen gearbeitet hat, hat auch einen Beitrag gemacht. Die Kritik jetzt habe ich nur den Medien entnommen

Für Kommissionsleiter Brauneder ist die SS-Vergangenheit von Anton Reinthaller „historisch interessant“ aber „irrelevant“.

So kann man nicht reden. Rückblickende Reinwaschungsversuche sind komplett ineffizient und unangebracht. 80 Jahre später eine Absolution zu erteilen – das geht nicht. Man muss sagen, was war. Dass es keine Bedeutung hat, ist unangebracht.

Von Diana Dauer