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Politik Inland
04/21/2021

Väter wollen mehr Familienzeit, aber nicht mehr Hausarbeit

Der Wunsch nach mehr Zeit mit der Familie ist groß, der nach mehr Beteiligung im Haushalt schrumpft.

von Elisabeth Hofer

Zehn Jahre sind eine lange Zeit – auch oder vor allem, was Familienpolitik betrifft. Innerhalb dieser Zeit kann sich im Bezug auf Lebensformen, gesellschaftliche Rahmenbedingungen, Familien- und Rollenbilder so einiges verändern. Und – das sei an dieser Stelle vorausgeschickt – das hat es auch.

Was sich im Hinblick auf das Familienleben in Österreich seit dem Jahr 2009 konkret getan hat, das zeigt der österreichische Familienbericht, der alle zehn Jahre publiziert wird. Am Mittwoch wurde er von Familienministerin Susanne Raab (ÖVP) zusammen mit Wolfgang Mazal, dem Leiter des Österreichischen Instituts für Familienforschung, präsentiert.

Dabei lieferte die Ministerin eine knappe Zusammenfassung für das stolze 1.129 Seiten umfassende Papier: „Der Bericht zeigt, dass die Bedeutung von Familien gestiegen ist“, erklärte Raab. Deutlich wird das im Bericht etwa anhand der Frage „Inwieweit stimmen Sie der folgenden Aussage zu? Ich wünsche mir mehr Zeit für meine Familie“.

Was Väter wollen

Besonders unter den Vätern war die Zustimmung groß: Mehr als 60 Prozent der Väter mit schulpflichtigen Kindern wollten mehr Zeit mit ihrer Familie. Auch jede zweite Mutter mit einem schulpflichtigen Kind würde dies gerne tun.

Überraschend ist, dass bei konkreten Fragen, nämlich ob Väter einen größeren Teil an Kindererziehung und Hausarbeit übernehmen sollten, als sie es jetzt tun, die Zustimmung unter den rund 1.900 Befragten gegenüber dem letzten Bericht rückläufig ist. Die Väter wünschen sich also mehr Zeit mit der Familie, aber nicht mehr Beteiligung bei Kindererziehung und im Haushalt. Noch überraschender: Die Mütter beurteilen das ähnlich.

„Man kann das von zwei Seiten sehen“, sagt Mazal. „Entweder man sieht das als Anzeichen für eine erschreckende Retraditionalisierung, oder man interpretiert es dahingehend, dass sich Männer heute schon mehr beteiligen, der Wunsch danach also geringer ist als früher.“ Für zweitere These spreche, dass Männer sich heute öfter von Vereinbarungskonflikten betroffen sehen als früher. Generell ist laut Bericht die Zustimmung zur traditionellen Rollenteilung zurückgegangen.

Ende der Fahnenstange

Was Anreize für mehr Väter-Beteiligung in der Familie betrifft, habe man aus politischer und arbeitsrechtlicher Sicht bereits das „Ende der Fahnenstange“ erreicht, glaubt Mazal. Nun seien die Unternehmen gefordert, dies auch in ihrer Unternehmenskultur zu etablieren. Anders sah das die Volkshilfe in ihrer Reaktion auf den Bericht: Sie ortet mangelndes Engagement der Politik in Sachen Gleichstellungspolitik und zu wenig Anreize für die Väterkarenz.

Nicht zuletzt durch den Anstieg an höher gebildeten Frauen setzt sich übrigens der Trend zu einem höheren Alter der Mutter bei der Geburt des ersten Kindes fort. 2018 bekamen Frauen in Österreich ihr erstes Kind mit durchschnittlich 29,5 Jahren, ihr zweites mit 31,4 Jahren und ihr drittes Kind mit 32,9 Jahren.

Platz drei innerhalb der EU

Geht es um Familie und Karriere, so ist auch die Frage nach der Kinderbetreuung eine gewichtige. Hier zeigen sich trotz großer regionaler Unterschiede Fortschritte: Zwischen 2008 und 2018 hat sich die Zahl der betreuten unter Dreijährigen mehr als verdoppelt. „Zu wenig“ finden dennoch die Neos. Österreich hinke immer noch anderen EU-Staaten hinterher. Insgesamt sind zwischen 2008 und 2018 442,5 Millionen Euro an Bundesmitteln in den Ausbau der Kinderbetreuungsplätze geflossen.

Generell liege Österreich laut Ministerium auf Platz drei innerhalb der EU, wenn es um Finanzleistungen für Familien geht, vor uns rangieren nur Luxemburg und Estland. Der Familienlastenausgleichsfonds, aus dem die wichtigsten Familienleistungen bezahlt werden, machte 2019 rund zehn Prozent des Budgets aus.

Diese Zahlungen seien durch die Corona-Krise besonders wichtig geworden, um vor Armut zu schützen, da die Krise „natürlich auch das Familieneinkommen an sich zentral betrifft“, erklärte Raab. Ziel sei es daher, Menschen aus der Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit zu holen. Dabei werde schon die geplante Öffnung eine „große Entlastung“ sein. Auch die Öffnung der Schulen müsse „so rasch wie möglich“ erfolgen.

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