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Politik Inland
02/13/2020

Eurofighter-Causa: "Airbus nicht gut auf uns zu sprechen“

Luftwaffenexperte Georg Mader sieht keine große Kooperationsbereitschaft bei Airbus.

von Armin Arbeiter

Es ist beileibe nicht das erste Mal, dass die Causa Eurofighter die Republik beschäftigt. Georg Mader, Korrespondent der Militärfachzeitschrift Jane's Defence, beschäftigt sich damit laufend.

Dass Airbus auf die Forderungen von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner eingehen wird, hält er für unwahrscheinlich: "Es ist eher auszuschließen, dass sie uns per Zwang entgegenkommen oder uns ein Upgrade-Paket geben. Der gesamte Konzern ist aufgrund der Vorkommnisse aus Vergangenheit und Gegenwart nicht gut auf Österreich zu sprechen“, sagt Mader im KURIER-Gespräch.

Improvisationszwang

Selbst wenn Österreich aus dem Vertrag ausstiege, würden die Eurofighter "noch mindestens zwei Jahre“ weiterfliegen.

Dass der ehemalige Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) bei seinem Deal auf die Tranche 2 verzichtet hat, werde den österreichischen Eurofightern immer nachhängen. "Weil wir die Tranche 1 haben, sind wir andauernd dazu gezwungen, zu improvisieren. Das machen die Soldaten auf der Fliegerwerft jedoch grandios.“

Dennoch sei eine Neuanschaffung heuer ein "absolutes Muss“, nämlich die Eurofighter mit einem sogenannten "Mode 5/S-Transponder" auszustatten. "Durch dieses Gerät kann die zivile Luftraumsicherung sehen, um welches Flugzeug es sich handelt. Das wird in Europa nächstes Jahr Pflicht, kostet pro Flugzeug 400.000 bis 450.000 Euro.“

Würde man auch noch die von Darabos vorgenommene "Verstümmelung der Eurofighter wiedergutmachen“, käme man laut Mader auf Kosten von 100 bis 150 Millionen Euro.

Konkret wären das die Infrarotnachtsicht, der elektronische Selbstschutz und vier große Allwetterlenkwaffen. "Diese Dinge wären zeitgemäß, aber nicht zwingend.“ Würde man auch in der Nacht andere Flugzeuge identifizieren wollen, wäre vor allem die Infrarotnachtsicht notwendig. Doch hier zeigt Mader ein anderes Problem auf: "Allerdings haben wir derzeit nicht genügend Piloten.“

In puncto Nachbeschaffung der Saab 105 macht Mader Druck: "Es wäre höchst an der Zeit, dass Österreich sagt, ob der Nachfolger der Saab 105 in die Luftraumüberwachung eingebunden werden soll, oder nicht.“

Automatische Erkennung
Der "Mode 5/S-Transponder" ermöglicht es der Europäischen Flugraumreguliereung zu erkennen, um welches Flugzeug es sich handelt. Ab 2021 wird das in Europa Pflicht.

Nachtflugtauglichkeit
Mit einem Upgrade auf die Infrarotnachtsicht könnten die Abfangjäger auch in der Nacht Einsätze fliegen – sofern es auch genügend Piloten gäbe.

Elektronischer Selbstschutz
Das Praetorian Defensive Aids Sub System (DASS) ist das Selbstschutzsystem des Eurofighter. Es integriert Sensoren und Störgeräte, um den Jet mit fortschrittlichen elektronischen Täuschungstechniken vor Bedrohungen wie Flugkörpern mit Infrarot- oder Radarsuchkopf zu schützen.

Radar-Lenkwaffe
Die die sogenannte AMRAAM-Rakete (Advanced Medium Range Air to Air Missile) ist eine radargesteuerte Lenkwaffe und erreicht eine Geschwindigkeit von Mach 4 (4.900 Km/h). Mit einer  effektiven Abschussentfernung von 50 Kilometern könnten Piloten bei starkem Schlechtwetter und hochgestaffelten Wolken über größere Entfernungen reagieren.

 

Mögliche Nachfolger

Derzeit kommen für Mader drei Flugzeuge als mögliche Nachfolger der Saab 105 infrage: Der BAE Hawk, ein leichter britischer Strahltrainer, der rund 15 Millionen pro Stück kostet. Die zweite Variante wären tschechische Aero L-39NG um rund zehn Millionen Euro.

Als drittes wären italienische Leonardo-Flieger Typ M346 FA für 20 bis 25 Millionen Euro möglich. "Sollte der Eurofighter nicht vollkommen aufgerüstet werden, wäre vor allem der M346 FA eine sehr gute Ergänzung.“

Grundsätzlich ist die österreichische Debatte über die Luftraumüberwachung für Mader überzogen: "Wir könnten in Österreich 40 bis 50 Hochleistungsjets betreiben, ohne dass die Bevölkerung das im Geldbörserl spürt und wären in Europa dennoch knapp unter dem Durchschnitt.“