ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka und Marcus Franz

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Flüchtlinge
02/29/2016

Lopatka entschuldigt sich für Parteimitglied Franz

Der ÖVP-Mandatar sorgte mit einer provokanten "Theorie" zu Angela Merkel für Empörung.

Marcus Franz ist bekannt für seine streitbaren Aussagen im Netz und im Parlament. Im sich zuspitzenden Zwist zwischen Deutschland und Österreich hat sich der ÖVP-Abgeordnete mit einer provokanten "Theorie" zu Wort gemeldet: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hole deswegen so viele Flüchtlinge ins Land, weil sie damit ihre Kinderlosigkeit "wieder gut machen" wolle, schreibt er in einem aktuellen Blogeintrag. Von der SPÖ kamen fassungslose Reaktionen, die ÖVP hat sich von den Aussagen distanziert. "Es ist ein unrichtiger und unnötiger Beitrag des Abgeordneten", hielt eine Sprecherin auf APA-Anfrage fest.

Auch ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka bekam von der Franz'schen These Wind und entschuldigte sich beim EU-Ausschussvorsitzenden des Deutschen Bundestages Gunther Krichbaum, wie er auf Twitter mitteilte. Bereits vor zwei Wochen rügte Lopatka seinen VP-Kollegen für einen "entbehrlichen" Tweet über die Gebärdensprache, die er als "linguistische Prothese" bezeichnete.

Franz trat in dem auf der Plattform Fisch+Fleisch veröffentlichten Beitrag an, einen möglichen "ganz simplen tiefenpsychologischen Hintergrund" der Flüchtlingspolitik Merkels zu beleuchten. Er verweist auf die Kinderlosigkeit der deutschen Kanzlerin, wo doch "für das Fortbestehen einer Gesellschaft 2,1 Kinder pro Frau notwendig" sei.

"Selbstentlastung und Kompensation"

"Die Theorie lautet: Frau Merkel will als die metaphorische 'Mutti' des Staates das negative Faktum der nicht vorhandenen oder zu wenigen eigenen Kinder mit der Einbringung vieler, vieler junger Migranten wieder gut machen", so Franz wörtlich. Merkel schaffe dadurch "die Kompensation eines Mangels", die "nie geborenen eigenen Söhne werden dazu aus dem Orient geholt". Das "persönliche Motiv" der Kanzlerin sei nach dieser Theorie "Selbstentlastung und Kompensation" und die "Stillung des persönlichen Bedürfnisses nach Wiedergutmachung".

Die SPÖ reagierte am Montag empört. Die Aussagen seien "zutiefst sexistisch", so Frauensprecherin Gisela Wurm in einer Aussendung: "Frauen, die - aus welchen Gründen auch immer - keine Kinder haben, haben in den Augen des ÖVP-Abgeordneten offenbar einen Mangel und ein Defizit, das sie 'wiedergutmachen' müssen."

Vom Team Stronach zur ÖVP

Marcus Franz wechselte vergangenes Jahr vom Team Stronach in den schwarzen Klub. Äußerungen von ihm haben immer wieder für breite Empörung gesorgt - etwa, als er in der Debatte über die Strafbarkeit von sexueller Belästigung das sogenannte "Pograpschen" als zulässiges Anbahnungsinstrument für ernsthafte Beziehungen verteidigt hatte. Freiwillige Kinderlosigkeit hatte der Internist 2013 nach seiner Wahl in den Nationalrat als "amoralisch" bezeichnet.

Lopatka, der den Franz-Übergang zur ÖVP in die Wege leitete, betonte vor einem Jahr, dass er nicht zulassen möchte, "dass er [Franz] auf ein, zwei Aussagen reduziert wird".